Noch 17 Tage bis zur WM: Für "Lodda" ist keine Konkurrenz in Sicht

Noch 17 Tage bis zum Anpfiff in Russland. Grafik: dab
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Der Countdown läuft, und das ist gut so! Noch 17 Tage bis zur Eröffnung der 21. Fußball-WM. Ganz allmählich wird es Zeit, um Kaltgetränke und Snacks einzulagern, Trikots zu bügeln oder vielleicht auch die örtlichen Fanmeilen zu studieren. 

Lassen Sie uns reden über: Lothar Matthäus.

Ja, wir haben uns über ihn lustig gemacht. Über seine Sprüche („Wäre, wäre, Fahrradkette“). Über seine Vorliebe zu Lolitas (und damit ist gewiss nicht nur seine erste Ehefrau Lolita Moreno, Jahrgang 1960, gemeint). Über sein Talent, sich an verschiedenen Stationen binnen kürzester Zeit als Trainer untragbar zu machen. Über haarsträubende Fettnäpfchen und Fehltritte.
Eines aber muss man dem Mann lassen: Als Fußballer hat er eine Konstanz und Größe, die ihresgleichen sucht. Es kommt eben nicht von ungefähr, dass „Lodda“ bei fünf Weltmeisterschaften dabei war – das schafften außer ihm allein der Mexikaner Antonio Carbajal und die italienische Torwart-Legende Gianluigi Buffon. 25 WM-Einsätze hat der gebürtige Erlanger zwischen 1982 und 1998 absolviert. Damit ist er weltweit die unangefochtene Nummer eins.

1990: Der Höhepunkt

Den unbestrittenen Höhepunkt seiner Karriere erlebte der Rekord-Mann 1990, als er Deutschland beim Turnier in Italien zum Titel führte. Was war das für eine Dynamik, mit der er das deutsche Spiel nach vorne trieb. Noch dazu mit Drang zum Tor – mit vier Treffern wurde Matthäus seinerzeit bester Deutscher und geteilter Dritter unter allen Torschützen des Turniers. Darunter war auch das Tor des Jahres 1990, das der Mittelfeldspieler zum zwischenzeitlichen 3:1 im Auftaktspiel gegen Jugoslawien markiert hatte. Weit in der eigenen Hälfte schnappte er sich den Ball, trieb ihn unaufhaltsam nach vorne, ließ zwei, drei Mann aussteigen und knallte die Kugel dann satt ins untere linke Eck.
Wahrscheinlich wäre „Lodda“ sogar entscheidende Torschütze im Finale geworden – hätte ihn nicht sein Schuhwerk im Stich gelassen. Bereits in der ersten Halbzeit war die Sohle aufgebrochen, Matthäus wechselte die Treter. Als Schiri Méndez dann kurz vor Schluss auf Elfmeter entschied, traute der designierte Strafstoß-Schütze Nummer eins (im Viertelfinale hatte er gegen die CSSR sicher verwandelt) dem Material nicht so recht über den Weg und ließ Andi Brehme den Vortritt. Das Ende ist bekannt.

„Der Beste von allen“

Sollte es noch eines letzten Beweises bedürfen, um die Klasse des Franken zu untermauern, dann möge das Testat des großen Diego Maradona alle Zweifler für immer zum Schweigen bringen: „Lothar Matthäus war ein fantastischer Fußballer, ein wirklich kompletter Spieler“, so der legendäre Argentinier: „Er war definitiv der beste Kontrahent, dem ich in meiner gesamten Karriere gegenüberstand.“
Maradona selbst brachte es auf 21 WM-Einsätze und belegt damit in der ewigen Bestenliste mit Uwe Seeler und dem Polen Wladyslaw Smuda den vierten Platz. Auf Platz zwei liegt mit Miro Klose (24 WM-Einsätze) ebenfalls ein Deutscher, es folgt der Italiener Paolo Maldini (23) auf dem Bronze-Rang. Überhaupt ist die DFB-Elf mit fünf Mann in den Top Ten bestens vertreten (Philipp Lahm und Bastian Schweinasteiger teilen sich mit dem Polen Lato und dem Brasilianer Cafú den siebten Platz).

Kein Ende in Sicht

Und auch das steht fest: So schnell wird Lothar Matthäus seine „Pole Position“ nicht abgeben, denn nur wenige Aktive sind überhaupt in Schlagdistanz. Die Niederländer Van Persie und Sneijder (je 17) werden mangels Qualifikation in absehbarer Zeit keine WM-Spiele mehr machen, weitere relativ weit vorn platzierte Akteure haben längst ihren Rücktritt aus der jeweiligen Nationalmannschaft verkündet (darunter der Brasilianer Lucio, 17).
Theoretische Chancen haben die Argentinier Mascherano (16) und Messi (15). Der im Juni 34-jährige Mascherano müsste dazu aber noch mindestens zwei WM-Turniere absolvieren, 2018 in Russland käme er im Optimalfall auf 23 WM-Einsätze. Gleiches gilt für seinen mexikanischen Kollegen Rafael Marquéz, der aber – mit 39 Jahren – wohl kaum noch eine weitere WM bestreiten wird. Mal abgesehen davon, dass Mexiko für sieben Partien schon mindestens das Halbfinale erreichen müsste.
Bleibt Legende Lionel Messi, dem auch in dieser Hinsicht Besonderes zuzutrauen ist: Falls der fünfmalige Weltfußballer bis 2022 fit bliebe und seine Argentinier unter die letzten Vier kämen, könnte er im Optimalfall 29 Spiele machen und Matthäus überflügeln.
Und vielleicht droht dem ewigen „Lodda“ ja sogar Konkurrenz aus dem eigenen Lager. Der 28-jährige Thomas Müller, der 29-jährige Mesut Özil und auch der 32-jährige Manuel Neuer (wenn er denn fit ist) hätten durchaus das Zeug dazu, noch zwei Weltmeisterschaften zu spielen. Wenn alles perfekt läuft, könnten sie auf bis zu 28 (Özil) bzw. 27 Einsätze (Müller, Neuer) kommen.

Text: FraG

Die Bestenliste der WM-Rekordspieler
1 Lothar Matthäus / D (25)
2 Miroslav Klose / D (24)
3 Paolo Maldini / It. (23)
4 Diego Maradona / Arg. (21)
Uwe Seeler / D (21)
Wladyslaw Zmuda / Pl. (21)
7 Cafú / Bra. (20)
Philipp Lahm / D (20)
Grzegorz Lato / Pl. (20)
Bastian Schweinsteiger / D (20)
11 Per Mertesacker / D (19)
Wolfgang Overath / D (19)
Ronaldo / Bra. (19)
Karl-Heinz Rummenigge / D (19)
Berti Vogts / D (19)
16 Franz Beckenbauer / D (18)
Thomas Berthold / D (18)
Antonio Cabrini / It. (18)
Fabio Cannavaro / It. (18)
Carlos Dunga / Bra. (18)
Mario Kempes / Arg. (18)
Pierre Littbarski / D (18)
Sepp Maier / D (18)
Gaetano Scirea / Ita. (18)
Taffarel / Bra. (18)

Noch 17 Tage bis zum Anpfiff in Russland. Grafik: dab
Der ewige „Lodda“: Matthäus brachte es auf insgesamt 25 WM-Einsätze und wird die Führung bis mindestens 2022 verteidigen. Foto: Archiv / Halstenbach
Autor:

Miriam Dabitsch aus Velbert

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