Noch 25 Tage bis zur WM: Auf den Spuren von "Boss" Rahn in Essen

Nur noch 25 Tage, dann geht die Fußball-WM endlich los! Grafik: dab
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„Aus dem Hintergrund müsste Rahn schießen... Rahn schießt... Tor, Tor, Tor!“ Der Gefühlsausbruch von Rundfunkreporter Herbert Zimmermann beim 3:2-Siegtor der deutschen Fußball-Nationalmannschaft im Weltmeisterschafts-Finale 1954 ging um die Welt.

Wer auf der A 40 in Essen unterwegs ist, der wird mit diesem Teil deutscher WM-Geschichte konfrontiert. Nur wenige hundert Meter entfernt von den Brücken-Schriftzügen fand der Mann seine letzte Ruhe, der das „Wunder von Bern“ möglich machte: Auf dem Margaretenfriedhof in Essen-Frohnhausen liegt Helmut Rahn begraben.
Eine Wallfahrtsstätte der Fußballfans ist sein schlichtes Grab nicht. Aber für die Heldenrolle war der „Boss“, wie er zeitlebens genannt wurde, auch nicht geboren. Trotz seines Fußballer-Ruhms blieb Helmut Rahn privat ein bescheidender Mensch. „Die Öffentlichkeit habe ich nie gesucht, und deshalb werde ich sie auch nicht vermissen“, sagte er einmal.

Rahns Karriere begann bei Altenessen 12

Bei Altenessen 12 trat der junge Helmut in den 1930er Jahren erstmals vor den Ball, beim Oberligisten Sportfreunde Katernberg machte das Stürmertalent nach dem Krieg auf sich aufmerksam. Der FC Schalke 04 warb um seine Gunst, doch Georg Melches, Mäzen von Rot-Weiss Essen, hatte die besseren Argumente und lotste den Rechtsaußen zur Hafenstraße, wo er es krachen ließ. Seine Schüsse aus vollem Lauf waren von allen Torhütern gefürchtet.
1953 wurde Rahn mit dem Rot-Weissen DFB-Pokalsieger, zwei Jahre später Deutscher Meister. Als es mit RWE bergab ging, wechselte Rahn zum 1. FC Köln, später zu Twente Enschede und zum Meidericher SV, für den er nach Einführung der Bundesliga noch 19 Spiele bestritt, ehe er 1964 seine Karriere beendete.

Bundestrainer Sepp Herberger musste er erst von sich überzeugen

Seinen größter Triumph war jedoch der Gewinn der Weltmeisterschaft 1954 in der Schweiz. Dabei hatte Stimmungskanone Helmut Rahn bei Bundestrainer Sepp Herberger zunächst keine guten Karten. Im entscheidenden Gruppenspiel gegen die Türkei (7:2) erhielt sein Konkurrent Berni Klodt von Schalke 04 noch den Vorzug. Vor dem Viertelfinale gegen Jugoslawien konnte Zimmergenosse Fritz Walter den „Chef“, wie Herberger genannt wurde, jedoch von Rahns Qualitäten überzeugen, und der „Boss“ bedankte sich für das Vertrauen mit dem entscheidenden Treffer zum 2:0.
Fortan war der Essener gesetzt. Beim 6:1-Halbfinalsieg gegen Österreich zählte er nicht zu den Torschützen, doch im Finale schlug dann seine große Stunde. Bereits nach acht Minuten hatten die scheinbar übermächtigen Ungarn im Berner Wankdorfstadion mit 2:0 geführt, doch die deutsche Mannschaft schlug zurück und schaffte durch Max Morlock (10.) und Helmut Rahn (18.) den 2:2-Ausgleich. Sechs Minuten vor Schluss dann die Entscheidung: In unnachahmlicher Manier zog der „Boss“ nach Innen und schoss den Ball mit dem linken Fuß zum 3:2 ins linke untere Eck.
Mit diesem Tor versetzte Helmut Rahn eine durch den Krieg gebrandmarkte Nation in kollektive Aufbruchstimmung. Deutschland war plötzlich wieder wer. Unzählige Male wurde der 40-fache Nationalspieler hernach bei Thekengesprächen auf seinen Linksschuss angesprochen.

In der Friesenstube in Frohnhausen hängen Trikot, Schal und signierte Fotos

Vor allem in seiner Heimat. In der „Friesenstube“, seiner Stammkneipe in Essen-Frohnhausen, erinnern ein roter Schal mit dem Spruch „Helmut Rahn – ein Held von Bern“, ein Nationaltrikot sowie zwei signierte Fotos an den „Boss“.
Als Rahn am 14. August 2003, zwei Tage vor seinem 74. Geburtstag, starb, trauerten nicht nur Fußballfans. Deutschland habe „eine wirkliche Legende verloren. Er war ein Mensch mit Ecken und Kanten – ein Boss auf dem Platz, ein bescheidener Mensch außerhalb des Spielfeldes“, schrieb der damalige Bundespräsident Johannes Rau an die Familie. Eine Bronzestatue vor der Westtribüne des Essener Stadions erinnert an den ersten deutschen WM-Helden, der „im Himmel weiter spielt“, wie der Titel eines Buches mit Ruhrgebiets-Geschichten verrät.

Text von Michael Köster

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