„Gussstahlfabrik“ auf dem Rottberg bombardiert

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Mit dem Buch „Das vergessene Scheindorf Velbert“ bietet Jürgen Lohbeck Interessierten die Möglichkeit, sich noch besser mit der Geschichte der Stadt Velbert auseinanderzusetzen.
Bei dem Scheindorf handelt es sich um eine Attrappe der Krupp´schen Werke, die während des Zweiten Weltkriegs eine Gussstahlfabrik in Essen vor nächtlichen Angriffen britischer Bomber schützen sollte.
Zwar ist die Existenz der Velberter Anlage in Krupp´schen Archiven belegt, aber das meiste über dieses Thema weiß Jürgen Lohbeck aus den Erfahrungen und Schilderungen seines im Jahr 2000 verstorbenen Vaters Günter.
Mit einfachen Mitteln wurde die Fabrik aus Holz, Teerpappe und Segeltuch nachgebaut. Es gab jede Menge Scheddächer, einen Kühlturm und einen hohen Schornstein, sogar eine Feldbahn drehte ihre Runden. Während nachts alles verdunkelt war, sorgten auf dem Rottberg Lichteffekte und gezielt entfachte Brände dafür, dass es für die Bomberpiloten so aussah, als hätten sie eine arbeitende Fabrik vor sich.
Am Anfang funktionierte die Täuschung gut, von Juli 1941 bis Januar 1943 gingen auf das Scheindorf insgesamt 70 Sprengbomben und Minen runter, während die Fabrik in Essen nur 48 Treffer abbekam. Die Werkluftschutzleitung von Krupp registrierte in diesem Zeitraum auf das Werk in Essen 1.577 Brandbomben, auf den Rottberg hagelten gleich 5.665 nieder. „Danach hatte die britische Luftwaffe die Täuschung erkannt“, stellte Jürgen Lohbeck fest, „trotzdem wurde es bis 1945 weiter unterhalten.“
Günter Lohbeck, der Vater des Autors, musste 1943 der Freiwilligen Feuerwehr beitreten, die am Niedung ein Löschfahrzeug stationiert hatte, das sich heute in der Obhut des Feuerwehrmuseums Heiligenhaus befindet. Er hatte die Angriffe auf das Scheindorf miterlebt. Bei zahlreichen Spaziergängen durch das Gebiet konnte er seinem Sohn daher über viele Details berichten. Doch Jürgen Lohbeck stützt sich in seinem Buch nicht nur auf die authentischen Erzählungen seines Vaters und anderer Zeitzeugen, sondern er stellt Luftaufnahmen der Royal Air Force vor, die er mit dem heutigen Gegebenheit vergleicht, so dass die Lage der Analge deutlich wird.
Von dem Scheindorf ist nichts übrig geblieben. „Sofort nach dem Krieg wurde es abgebaut, die Bauern wollten ihr Land wieder bestellen, die Menschen konnten die Materialien in dieser Mangelzeit gut gebrauchen.“ Von seinem Vater, der Elektriker war, wusste er, das kilometerlange Stromleitungen wieder verwendet wurden.
Der Leitbunker, von dem aus die elektrischen Anlagen gesteuert wurden, ist erhalten, aber nicht zugänglich. Reste einer Geschützstellung am Gut Pollen wurden erst kürzlich entfernt. Kurz vor Drucklegung des Buches wurden auf einem Bauernhof die Feldbahngleise entdeckt, die zum Teil als Zaunpfähle verwendet wurden.
Jürgen Lohbeck, der durch die Recherche zu seinem Buch ehrenamtlicher Mitarbeiter des Landschaftsverbands Rheinland im Bereich Bodendenkmalpflege wurde, konnte sie dank der Prägung „Krupp 1941 K6A“ eindeutig als Teil des Scheindorfes identifizieren. Das Buch „Das vergessene Scheindorf Velbert“ ist ab sofort im Buchhandel erhältlich.

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