Ein Jahr mit Schmerz und Zweifel

Die WM 2019 in Doha und Olympia in Tokio sind die nächsten Ziele von Diskuswerfer Daniel Jasinski. Foto: Archiv
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  • hochgeladen von Peter Mohr

Im Moment geht es beim Diskuswerfer Daniel Jasinski eher ruhig zu. Er ist noch nicht wieder richtig fit, trainiert nur mit gebremstem Schaum. Am letzten Sonntag konnte er als Papa zum ersten Mal Kindergeburtstag feiern.

"Das war ein völlig neues Erlebnis für mich", so der Olympiabronzemedaillengewinner, der sich über jede Stunde freut, die er gemeinsam mit seinem Sohn verbringen kann. Das schafft auch ein wenig Ablenkung nach einem ziemlich frustrierenden Jahr 2018. Im letzten Winter war zunächst alles nach Plan verlaufen. Immer den Blick geradewegs auf die EM im eigenen Land fokussiert. Erst ein Trainingslager in den USA, dann auf Fuerteventura. Probleme an der Hüfte, in der Leiste und im Adduktorenbereich stellten sich ein.
Ärzte wurden konsultiert, die Physio-Anwendungen intensiviert. Es ging bergauf und bergab, Jasinskis Fitnessgefühl im Frühjahr glich einer Achterbahnfahrt. Ende Mai schaffte er in Tschechien die EM-Norm mit 66,59 Meter. Die Tür zur Europameisterschaft hatte er einen Spalt weit geöffnet, die Schwelle überschreiten musste er dann bei den Deutschen Meisterschaften. Er holte Silber, das Ticket für Berlin war gelöst. Doch die Schmerzen blieben, wurden - immer das Saisonziel vor Augen - in den Hintergrund gedrängt.
Vor den kontinentalen Titelkämpfen stand noch ein Trainingslager des DLV in Kienbaum an, einher gehend mit diversen medizinischen Behandlungen.
Doch wirklich besser wurde es nicht. "Ich hatte mir vorgenommen, mit dem ersten Wurf gleich richtig einen rauszuhauen", so der 28-Jährige heute im Rückblick. Mit den Schmerzen nicht nur im Körper, sondern auch als Begleiter im Hinterkopf, setzte er sich mächtig unter Druck, als er in Berlin in den Wurfring trat.
Und es ging daneben! "Der Wurf war nicht schlecht, aber technisch unsauber. Danach war alles nur noch eine Qual", so der 2,08 Meter große Hüne. Nach Berlin hatte er sich sofort mit seinem Vater und Trainer Miro zusammen gesetzt und selbstkritisch Fehleranalyse betrieben. "Wir kamen aber nicht wirklich weiter", so Jasinski im Rückblick. Er trat zum Saisonende noch zweimal an - zur Verabschiedung der Weltklasse-Athleten Robert Harting in Berlin und Gerd Kanter in Talinn: "Das waren für mich keine Wettkämpfe mehr, sondern einfach Gesten an diese großen Diskuswerfer."

Hilfe durch Bruder

Sein Bruder Julian (Basketballer bei den Telekom Baskets in Bonn) brachte ihn dann mit deren Mannschaftsarzt zusammen. Die Diagnose nach einem umfangreichen "Check" mit mehreren MRTs: eine verschleppte Schambeinentzündung.
"Schade, dass ich soviel Zeit verloren habe, aber andererseits weiß ich jetzt, was es war, und das wirkt wie eine Erleichterung und die Selbstzweifel, die sich eingestellt haben, sind weg", blickt der 125 Kilo-Mann optimistisch nach vorn. Vorerst ist nur dosiertes Training des Oberkörpers möglich. Zweimal die Woche geht es in die Schwimmhalle, drei bis viermal in den Kraftraum.
Wenn alles gut läuft, steht Ende des Monats das erste Trainingslager in Südafrika an. Bis dahin genießt er noch etliche Stunden im Familienkreis mit Frau und Sohn - aber schon jetzt die beiden nächsten Ziele vor Augen. Die WM 2019 in Doha und Olympia ein Jahr später in Tokio. "Ich werde zeigen, dass der Jasinski noch da ist", gibt sich der Bronzemedaillengewinner kämpferisch und angriffslustig.

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