"Trauen wir uns, weiterhin streibar zu sein!" (Stefanie Werner, Gleichstellung Hamminkeln)

Stefanie Werner (Gleichstellungsbeauftrage Hamminkeln)

Liebe Leserinnen und Leser,
im Grußwort zu einem Fachtag des Runden Tisches gegen häusliche Gewalt an Frauen und Kindern im Kreis Wesel, anlässlich des Internationalen Tages gegen Gewalt an Frauen, wurden im Vorjahr bedruckende, aber wahre Worte gesprochen:Es ist traurig, dass wir ihn brauchen, aber es ist gut, dass wir ihn haben.  

So ist es nicht nur mit dem Runden Tisch gegen häusliche Gewalt, in dem sich alle Hilfs- und Beratungsorganisationen im Kreisgebiet miteinander vernetzen um bestmögliche Arbeit zu leisten. So ist es mit allen Hilfs- und  Beratungsstellen, und so ist es mit Menschen die aktiv werden, für ihre Sache einstehen und notfalls auch lauthals demonstrieren und auf die Straße gehen. Auch, wenn es oftmals doch „ein wenig unbequem“ ist, aufzustehen, sich einzusetzen, für etwas einzustehen, vielleicht auch gegen eine breite Masse aufzutreten.

Wir schauen in den letzten Monaten oftmals fassungslos Richtung Amerika und in die Türkei. Es könnten hier noch weitere Staaten aufgezählt werden, die so offensichtlich  unsere scheinbar doch gesicherten Menschen (- und damit auch Frauen-)rechte mit Füßen treten.  

Trump hat mit seinem Amtsantritt unter anderem ein Dekret unterschrieben, das allen Entwicklungsorganisationen die staatlichen Gelder entzogen werden, die sich für das Recht auf Verhütung und Abtreibung (Familienplanung) einsetzen. Gleichzeitig kündigte er ein Abtreibungsverbot für Amerika an.  

Und wie sieht es bei uns derzeit aus? In Deutschland wird eine Ärztin verurteilt, die auf ihrer Website über Schwangerschaftsabbrüche aufklärt – was in dieser Form nach § 219 a StGB strafrechtlich verboten ist und geahndet wird.
  
Ender der 60er, Anfang der 70 er, war das Verbot abzutreiben bei uns Auslöser der neuen Frauenbewegung. Es ging dabei um das elementarste Recht einer Frau: selbst zu bestimmen, ob und wann sie Mutter wird. Also eine ungewollte Schwangerschaft nicht unter Demütigung und Lebensgefahr illegal abbrechen zu müssen, sondern das Recht auf medizinischen Beistand zu haben. Die Aufklärung darüber ist jedoch weiterhin u.a. in der oben genannten Form verboten?

In der dritten Welt sterben alljährlich weiterhin 47.000 Frauen an den Folgen illegaler Abtreibungen – wollen wir in der westlichen Welt dahin zurück? Erdogan als Pendant zu Trump hat bereits im Mai 2016 Verhütung und Abtreibung als Verrat an der Nation und als Mord bezeichnet. Er verlangt von den Bürgerinnen seines Landes mindestens drei Kinder zu gebären - dazu noch im Namen "unseres geliebten Propheten". 

 
Auch bei Trump darf übrigens der "liebe Gott" für alles her halten. Das erinnert stark an früher, als die katholische Kirche ebenfalls im Namen des Glaubens auf Kreuz- und Raubzügen unterwegs war. Wie steht es also um unsere mühsam erarbeitete Demokratie?  Es ist weiterhin viel zu tun! Vor allem müssen wir uns dafür einsetzen, dass keine Rückschritte gemacht werden

Nicht nur mit dem Einzug der AFD in den Bundestag wird aktuell derChancengleichheit von Frauen und Männern der Kampf angesagt. Tradierte Rollenbilder werden wieder belebt. 

Wir alle sind hier gefordert dafür einzustehen, dass wir nicht wieder dahin zurück fallen, dass ein Geschlecht oder auch eine Nation den „vermeidlich schwächeren" vorgeben darf, wie es zu leben hat.  

Wir müssen dafür eintreten, dass wir fortschrittlich weitergehen und nicht zwei Schritte vor und drei Schritte zurück. Schauen wir für uns, unsere Kinder und Enkel, wie ein gleichberechtigtes Leben, das nicht nur Mädchen und Jungen die gleichen Chancen bieten soll, aussieht.  

Und halten wir im Hinterkopf, dass in der Regel wir selber es sind, die die „Unterschiede“ zwischen Mädchen und Jungen oder schwarz und weiß forcieren.Lassen Sie uns aufmerksam bleiben und für uns und unsere Werte einstehen. Trauen wir uns (weiterhin), streitbar zu sein.  

Das ist etwas, das wir alle wunderbar leben können, wenn wir wollen.  
In diesem Sinne wünsche ich ein erfolgreiches und gesundes Jahr 2018. 

Stefanie Werner
Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Hamminkeln

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