Wittener Pflegekräfte beziehen Stellung
Pflegekammer - ja oder nein?

In diesem Jahr fanden in Herne und Düsseldorf Demos gegen die Pflegekammer NRW statt.
  • In diesem Jahr fanden in Herne und Düsseldorf Demos gegen die Pflegekammer NRW statt.
  • Foto: Christiane Pauls
  • hochgeladen von Nicole Martin

Die Pflegekammer NRW wird zurzeit stark diskutiert, vor allem von Mitarbeitern im Pflegesektor. Wir haben Pflegekräfte, die in Witten leben oder arbeiten, gefragt, was sie von der Einführung halten.

Was genau aber ist die Pflegekammer NRW? Sie soll eine Interessenvertretung für Pflegekräfte im Land darstellen. Auf der Homepage heißt es dazu: "Damit die Pflegekammer vom Land besondere Aufgaben übertragen bekommen kann, ist es notwendig, alle Berufsangehörigen als Mitglied der Kammer zu registrieren."
Die Meinungen derjenigen, die es betrifft, gehen dabei weit auseinander. Viele der Pflegekräfte, die uns geschrieben haben, sprechen von einer Zwangsmitgliedschaft.
Pfleger Jonas Hylla sieht das anders: "Grundsätzlich ist eine 'Verkammerung' des Pflegeberufs eine sehr große Chance für alle professionell Pflegenden, ihren Beruf und damit auch ihre eigenen Arbeitsbedingungen nach vorne zu bringen. Das passiert zum Beispiel in Form von selbst entwickelten allgemeingültigen Qualitätsstandards oder in Entscheidungsgremien, wo mit Politikern, Ärzten unter anderem über gesundheitliche Versorgungsplanung in NRW Entscheidungen getroffen werden. Das Land NRW übergibt den Pflegenden selber hoheitliche Aufgaben in Form einer Körperschaft öffentlichen Rechts (also der Kammer). Dies Bedeutet, dass sich der Pflegeberuf in Form von einer Selbstverwaltung organisiert. Mit anderen Worten: Die Pflege trifft die Entscheidung über berufliche Belange selbstständig ".

Auftrag der Politik

Ähnlich sieht es auch Jürgen Drebes, Krankenpfleger und wissenschaftlicher Mitarbeiter der Uni Witten/Herdecke: "Ich bin selbstverständlich dafür, dass es eine Pflegekammer in NRW geben soll, denn dadurch werden wir von der Politik und damit auch von der Gesellschaft legitimiert, unseren Beruf aufzubauen und selbst zu verwalten. Endlich legen wir Pflegende selbst fest, was unseren Berufsstand ausmacht und sind dafür verantwortlich, eine gute pflegerische Versorgung der Bevölkerung sicherzustellen. Im Prinzip stellt sich auch überhaupt nicht die Frage, ob wir Pflegenden dafür oder dagegen sind, denn wir bekommen den Auftrag von der Politik, das zu tun. In anderen Berufen werden auch nicht die Berufsangehörigen im Vorfeld befragt, ob sie dafür oder dagegen sind. Volksentscheide sind in Deutschland grundsätzlich nicht zur Gesetzesbildung vorgesehen."

Kritik an Kommunikation

Caroline Moll äußert sich allerdings unzufrieden über die Kommunikation der Akteure über ihre Aufgaben: "Auf viele Fragen an den Errichtungsausschuss müsste man auch klare Antworten bekommen, zum Beispiel: Wer bezahlt die Pflichtfortbildungen und eventuellen Zusatzkosten durch Anreise/Übernachtung? Absolvieren wir diese Fortbildungen in der Arbeitszeit oder in der Freizeit? Aber auf meine Anfrage, in welchen wichtigen Gremien die Pflegekammer sitzt, um Positives für die Pflege zu erreichen, erhielt ich zur Antwort: 'Recherchieren Sie selbst'. Was soll ich dazu sagen? Gehen die auch ins Autohaus um ein neues Fahrzeug zu erwerben und auf die Nachfrage nach den technischen Daten werden sie gebeten im Internet nachzulesen ?" Die Pflegekräfte, die sich gegen die Kammer aussprechen, geben zu bedenken, dass zu wenig Fachpersonal befragt wurde. Bei einer Umfrage hat sich damals eine Mehrheit für die Kammer ausgesprochen, allerdings seien nur rund 1500 Menschen befragt wurde. In NRW arbeiten 220.000 in der Pflege. Viele äußern außerdem Bedenken hinsichtlich des Datenschutzes sowie der Mitgliedsgebühr.
Für Christiane Pauls kam die Nachricht über eine Mitgliedschaft überraschend, sie fühlt sich wie viele andere nicht ausreichend informiert: "Ich habe nichts gegen die Kammer, ich habe etwas gegen diesen Zwang, dieses nicht informiert werden . Ich bin ein mündiger Bürger. Ich fände es ehrlich gesagt wunderbar, weiter regelmäßig auf Fortbildungen zu gehen, Standards zu haben, die in allen Häusern identisch wären, an die wir uns halten dürfen. Mir muss aber niemand sagen, das ich in einem ethisch wertvollen Beruf arbeite. Ich möchte mit Würde arbeiten und mir soll würdevoll von allen Seiten begegnet werden, damit ich diese Würde weitergeben kann, an Menschen, die würdevoll behandelt werden wollen."

Diskutieren Sie gerne mit!

An alle Pflegekräfte: "Ich bin für die Einführung einer Pflegekammer NRW."

Autor:

Nicole Martin aus Witten

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