Klinik zeigte den Markt der Möglichkeiten

Am samstag informierten Mitarbeiter der LVR-Linik über das Therapieangebot. Foto: Heinz Holzbach
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Vor 100 Jahren wurde die heutige LVR Klinik - früher Rheinische Kliniken oder Rheinische Provinzial- und Heilanstalt, gegründet. Seitdem leben dort auf dem großen Gelände Menschen, die der Hilfe Anderer bedürfen.

Von den einstigen Großschlafsälen ist heute nichts mehr vorhanden, nur in den leerstehenden Häusern lässt sich zum Teil noch erahnen, wie Psychiatrie früher funktionierte. Gestern gab es nun einen Einblick in die moderne Psychiatrie, in die Angebots-palette, die jedem psychisch Kranken offensteht. Markt der Möglichkeiten war die Veranstaltung im Gesellschaftshaus getauft worden - ein Markt der Möglichkeiten eröffnete sich für interessierte Besucher.
Ob Kinder- und Jugendpsychiatrie, ob die Versorgung von Patienten mit Schlaganfall, Behandlung von Menschen mit Essstörungen oder das vielseitige Angebot an kreativen Therapiemöglichkeiten - im Gesellschaftshaus konnte sich jeder einen schnellen Überblick verschaffen.

Besonderes Interesse gab es für die Therapieangebote, die sich an Kinder mit ADHS richten. Klaus Conrad, Kinder- und Jugendpsychiatrie, informierte zum Neurofeedback.

Klaus Conrad hat seinen Computer aufgebaut, hat ein kleines, handliches EEG-Gerät auf dem Tisch platziert. Damit lassen sich die Hirnströme messen - und zwar ganz ohne viele Kabel. Ein System, das sich vor allem bei Kindern bewährt hat.

Die ersten Eltern haben sich eingefunden, wollen von Klaus Conrad wissen, ob er ihrem neunjährigen Sohn helfen kann.

Das, was Klaus Conrad da mitgebracht hat, ist eine in Deutschland noch ziemlich neue Methode, mit deren Hilfe kleine Zappelphilippe oder Träumsusen geholfen werden soll. In Amerika ist das System des Neurofeedback gut untersucht und wissenschaftlich beschrieben worden. In englischen Schulen hat es einen festen Platz - das Neurofeedback setze bei der Selbstwirksamkeit des Kindes an, erklärt Conrad dem Elternpaar.

Die gesamte Apparatur sieht so aus, wie auf jedem x-beliebigen Schreibtisch. Ein Computer, ein Bildschirm. Mehr nicht. Die Eltern sind erstaunt. Und Conrad erklärt: „Mit diesem System setzen wir an den neuronalen Ursachen der ADHS-Sympotmatik an.“ Die Funktion der Neurotransmitter - der Botenstoffe im Gehirn - werde mit dieser Methode verbessert. Und das nachweislich, wie aus vielen einschlägigen Studien eindeutig hervorgehe. Inzwischen sei bekannt, dass verschiedene Hirnfrequenzen der kleinen Patienten zu hoch oder zu niedrig seien. Hier setze das Neurofeedback an. Ganz ohne Maus oder Tastatur setzt sich der kleine Patient mit dem Computersystem in Verbindung. Nur das EEG-Gerät ist angeschlossen. Und schon kann Junge oder Mädchen sehen, dass der Smiley zum Beispiel gerade gar nicht lächelt, dass die Ampel rot zeigt oder das Raumschiff Kurs auf die Erde und nicht in den Himmel nimmt. „Das hat etwas mit den Gehirnstromfrequenzen zu tun“, so Conrad. Das Kind sieht, dass es jetzt in diesem Moment unruhig oder schläfrig ist. Volle Konzentration ist gefragt, um das Raumschiff schweben zu lassen oder eine grüne Ampel zu zeigen. „Durch das Training lernen die Kinder sich und ihre Selbstwirksamkeit besser kennen“, weiß Conrad. Nach einigen Übungsstunden kann das Gelernte auch in den Alltag übertragen werden. „Wir haben uns hier in der Klinik zum Ziel gesetzt, so wenig Medikamente wie nur eben möglich einzusetzen.“ Kleiner Wermutstropfen: Die Kosten werden nicht im vollen Umfang von der Krankenkasse übernommen. Die Eltern müssen einen Eigenanteil an dieser Therapie übernehmen.

Informationen gibt es in der Kinder-und Jugendpsychiatrie, Tel. 02821/ 81 34 33

Am samstag informierten Mitarbeiter der LVR-Linik über das Therapieangebot. Foto: Heinz Holzbach
Sieht aus wie ein Spiel, ist aber ein Schlaganfalltestgerät: Markus Schaufenberg, LVR-Klinik, stellte es gestern dem Publikum im Gesellschaftshaus vor. Foto: Heinz Holzbach

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