Wohin soll der Jugendplatz?
Ein Platz für die Jugend prominent in der Bochumer City

Jugendliche und junge Erwachsene sieht man in der Innenstadt außerhalb des Bermuda3Ecks eher selten. Es gibt in der City kaum Angebote für sie. Das sollte sich ändern.

Das Leben von jungen Menschen sieht völlig anders aus als das von anderen, insbesondere älteren Menschen. Die Interessen der Generationen unterscheiden sich deutlich. Man will das Leben in vielen Zügen genießen. Seine Ruhe zu haben, steht nicht oben auf der Prioritätenliste. Eine Stadt muss für alle Altersgruppen Plätze bieten, wo diese sich wohl fühlen und ausleben können. Mittlerweile bevölkern an den Wochenenden regelmäßig mehrere hundert Menschen von Schülergruppen über Hipster bis zu Studenten und Best Agern hoch in den 60ern den Platz vor dem Schauspielhaus und am Musikforum. Abends kommen alle zusammen, zum Feiern, Chillen, Musizieren, und Diskutieren. (WAZ vom 30.06.20). Plätze werden also gesucht und gefunden, leider zum Ärger mancher Anwohner (WAZ vom 03.07.20).

In der Innenstadt fehlt ein Platz für die junge Generation

Ein Platz für die junge Generation fehlt bisher in der Innenstadt von Bochum. Fast alle Angebote auf den Plätzen innerhalb des Innenstadtrings richten sich an ältere Menschen. Nur die Gastronomie im Bermuda3Eck ist auf junge Leute ausgerichtet, aber alle Angebote dort drehen sich bevorzugt ums Essen und Trinken und sind dazu regelmäßig kostenpflichtig. Dazu kann man in einigen Läden Bands erleben oder Abtanzen.

Nicht wenigen Jugendlichen fehlt für diese Angebote das Geld, viele wollen sich aber auch ganz anders ausleben. Einige Jugendliche treffen sich gerne beim Skaten, BMX-Fahren oder bei einem Spiel unterm Basketballkorb, andere schauen zu, was die anderen zeigen und können. In sportlicher Hinsicht bietet kein Platz im Zentrum der Stadt irgendwelche Möglichkeiten. Beliebt sind auch Boulderwände, Kleinspielfelder für alle möglichen Ballspiele und eine Partyzone, wo schnell mal ein DJ-Pult aufgestellt werden oder eine Band auftreten kann um die Anwesenden musikalisch abzuholen. Besonders wichtig sind auf einem solchen Platz möglichst viele Sitzgelegenheiten, von denen man die Aktivitäten beobachtet werden können. auch sollte Teile des Areals überdacht sein, damit bei jedem Wetter Aktivitäten möglich sind. Dazu sollte eine Toilettenanlage vorhanden sein und aufgeschlossene Nachbarn, die nicht gleich bei der Polizei anrufen, wenn es mal lauter wird. Auch sollte der Platz so gestaltet sein, dass sich Veranstaltungen wie Raves, die heute regelmäßig illegal stattfinden, hier legal und unkompliziert mit einer unkompliziert einholbaren Genehmigung beim Ordnungsamt durchführen lassen.

Ein Jugendplatz sollte prominent in der Stadt liegen

Jugendliche und junges Leben gehören mitten in die Stadt, sie sind die Zukunft von Bochum. In einer lebendigen Stadt hat jugendliches Leben einen prominenten Platz. Junge Menschen werden nicht in die Außenbezirke der Stadt abgedrängt, wo sie vermeintlich niemanden stören. Also muss auch ein Platz oder ein Areal für jungen Menschen zentral in der Stadt liegen. Im Gespräch mit den STADTGESTALTERn machte der Bochumer Kinder- und Jugendring den Vorschlag, ein solcher Platz könnte auf dem Gelände des City-Tor-Süd am Riff entstehen. Auch die STADTGESTALTER, die bereits eine Umgestaltung der Rottstraße zu einem Streetpark für die junge Generation vorgeschlagen haben, halten dieses Gelände, besonders seine Lage, für sehr geeignet. Neben dem Bermuda3Eck, direkt im Gleisdreieck und ohne Nachbarn drumherum, die gestört werden könnten, erfüllt das Fläche alle gestellten Bedingungen.

Beispiele für Jugendplätze in anderen Städten und Gemeinden:

Das C60/Collaboratorium hatte für das City-Tor-Süd vor einigen Jahren bereits einen Campus auf einer grünen Freifläche mit Spielplatz, einer Sportfläche und Gastronomie vorgeschlagen, die die Innenstadt um eine qualitätvolle Parklandschaft mit großer Aufenthaltsqualität erweitert (Szenario C, C60), die STADTGESTALTER hatten diesen Vorschlag 2017 aufgenommen und angeregt auf dem Gelände aus ehemaligen Flüchtlingscontainern Starterboxen für Gründer und Start-ups zu errichten (Flüchtlingscontainer werden zu “Starterboxen” für Start-ups und Gründer). Beide Vorschläge ließen sich ideal mit dem Jugendplatz kombinieren.

Die Stadt beabsichtigt bisher das Gelände mit Bürobauten zu zu bauen (Bebauung City-Tor-Süd), stattdessen bietet eine Bebauung für junge kreative Köpfe mit einem lebendigen zentralen Platz für die Jugend der Stadt viel bessere Perspektiven. Mit einer entsprechenden Bebauung böte sich die Chance, die jungen Leute direkt in die Innenstadt zu holen. Mit dem Quartier würde die Stadt an prominenter Stelle ein Zeichen setzen, dass sie sich als eine junge, moderne und innovative Stadt sieht, die jungen Menschen Plätze und Möglichkeiten gibt, um sich dort auszuleben und das Leben der Stadt mit zu prägen.

Ein Platz für die Jugend, auch ein (Image-)Gewinn für die Stadt

Die Einrichtung eines Jugend-Areals auf dem Gelände hieße auf eine Bebauung an dieser Stelle zu verzichten, die dadurch entstehenden Einbußen aus der Vermarktung des Geländes wären überschaubar. Der langfristige (Image-)Gewinn für die Stadt, mit einem attraktiven Platz die junge Generation in die Stadt zu holen, wäre ungleich größer. Hinzu kommt der soziale Gewinn für die Stadtgesellschaft.

Die Innenstadt sollte für jede Generation ein Ort sein, wo sie gerne hinkommt, weil sich hier die Gleichgesinnte treffen, sich austauschen, immer was los ist und es hier was zu erleben gibt. In der Innenstadt pulsiert das Leben, in der Innenstadt zeigt sich wie lebendig und vielfältig die Gesellschaft einer Stadt ist. Geben wir der Jugend der Stadt einen Platz an prominenter Stelle, wo sie alles das tun kann, was sie in der Innenstadt tun möchte.

Wichtig ist den STADTGESTALTERn, dass die jungen Menschen bei der Gestaltung des Jugendplatzes aktiv mitwirken und mitreden, damit der Platz auch so gebaut, wird wie sich die späteren Nutzer diesen vorstellen.

Die STADTGESTALTER

Autor:

Dr. Volker Steude aus Bochum

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