Nach dem Freibad-Fail
Vier Optionen wie es mit dem Freibad Werne weiter geht

Foto: Google Earth
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Das Werner Freibad ist geschlossen. Seit Jahren war es baufällig und marode, jetzt wurden die Zustände so schlimm, den Verantwortlichen blieb keine Wahl, sie mussten das Bad schließen. Nach Stadtbad und Südbad (Hallenbadbereich) war das Werner Freibad das dritte Bad, dessen Betrieb eingestellt werden musste, weil Reparaturen nicht mehr möglich bzw. wirtschaftlich untragbar waren.

Politik handelt ohne Schwimmbäderkonzept kopf- und planlos

Die Politik hat versagt. Der Stadt fehlt ein Schwimmbäderkonzept. SPD, CDU und Grüne verhindern seit Jahren die zügige Erstellung. Stattdessen werden unrealistische Planungen (Beschlussvorlage 20191817), in die Welt gesetzt, in Höntrop ein Badneubau für utopisch günstige 16,5 Mio. in Werne eine Badmodernisierung mit 4.000 qm Luxus-Eingangsgebäude und 30 qm Alibi-Quartiersraum für 4,5 Mio., ein Fitnesstudio für 2,75 Mio, und eine Tiefgarage mit 50 Stellplätzen für bis zu 1.000 Besucher pro Tag für 1,5 Mio. Nur die 3,3 Mio für die Sanierung der Schwimmbecken und Badtechnik wären gut angelegt gewesen.

Die aberwirtzigen Pläne für das Freibad Werner waren weder das Ergebnis einer geordneten Planung noch einer Bürgerbeteiligung. Beides gab es im Vorfeld nicht. 2015 stellte man 3,54 Mio. zur funktionalen Aufwertung und energetischen Sanierung des Freibades in das Stadtentwicklungskonzept Werne/ Langendreer ein, 3 Mio. davon erhoffte man aus Fördermitteln des Landes zu erhalten. (ISEK Werner( Langendreer Alter Bahnhof).

Ein absurder Plan

Da die 3 Mio. Fördermittel aber nicht für die Sanierung der Technik wie der Schwimmbecken bereitgestellt werden, sondern nur für Sozialräume, erdachte man einen Luxuseingangs- und Umkleidebereich mit einem 30 qm Alibi-Quartiersraum, um damit die Fördermittelgeber zu überzeugen.

Doch diese Investition hätte den jährlichen städtischen Zuschuss der Stadt für das Bad von zuletzt 397.000 Euro auf über 700.000 Euro anwachsen lassen. Also kamen die Wasserwelten auf die Idee das Eingangsgebäude um ein Fitnessstudio für 2,75 Mio. plus dann erforderliche Tiefgarage für 1,5 Mio. zu erweitern. Mit den Einnahmen aus dem Fitnessstudio sollten zumindest teilweise die notwendigen Zuschüsse gegenfinanziert werden. Im Base Case sollte durch diese Maßnahme der Zuschuss auf 600.000 Euro und im Best Case auf 425.000 Euro sinken. Hätte das Fitnessstudio nicht funktioniert, wie jenes, das im Ruhrpark erst kürzlich geschlossen wurde, hätte der Zuschuss bei 700.000 Euro pro Jahr gelegen.

Doch die Landesregierung entschied, dieses Projekt nicht fördern zu wollen. Hinterfragt man die Idee, wird schnell klar warum. Erschwerend kam hinzu, dass der für das Freibad gültige Bebauungsplan für das Badgelände eine Gemeinbedarfsfläche ausweist. Ein Fitnessstudio ist aber auf Gewinnerzielung ausgerichtet und deckt damit keinen Gemeinbedarf. Ob das Bausordnungsamt auf einer Gemeinbedafsfläche den ganzjährigen Betrieb eines 1.800 qm großen Fitnessstudios zugelassen hätte, darf bezweifelt werden.

Ohne Förderung des Landes hat das 12 Mio.-Modernisierungsprojekt Freibad Werne plus Fitnesstudio keine Chance umgesetzt zu werden.

Die Bürger fragen sich, was kommt jetzt?

Es gibt 4 Optionen wie es mit dem Freibad Werne weitergeht (Tabelle: Vergleich der 4 Zukunftsoptionen): A: Das Bad wird vollständig abgerissen und neu gebaut, B: Es erfolgt eine Sanierung der Badtechnik und der Schwimmbecken, daneben entsteht ein einfacher Eingangs- und Umkleidebereich. Das Bad wird durch die Wasserwelten betrieben, C: Es wird die gleiche Modernisierung wie bei Option B vorgenommen. Das Bad wird zukünftig aber von Bürgern betrieben, D: Das Bad wird geschlossen.

A: Neubau - Das Bad wird vollständig abgerissen und neu gebaut - In Hohenweststadt in Schleswig-Holstein wird derzeit die Erneuerung des Freibades für 8,34 Mio. in Angriff genommen. Dabei werden alle Schwimmbecken zurückgebaut und durch drei neue Becken (Schwimm, Spaß- und Kinderbereich) ersetzt. Die bestehenden Hochbauten werden barrierefrei umgebaut, modernisiert und durch zusätzliche Gebäudeteile ergänzt (Erneuerung Freibad Hohenweststadt, Entwurf).

Übertragen auf Werne würde ein Badneubau somit 9-10 Mio. Euro kosten. Ein modernes Bad könnte deutlich kostengünstiger betrieben werden als ein Bad mit modernisierten Becken. Das Badangebot kann ganz an die Ansprüche angepasst werden, die Schwimmbadbesucher heute an Freibäder stehen. Daher ist bei dieser Option mit einer deutlichen Zunahme an Badbesuchern zu rechnen. Der jährliche Zuschussbedarf wird mit 0,4 bis 0,6 Mio. im Rahmen bleiben.

Gegebenenfalls ist es möglich für den Neubau Fördermittel des Landes zu erhalten.

Auch wäre zu überlegen, ob der Neubau am jetzigen Standort erfolgen soll oder ob ein Neubau an einem anderen, zentraler gelegenen Standort, der mit den öffentlichen Nahverkehr besser zu erreichbaren ist, nicht sinnvoller ist. Möglich wäre beispielsweise auch ein Neubau auf dem ehemaligen Gelände des Nordbads.

B: Einfaches Bad - Es erfolgt eine Sanierung der Badtechnik und der Schwimmbecken, daneben entsteht ein einfacher Eingangs- und Umkleidebereich.Das Bad wird durch die Wasserwelten betrieben - Bei dieser Option wird das bestehende Eingangsgebäude abgerissen und durch ein einfaches Eingangs- und Umkleidegebäude ersetzt, das nur im Sommer genutzt wird und damit u.a. nicht beheizt oder gedämmt werden muss.

Die Investitionskosten würden sich bei dieser Variante zwischen 4 und 5 Mio. Euro bewegen. Der jährliche Zuschussbedarf läge beim Betrieb durch die Wasserwelten bei 0,5 bis 0,6 Mio. Die Modernisierung der bestehenden Becken würde keine Zunahme der Besucher in dem Maße wie im Falle von Option A ermöglichen.

Mit Fördermittel ist nicht zu rechnen.

C: Bürgerbad - Es wird die gleiche Modernisierung wie bei Option B vorgenommen. Das Bad wird zukünftig aber von Bürgern betrieben -
Bei dieser Option wird das Bad wie bei Option modernisiert und umgebaut. Das Bad wird jedoch nicht von den Wasserwelten betrieben, sondern von einem Bürgerverein als Bürgerbad. Dafür erhält der Trägerverein  einen jährlichen städtischen Zuschuss in Höhe von 0,2 bis 0,3 Mio. Euro. Die STADTGESTALTER hatten dieses Betriebsmodell bereits 2017 vorgeschlagen (Freibäder zu Bürgerbädern).

Vorbild für Bürgerbäder ist das Elsebad Schwerte. In Bürgerbädern ist das Angebot besser als in städtischen Bädern. In Schwerte gibt es neben Früh- und Spätschwimmen sowie diversen Badevents sogar ein Freibadkino. Die Badesaison ist länger, ebenso wie die täglichen Öffnungszeiten.. Der Betrieb ist deutlich günstiger. Voraussetzung ist allerdings, dass sich ein gut organisierter und engagierter Bürgerverein findet, der das Bad zuverlässig in Schuss hält und betreibt.

Das Elsebad in Schwerte besuchen 70.000 Besucher im Jahr, das Werner Bad in den letzten Jahren im Durchschnitt 30.000 - 40.000 Menschen. Entsprechend wäre auch bei einem Bürgerbad Werne mit deutlich höheren Besucherzahlen zu rechnen.

D: Das Bad wird geschlossen - Diese Option ist zwar die günstigste, es entstehen nur Investitionen für den Abriss und keine jährlichen Folgekosten. Diese Option wurde aber von der Politik ausgeschlossen.

Wie geht es weiter?

Eigentlich müsste die Stadt, ehe sie weiter über die Erhaltung und den Neubau von Bädern beschließt, ein Schwimmbäderkonzept für die Gesamtstadt beschließen. Die Einsicht, dass ein solches Konzept erforderlich ist, um eine Bäderlandschaft zu schaffen, die allen Anforderungen von Schul-, Vereins- und Freizeitschwimmen in der Stadt gerecht wird, fehlt aber bei SPD, CDU und Grünen. Das Handeln der Stadt in Sachen Schwimmbäder wirkt daher seit Jahren plan- und kopflos.

Für das Freibad Werne zumindest sollte nun ein Konzept erarbeitet werden, das die dargestellten Optionen näher betrachtet, in dem die Investitions- und Folgekosten im Einzelnen aufgeschlüsselt werden und die Vor- und Nachteile im Detail erörtert werden. Auf dieser Grundlage kann dann die Bochumer Politik entscheiden, welche Option realisiert wird.

Volker Steude
Die STADTGESTALTER - politisch aber parteilos

Foto: Google Earth
Vergleich der vier Zukunftsoptionen
Autor:

Dr. Volker Steude aus Bochum

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