Freude und Hoffnung: Hospizdienst des DRK feiert sein zehnjähriges Bestehen

Die Hospizhelferinnen Paula Straub (v.l.), Christine Wagner sowie Koordinatorin Brigitte Rathofer freuen sich über das zehnjährige Bestehen des Hospizdienstes.
  • Die Hospizhelferinnen Paula Straub (v.l.), Christine Wagner sowie Koordinatorin Brigitte Rathofer freuen sich über das zehnjährige Bestehen des Hospizdienstes.
  • hochgeladen von Vera Demuth

„Der Tod ist eher selten Thema“, sagt Christine Wagner. Die 49-Jährige ist eine der 23 Ehrenamtlichen des Hospizdienstes des DRK-Kreisverbands Bochum e.V. und begleitet sterbende Menschen. Seit zehn Jahren gibt es das Angebot, und das Rote Kreuz feiert das Bestehen am 1. März mit einer öffentlichen Veranstaltung inklusive Comedy-Auftritt des Tods.

Was makaber klingt, ist gar nicht abwegig, denn auch beim Hospizdienst geht es durchaus heiter zu. „Wir lachen viel. Die schönen Momente überwiegen“, sagt Wagner über ihre Besuche bei den Patienten. „Ich freue mich, wenn ich jemanden zum Lachen bringen kann, und die Patienten genießen es auch. Es tut ihnen gut.“
Vor zehn Jahren hat das DRK das Angebot ins Leben gerufen. „Das Thema Sterbebegleitung bekam damals mehr Öffentlichkeit“, erinnert sich Koordinatorin Brigitte Rathofer. Es sei eine „Boomzeit“, gewesen, auch das Palliativnetz, dem der Hospizdienst angehört, sei gegründet worden. Das DRK startete 2007 mit einem ersten Qualifizierungskurs, den zwölf von 13 Teilnehmern abschlossen. „Vier sind noch dabei“, so Rathofer.

Qualifizierungskurs

Der Kurs ist Pflicht, aber darüber hinaus gibt es keine fachlichen Voraussetzungen. „Man braucht nichts außer der Bereitschaft, noch etwas über sich lernen zu wollen“, erklärt Rathofer. Denn in dem Kurs, der etwa ein halbes Jahr dauert und 100 Unterrichtsstunden umfasst, lernen die künftigen Hospizhelfer, wie man mit Sterbenden und deren Angehörigen spricht, und sie beschäftigen sich mit Selbsterfahrung. „Wie habe ich Trauer, Verlust, Tod und Sterben erlebt? Wie bin ich in der Lage gewesen, damit umzugehen? Wie helfe ich mir selbst und anderen?“, nennt Rathofer einige der Fragen, die die Teilnehmer sich stellen und beantworten müssen.
Im Stadtspiegel las Christine Wagner von dem Kurs, als sie vor acht Jahren auf der Suche nach einem Ehrenamt war. „Das könnte ich können“, dachte sie sich. „Dass ich es wirklich kann, hat sich erst nach dem Kurs herausgestellt.“ Der Kurs sei unverbindlich, betont Rathofer. Die Teilnehmer können sich währenddessen oder im Anschluss gegen eine Tätigkeit als Hospizhelfer entscheiden, und die Koordinatorin bestimmt im Zweifelsfall am Ende, ob jemand Patienten begleiten darf.
Seit einem Jahr ist Paula Straub dabei. Die 78-Jährige ist Missionsschwester der Redemptoristen und hat zunächst als Ehrenamtliche im Besuchsdienst der DRK angefangen. „Ich kam dann öfter in die Lage, dass Menschen in Sterbesituationen waren“, erzählt sie, warum sie die Notwendigkeit empfand, die Schulung zu machen. Grundsätzlich legt das DRK Wert darauf, dass sein Angebot weltanschaulich neutral ist. „Aber wenn jemand eine religiöse Begleitung wünscht, ist es gut, dass wir Schwester Paula haben“, so Rathofer.

Wünsche der Patienten stehen im Vordergrund

Überhaupt stehen bei der Sterbebegleitung immer die Wünsche der Patienten im Vordergrund. Etwa einmal die Woche, zum Ende hin auch öfter besuchen die Hospizhelfer die Betroffenen – ambulant, im DRK-Haus der Generationen und im St. Anna-Stift. „Der Patient bestimmt das Gespräch“, erklärt Wagner. „Es gibt welche, bei denen man eine Stunde stumm am Bett sitzt. Da geht es darum, da zu sein. Andere erzählen ihr ganzes Leben.“
Paula Straub bringt manchmal Geschichten mit, die sie den Patienten vorliest, oder sie singt mit Menschen, die an Demenz erkrankt sind. „Der Besuch sollte den Patienten Freude und Hoffnung bringen“, sagt sie. Wobei dies nichts damit zu tun habe, den Betroffenen falsche Tatsachen vorzuspielen.
Die Patienten hätten akzeptiert, dass sie stürben, weiß Christine Wagner. „Wenn ich dazukomme, ist das kein Thema mehr. Es sagt keiner, dass er nicht sterben will. Das sind eher die Angehörigen.“
Sie und Straub erleben den Hospizdienst als positive Erfahrung. Trotzdem geht ihre Tätigkeit nicht spurlos an ihnen vorüber. „Den Heimweg mache ich lieber zu Fuß. Dann möchte ich allein sein. Das tut mir gut“, berichtet Straub. Wagner geht raus in die Natur oder sucht Entspannung beim Yoga. „Ich möchte den engen Kontakt, aber wenn man mitleidet, kann man nicht helfen“, erklärt sie, warum das Abschalten wichtig ist. Darüber hinaus steht Brigitte Rathofer den Ehrenamtlichen als Ansprechpartnerin zur Verfügung, und es werden regelmäßig Supervisionen sowie Treffen angeboten.
Ein neuer Qualifizierungskurs für Hospizhelfer wird in der zweiten Jahreshälfte angeboten. Informationen dazu gibt es unter Tel. 9445107.

Jubiläumsveranstaltung

  • Die Jubiläumsveranstaltung zum zehnjährigen Bestehen des DRK-Hospizdienstes findet am Donnerstag, 1. März, um 19 Uhr, DRK-Haus der Generationen, An der Holtbrügge 2-6, statt.
  • Der Eintritt ist frei.
  • Als Gast wird „der Tod“ erwartet, der sein Death-Comedy-Programm „Mein Leben als Tod“ präsentiert.
Autor:

Vera Demuth aus Bochum

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