Karneval in Wattenscheid
"Wenn nicht jetzt, wann dann?" - Alexandra I. und Bodo I. regieren Wattenscheids Narren - ein jeckes Porträt

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"Zwei Jahre des Frohsinns und der Heiterkeit sollen bestimmen unsere Prinzenzeit!", lautet das erste von elf Geboten, die Alexandra I. und Bodo I. bei ihrer Inthronisierung verlasen.
Nun stehen die tollen Tage unmittelbar bevor. Während die Prinzessin schon mal Königin war und gewappnet sein dürfte, ist der Prinz ziemlich frisch im aktiven Karneval dabei und springt mutig ins kalte Wasser.

Von Sabine Beisken-Hengge

Gemeinsam regieren die beiden nun die Narren für zwei Jahre. In Wattenscheid ist das nur einmal möglich. Entstanden ist die Verbindung eigentlich im Spaß, wie es sich für Karneval gehört. "Wir haben alle herumgealbert und dann wurde es doch auf einmal ernst. Im Mai hat Bodo mir eröffnet, dass er das Amt gerne übernehmen möchte", fasst Alexandra kurz zusammen. "Wir haben schon seit längerem darüber philosphiert, wie das aussehen könnte, wenn wir das wirklich machen wollen. Immer wieder haben wir aber die Pläne verworfen. Es kostet ja auch eine Menge Geld. Irgendwann hat es mich dann doch gejuckt", führt Prinz Bodo aus. Sein direktes Umfeld hat ihn in seiner Entscheidung bestärkt. "Mach doch! Wenn nicht jetzt, wann dann?", ermutigten ihn Freunde und Familie zur Übernahme der verantwortungsvollen Regentschaft.

Mit Rheinwasser getauft

Prinz Bodo ist gebürtig im Herzen der Karnevals, in der Domstadt. "Da mir als Kölsche Jung der Karneval im Blut liegt, wurde ich 2017 Mitglied der Gü.Ka.Ge. und der Prinzengarde Rot Weiß." Und auch seine Prinzessin ist im Karneval tief verwurzelt.
Alexandra Hegenberg stammt aus der Nachbarstadt Essen, hat ihr Herz in Wattenscheid verloren. "Hier fühle ich mich richtig wohl, hier sind meine Söhne aufgewachsen", sagt sie.
Beruflich ist Alexandra Hegenberg dennoch in Essen geblieben und ist dort als Kaufmännische Angestellte bei den städtischen Entsorgungsbetrieben tätig. "Bei uns war Karneval zu Hause immer ein wichtiges Thema, die Begeisterung dafür ist mir bereits in die Wiege gelegt worden. Seit 2010 gehöre ich der Gü.Ka.GE. an und bin seit 2013 aktives 'Spätes Mädchen'."

Im Kinderwagen zum Gänsereiten

Eine ganz intensive Verbindung besteht zu den Sevinghauser Gänsereitern. "Schon im Kinderwagen bin ich dort hin geschoben worden. Ich bin mit dem Gänsereiten groß geworden. Und ich war 2011 Königin in Sevinghausen."
Selbstverständlich zeichnen die Tollitäten Menschen, die sich um den Karneval verdient machen, mit dem eigens kreierten Orden aus.
Den Förderturm der Zeche Holland haben die Tollitäten als Wahrzeichen ausgesucht, darauf das Wappen der Stadt Wattenscheid sowie die Embleme des Elferrats und der "Späten Mädchen". "Das sind die beiden Gruppierungen unseres Heimatvereins, der Gü.Ka.Ge. (Günnigfelder Karnevalsgesellschaft)", erklärt Alexandra Hegenberg.
Ganz unten zu sehen sind die Wappen der elf Vereine, deren Dachverband der Festausschuss Wattenscheider Karneval ist. "Die Vereine sind das Fundament für die närrische Tradition", so das Prinzenpaar. "Wir wollen die Gemeinschaft im Wattenscheider Karneval stärken. Deswegen haben wir alle Vereine ins Boot und auf unseren Orden geholt. Das machen so bei weitem nicht alle Prinzenpaare, das ist etwas Besonderes."

Orden und Pins sind selbst entworfen

Wer keinen Orden sein Eigen nennen kann, hat dennoch die Möglichkeit, sich ihn in Miniatur ans Revers zu heften.

Erlös geht an 'Treffpunkt für Menschen mit Behinderung'

Denn Alexandra I. und Bodo I. haben natürlich auch einen Sessions-Pin entworfen, den man bei den Karnevalsveranstaltungen kaufen kann. "Der Reinerlös geht an den 'Treffpunkt für Menschen mit Behinderung' in Wattenscheid, der jeden Donnerstag im Wichernhaus stattfindet. Das ist eine rein private Organisation, die sich ausschließlich durch Spenden finanziert", stellt das Prinzenpaar sein Herzens-projekt vor. Der Verein organisiert Tagesausflüge, zum Beispiel zur Freiwilligen Feuerwehr in Günnigfeld, zum Karnevalsauftakt in Sevinghausen, aber auch an weiter entfernte Orte wie Xanten. Theateraufführungen, gemeinsame Feste oder einfach nur Austausch bei Kaffee und Kuchen ermöglichen Menschen mit Behinderung unbeschwerte Stunden und fördern Inklusion.
Ganz bald fährt das Prinzenpaar hoch auf dem Wagen durch Wattenscheids Straßen. Denn Karnevalssonntag gibt es dieses Jahr wieder einen großen Umzug in Wattenscheid, der um 14 Uhr in Günnigfeld beginnt. "Da haben wir uns alle sehr gefreut, dass er stattfinden kann", bekräftigt Prinzessin Alexandra.
Dann muss auch das prächtige Ornat seine Bewährungsprobe bestehen. Auf der Bühne wird es schnell mal sehr heiß, im Straßenkarneval nass und kalt. Prinz Bodo ist dann klar im Vorteil im Vergleich zu seiner Prinzessin: "Unter mein Gewand passt immer noch ein warmer Pulli."

Autor:

Sabine Beisken-Hengge aus Bochum

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