Stadtspiegel Dorsten begleitet Hilfstransport nach Rumänien
TransSilvania e.V. hilft durch Spenden, Bildung und Menschlichkeit

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1989: Nach dem Sturz des kommunistischen Diktators Nicolae Ceaușescu und seiner Frau Elena in Rumänien flimmerten Bilder des Schreckens über unserer Fernseher. Bilder aus Kinderheimen, die schlimmer nicht sein konnten.

Von Olaf Hellenkamp

Tief erschüttert von den Berichten aus Rumänien fanden sich Menschen zusammen, die zur sofortigen Hilfe bereit waren. In Dorsten waren das neben Lambert Lütkenhorst auch Karin Diehl, Horst Schönweitz und Klaus Odenbrett. Bereits 1990 starteten erste Hilfsaktionen in Richtung Rupea (deutsch Reps), einer Stadt im Kreis Brașov in Siebenbürgen mit damals etwa 6.500 Einwohnern. Mit Hilfsgütern und Spenden, die zuvor in meist Dorsten gesammelt wurden, führte der Weg mit einem 40-Tonnen-Lkw in die nahezu ausgehungerte Region. „Die ersten Bilder und Erlebnisse waren schrecklich“, erinnert sich Lambert Lütkenhorst. Ihm war klar, dass eine einzelne Hilfslieferung nicht einmal den Tropfen auf dem heißen Stein bedeutet. So wurde 1992 der Verein TransSilvania gegründet.

Um die Hilfsaktionen zu koordinieren und optimieren und Kräfte zu bündeln, schlossen sich Gruppen aus Dorsten, Oer-Erkenschwick, Marl, Dülmen, Unna, Herten und Lüdinghausen zusammen. Parallel dazu entstand der Partnerverein NOWERO in Rupea, der mit seinem Vorsitzenden und Projektleiter Karl Hellwig bis heute die Hilfsprojekte koordiniert und kontrolliert. Um den schwächsten der Notleidenden, den Kindern, zu helfen, wurde ein eigenes Kinderheim für 70 Mädchen mit Unterstützung und Spenden unter anderem der KAB Haltern, dem hagebaumarkt Sender und vielen weiteren hiesigen Unternehmen und Einzelpersonen errichtet. „Das Projekt stellte uns vor Herausforderungen, die in Deutschland kaum vorstellbar sind“, so Horst Schönweitz. Das schreckte die Dorstener Gruppe nicht ab. Im Gegenteil. Neben bislang fast 200 Hilfstransporten mit Medikamenten, Nahrungsmitteln, Kleidung und Dingen des täglichen Bedarfs folgten weitere große Projekte wie der Bau und die Unterhaltung eines Alten- und Pflegeheimes für 35 Bewohner, der Bau eines Ärztehauses mit vier Praxen und der Ausbau von Containerpraxen für die zahnmedizinische Versorgung. Ein Secondhand-Kleiderladen wurde eröffnet, die Feuerwehr in Rupea wurde mit in Dorsten ausgemusterten Löschfahrzeugen und Ausrüstung unterstützt, Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen mit medizinischen Geräten und Medikamenten beliefert, sogar ein Krankentransport- sowie ein Bestattungswagen fanden durch die unermüdlichen Helfer den Weg nach Rupea. Hinzu kommen zahlreiche individuelle und einzelne Hilfen für Menschen in großer Not. Unzählige kleine, wichtige und große Ziele wurden während der vergangenen 27 Jahren erreicht. Doch es geht auch um Nachhaltigkeit. Getreu ihrem Motto „Bildung schafft Zukunft“ sorgt der TransSilvania e.V. auch für die Ausbildung und Qualifizierung junger Menschen. So werden Jugendliche in eigenen Lehrwerkstätten zu Schneidern, Friseuren und Schreinern ausgebildet. Weiterhin konnte der TransSilvania e.V. auch westdeutsche Unternehmen überzeugen, in Rumänien zu investieren. Einer dieser Unternehmer ist der Teppichproduzent Schürholz aus Dorsten, der ein seinem rumänischen Werk etwa 70 Arbeiter beschäftigt. Dadurch wird jungen Menschen eine Perspektive gegeben in einem ansonsten durch Armut, Zerfall und Korruption geprägten Land.

Im August machte sich der letzte Hilfstransport auf den Weg nach Rupea. An Bord des Transporters, der von Thomas Hein (interevent) zur Verfügung gestellt wurde, waren neben Karin Diehl, Klaus Odenbrett und Horst Schönweitz auch der Stadtspiegel, vertreten durch Olaf Hellenkamp. Gleichzeitig machte sich eine 17-köpfige Reisegruppe der KAB Hullern zusammen mit Lambert Lütkenhorst per Flugzeug auf den Weg nach Rumänien, um sich ein Bild von den Hilfsprojekten in und um Rupea zu machen. Im Rahmen der einwöchigen Reise durch Transsilvanien erlebten die Teilnehmer bewegende Situationen notleidender Menschen, die viele in einem EU-Land niemals erwartet hätten. Neben der Schönheit des Landes und der Städte wie Brasov, Schäßburg oder Hermannstadt liegen Not Elend in direkter Nachbarschaft.

Die Teilnehmer der Reise konnten sich vor Ort überzeugen, dass die Hilfe genau dort ankommt, wo sie benötigt wird. Auch der Ansatz „Bildung schafft Zukunft“ ist für die Teilnehmer der Qualifizierungsmaßnahmen später Anreiz, als Facharbeiter im eigenen Land zu bleiben anstatt als Hilfsarbeiter ins europäische Ausland zu reisen.

Wer das Team und die Arbeit des Vereins TransSilvania kennen lernen möchte, hat dazu beim Lichterfest am kommenden Sonntag die Gelegenheit. Dann werden Karin Diehl, Klaus Odenbrett, Lambert Lütkenhorst und Horst Schönweitz mit einem Stand vertreten sein.

Ihr aktuelles Projekt ist die Winternothilfe für Rupea. Am Wochenende 17. und 18. November können Lebensmittel zu den Gottesdiensten der Kirchengemeinden Holsterhausen abgegeben werden (Martin Luther Gemeinde: Sonntag 18. 11./9.45 Uhr; St. Bonifatius: Samstag, 17.11./18.00 Uhr und Sonntag 18.11./9.30 Uhr; St. Antonius: Sonntag, 18. 11./11.00 Uhr). Weitere stellen sind am 13. 11. und am 16. 11. im Pfarrbüro Heilig Kreuz am Gildenweg 12 in Altendorf- Ulfkotte sowie am Samstag, 17.11./17 Uhr – Sonntag, 18.11./11 Uhr in St. Nikolaus.

„Wir sind dankbar für alle haltbaren Grundnahrungsmittel“, so Karin Diehl. „Konserven aller Art, Öl, Speck, Mehl, Nudeln oder Reis werden noch vor Weihnachten in Rupea übergeben und nach Bedarf verteilt.“

Spendenkonto:
Sparkasse Vest
IBAN: DE43 4265 0150 0016 0160 16

Lesen Sie auch: Lambert Lütkenhorst berichtet über die Partnerschaft mit dem Osten Europas

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