Eine Sprache, die verbindet: „Esperanto“ steht für Hoffnung

Foto: Esperanto-Gruppe

„Saluton! Kiel vi fartas?“ - So begrüßen sich Dortmunder Esperanto-Sprecher wenn sie sich zu ihrem wöchentlichen Zusammenkunft treffen.
stadtmitte. Die internationale Plansprache Esperanto, die in diesem Jahr 125 Jahre alt wird, hat in Dortmund begeisterte Anhänger gefunden. Der prominenteste Dortmunder Esperanto-Sprecher war Dietrich Keuning, der die Sprache fließend beherrschte.
Die Ursprünge der Sprache liegen in Polen: Der junge Augenarzt Ludwig Lazarus Zamenhof träumte von einer besseren, friedlicheren Welt. Zamenhof wuchs in Byalistok auf, einer polnischen Stadt, die damals zu zaristischem Russland gehörte.
Als Jude war er oft Anfeindungen ausgesetzt aber auch unter den anderen Nationalitäten, die damals in Byalistock lebten - Polen, Russen und Deutsche - gab es Konflikte. Zamenhof dachte, dass eine gemeinsame neutrale Sprache mit der man sich verständigen könnte, diese Konflikte lösen würde.
Das war sein Traum, seine Hoffnung. Sein Buch „Lingvo internacia“ erschien daher 1887 unter dem Pseudonym Dr. Esperanto, was auf Deutsch der Hoffende bedeutet. Bald setzte sich dieses Pseudonym als Bezeichnung für die Sprache selbst durch. Esperanto hat relativ schnell Anhänger auf der ganzen Welt gefunden. Das ist vor allem einer geradezu genialen Struktur der Sprache zu verdanken.
Zamenhof selbst war sehr sprachbegabt und beherrschte mehrere europäische Sprachen. Aus dem Englischen wusste er, dass eine komplizierte, unregelmäßige Grammatik keine Notwendigkeit für eine ausdrucksfähige Sprache ist. Das Polnische hat ihm wiederum gezeigt, welchen Reichtum an Ausdrucksmöglichkeiten verschiedene, an den Wortstamm angehängte Vor- und Nachsilben bieten. Und aus dem Italienischen erkannte er, dass kurze Wörter, wo sich Konsonante und Vokale abwechseln, am einfachsten zu lernen sind.
So ist Esperanto keine Kunstsprache, sondern eine auf europäischen Sprachen basierende Plansprache mit einer einfachen, regelmäßigen aber dennoch reichen Grammatik und einem hauptsächlich aus dem romanischen (aber auch germanischen und slawischen) Sprachen entnommenen Wortschatz, der durch ein System von Vor- und Nachsilben erweiterbar ist.
In den 20-er und 30-er Jahren des vorigen Jahrhunderts hat sich Esperanto vor allem unter Arbeitern verbreitet. Esperanto war eine leicht zu lernende Sprache und unter den Arbeitern bestand das Bedürfnis mit Gleichgesinnten aus anderen Ländern in Kontakt zu treten. Auch Dietrich Keuning, der spätere Dortmunder Oberbürgermeister, erlernte in dieser Zeit die Sprache. Leider wurde die Entwicklung in Deutschland durch die Machtübernahme der Nazionalsozialisten unterbrochen. Sämtliche Esperanto-Verbände und Gruppen wurden aufgelöst.
Noch schlimmer erging es Esperanto-Anhängern in der Sowjetunion unter Stalin. Esperanto-Sprecher wurden als Spione denunziert, Tausende wurden erschossen oder endeten in Arbeitslagern.
Ein wichtiges geschichtliches Zeugniss aus dieser Zeit befindet sich im Dortmunder Fritz-Hüser-Institut für Literatur und Kultur der Arbeitswelt. Seine Sammlung zur Geschichte der Arbeiter-Esperanto-Bewegung beinhaltet Bücher, Zeitschriften, Fotos, Korrespondenzen und andere Archivalien und ist aus dem Nachlass von Eduard Weichmann, einem Dortmunder Arbeiter-Esperantisten, hervorgegangen.
Ein Grund, warum sich Esperanto als Plansprache durchsetzen und auf allen Kontinenten verbreiten konnte, liegt in seiner relativ leichten Erlernbarkeit. Neben einer regelmäßigen und logisch strukturierten Grammatik, begeistert vor allem ein System von Vor- und Nachsilben jeden Sprachinteressierten. So kann man aus dem Wortstamm „san“ (gesund) zahlreiche neue Wörter bilden: sano (Gesundheit), sana (gesund/Adjektiv), sane (gesund/Adverb), malsana (krank) oder malsano (Krankheit).
Als Esperanto-Sprecher ist man in einem fremden Land nie verloren, denn es gibt das „Jarlibro“ mit Kontaktadressen in mehr als 100 Ländern oder das „Pasporta Servo“, ein Gastgeberdienst, der kostenlose Übernachtungen bei Esperanto-Sprechern anbietet. So kann man fremde Länder und Kulturen aus erster Hand kennenlernen. Wie spannend ein Esperanto-Leben sein kann, verdeutlich vielleicht am besten der älteste Mitglied der Dortmunder Esperanto-Gruppe: Albert Schubert.
Mit seinen 85 Jahren besuchte er im vorigen Jahr den Esperanto-Weltkongress in Kopenhagen und jetzt freut er sich schon auf den Weltkongress im vietnamesischen Hanoi. Bei Interesse: Die Dortmunder Esperanto-Gruppe trifft sich jeden Freitag im Wilhelm Hansmann Haus. Demnächst beginnt wieder einen Esperanto-Kurs für Anfänger. Interessenten können sich gerne bei Raymond Monteyne Tel:( 92 777 39 E-mail: r.monteyne@onlinehome.de) melden. Die Teilnahme ist kostenfrei.

Autor:

Antje Geiß aus Dortmund-City

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