250 Autonome Antifaschisten erinnern an Opfer rechter Gewalt

Rund 250 autonome Antifaschisten erinnerten in Dortmund unter dem Motto "Kein
Vergeben, Kein Vergessen" an die Opfer rechter Gewalt. Mit der Forderung "Für einen kritischen Antifaschismus und Solidarität" zogen sie lautstark und kämpferisch durch die Innen- und Nordstadt. Die Demonstranten erinnerten damit an die Ermordung des
Punks Thomas ?Schmuddel? Schulz und des Kioskbesitzers Mehmet Kuba??k.
Thomas Schulz wurde am 28.3.2005 von einem Nazi erstochen, weil er dessen rechte Sprüche nicht unkommentiert stehen lassen wollte. Mehmet Kuba??k wurde am 4. April 2006 in seinem Kiosk von Mitgliedern der Naziterrorzelle "Nationalsozialistischer Untergrund" erschossen.
Die Demonstration startete am Platz von Amiens und zog von dort zur U-Bahn-Station Kampstraße, wo mit einem Redebeitrag an den Mord an "Schmuddel" erinnert wurde. Weiter ging es an der Reinoldikirche vorbei zur Kneipe HirschQ in der Brückstraße. Hier wurde über die letzten Prozesse gegen Mitglieder der "Skinhead Front Dorstfeld"
berichtet. Die Gaststätte war in der Vergangenheit des öfteren Ziel von Angriffen, insbesondere aus diesem Teil der neonazistischen Szene.

Über den Wall lief die Demo weiter in die Nordstadt. Im Hafenviertel wurde auf die Herkunft verschiedener Straßennamen hingewiesen. Einerseits wird durch die Johanna-Melzer-Straße und die Martha-Gillessen-Straße an zwei Antifaschistinnen und
Widerstandskämpferinnen gegen das NS-Regime erinnert. Andererseits finden sich dort diverse Straßen, die an eine militaristische, deutschnationale Gesellschaft erinnern, wie die Gneisenau- oder Feldherrenstraße.

Die antifaschistische Demonstration gegen rechte Gewalt führte dann zum Tatort des NSU-Mordes an Mehmet K.. Hier gab es mehrere Redebeiträge, deren Inhalt Hannah Piehl, Pressesprecherin der organisierenden antifaschistischen Gruppen, wie folgt zusammenfasst: "Wir haben im Komplex NSU unseren Fokus auf zwei Themen gelegt.
Einerseits die mangelhaften Ermittlungen und die Forderung nach einem eigenen NSU-Untersuchungsausschuss für NRW.? Der zweite Fokus war, so Hannah Piehl, stärker an die Demo-Teilnehmer gerichtet. ?Wir haben kritisiert, dass auch die Antifa-Bewegung den NSU-Terrorismus nicht wahrgenommen hat. Die Gründe dafür sind vielschichtig und müssen noch aufgearbeitet werden." Ein erster Entschluss aus den Fehlern der Vergangenheit ist es für die Dortmunder Antifa-Gruppen, in Zukunft
eine engere Zusammenarbeit mit der migrantischen Linken zu suchen.
"Wir werden versuchen, den Kampf gegen Neonazis und Rassismus in Zukunft mit den davon in erster Linie Betroffenen zu organisieren?, so die Pressesprecherin Hanna Piehl.

Die Demonstration, die mit vielen englischsprachigen, antirassistischen Parolen weiter über die Mallinckrodstraße und die Münsterstraße zum Hauptbahnhof zog, erhielt dabei Zustimmung von am Rand stehenden Passantinnen. Hannah Piehl äußerte in einem Fazit zur Demo: "Wenn es uns gelingt den antifaschistischen Widerstand breiter
aufzustellen, können sich die Nazis und auch die Stadt warm anziehen! Daran gilt es jetzt zu arbeiten."

Zu Beginn der Demo hat es kleinere Probleme mit der Polizei gegeben. Die Beamten wollten die Demo zunächst nicht loslaufen lassen, weil einige Demoteilnehmer angeblich vermummt waren. Hannah Piehl äußerte in diesem Kontext Unverständnis gegenüber dem Vorgehen der Polizei. "Ich halte es für völlig normal, bei solch winterlichen Temperaturen eine Mütze und einen Schal zu tragen." Nach kurzen Verhandlung konnte die Demo schließlich losgehen und verlief ohne
Zwischenfälle.

In Dorstfeld, Westerfilde und Huckarde demonstrierten zeitgleich ungefähr 40-45 Neonazis. Hier gab es jeweils Gegenkundgebungen, in Dorsteld von Grünen und Naturfreunden unter Beteiligung der Ratsparteien und von Bürgern aus den Stadtteilen.

Weitere Infos und regelmäßige zur Demonstration finden Sie unter
http://dortmund.blogsport.de

Autor:

Antje Geiß aus Dortmund-City

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