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Wie barrierefrei ist die Dortmunder Innenstadt?

Friedrich Wilhelm Herkelmann und Christiane Vollmer vor dem Tastmodell der Dortmunder Innenstadt.
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  • Friedrich Wilhelm Herkelmann und Christiane Vollmer vor dem Tastmodell der Dortmunder Innenstadt.
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Wenn man mit Friedrich Wilhelm Herkelmann, Vorsitzender des Behindertenpolitischen Netzwerkes, und der Behinderten-Beauftragten der Stadt, Christiane Vollmer, durch die City geht, merkt man schnell, dass noch eine Menge zu tun ist, bis Dortmund zumindest barrierefreier für behinderte Menschen begehbar ist. Nach einer Weile sieht man sie dann auch selbst, die Stolperfallen, uneindeutige Verkehrssituationen, zugeparkten Leitstreifen und vieles mehr, auf das man als Nicht-Gehandicapter im Alltag gar nicht achtet.

Los geht es am Tastmodell der Innenstadt. Es steht an der Kleppingstraße, in der Nähe der Marienkirche. Zwar sind die verschiedenen Bezeichnungen in Braille-Blindenschrift gestaltet, was von beiden gelobt wird, doch der Standort ist ungünstig, finden Herkelmann und Vollmer. „Besser wäre es, wenn das Modell an der Katharinentreppe stünde, dort wo die meisten Menschen, die aus Zug oder U-Bahn aussteigen, sich in Richtung Innenstadt begeben."

Der nächste Kritikpunkt sind die Stufen an der Kleppingstraße, die zu den Pavillons am Gänsemarkt führen. Sie haben gleich mehrere Schwachpunkte. „ Zuerst mal stehen die Auftrittflächen über, da kann man leicht stolpern“, bemängelt Herkelmann. „Dann sind die Kanten nicht markiert. Es fehlt eine Rampe für Rollstuhlfahrer und außerdem ein Geländer, zumindest an einer Seite.“ Das wäre doch eigentlich leicht zu machen, meint Christiane Vollmer.

Wie bestellt kommt eine ältere Frau mit Rollator vorbei. Ohne Hilfe kommt sie mit ihrem Gefährt nicht die Treppe hoch. Die nächsten Kritikpunkte betreffen die „Stadtmöblierung“: Sitzbänke in verschieden Sitzhöhen bräuchten Behinderte, mit einer Rückenlehne und Seitenlehnen als Aufstehhilfen, erklärt Herkelmann.

Die Fahrradständer sind auch kritisch, besonders für blinde Menschen, die sich mit einem Langstock orientieren: „Sie verheddern sich leicht mit ihrem Stock im Fahrradständer.“ Die durchsichtigen Telefonzellen der Telekom sind ebenso unfallträchtig wie große Glasflächen an den Fassaden. „Hier müsste eigentlich in Hüfthöhe eine Markierung angebracht werden.“

Auch bei den verschiedenen Pflasterarten gibt es Probleme zuhauf: „Kopfsteinpflaster ist generell schwierig." Das gibt es auf dem Marktplatz, aber auch breite Rinnen, die schräg über den Platz laufen. Dazu schräg zulaufende Stufen an mehreren Stellen – insgesamt alles unfallträchtig. Die Tafel, die auf das abgerissene Alte Rathaus am Alten Markt hinweist, ist zwar gut gestaltet und tastbar, leider aber zu hoch aufgehängt.

Weiter geht es in Richtung Silberstraße. Hier gibt es an der Bürgersteigseite ein Leitsystem mit gerillten Streifen, an denen sich Sehbehinderte orientieren könnten – wenn sie nicht, vorzugsweise von ortsfremden Autos, zugestellt wären. Es folgt der Kreisverkehr vor der Thier-Galerie. „Kreisverkehre sind natürlich sehr autofreundlich, für Behinderte sind sie schwierig“, meint Herkelmann. „Blinde orientieren sich an den Autogeräuschen, sie können oft nicht unterscheiden, wo sich der Wagen genau befindet. Das Problem könnte sich mit den leisen Elektroautos noch verschärfen.“

Ein weiteres Problem für behinderte Menschen sind barrierefreie Toiletten. „Es gibt in der Innenstadt genau zwei „Wall“-Toiletten, die dieses Kriterium erfüllen“, erklärt Vollmer. Die Behinderten-Beauftragte der Stadt will sich dafür einsetzen, dass es zukünftig mehr Toiletten in der City gibt. „Natürlich haben auch viele Restaurants und Lokale Behinderten-Toiletten, aber in der Regel muss man danach fragen. Oft sind sie abgeschlossen. Das muss man vorher alles abklären, wenn man als behinderter Mensch abends essen gehen möchte“, meint Herkelmann.

E-Scooter, die auf Gehwegen abgestellt werden, Außengastronomie, die mit Stühlen in Wege hineinragt, fehlende Beschilderung von Aufzügen oder Rampen, all das sind Probleme, mit denen Herkelmann zu kämpfen hat. Besonders schwierig ist die Lage an der Haltestelle Stadtgarten. Hier gibt es zwei Aufzüge an verschiedenen Stellen, die auch noch an verschiedenen Ebenen halten – sehr unübersichtlich.

In Dortmund muss also noch einiges passieren, obwohl die Mitbestimmungsmöglichkeiten für behinderte Menschen hier gut ausgeprägt sind. Das behindertenpolitische Netzwerk gibt es bereits seit mehr als zehn Jahren, und wie der Seniorenbeirat berät es die politischen Gremien bei Entscheidungen und wirkt auch bei der Gestaltung von Gebäuden und Flächen mit. Gleichzeitig mit der nächsten Kommunalwahl wird auch hier neu gewählt. Mitglieder können Menschen werden, die zu einem anerkannten Behindertenverband gehören. Weitere Infos gibt es unter www.mb.dortmund.de.

Autor:

Lokalkompass Dortmund-City aus Dortmund-City

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