Dortmund
AOK-Atlas Diabetes vorgestellt: Große regionale Unterschiede der Zahlen in Westfalen-Lippe

Eine gesunde und ausgewogene Ernährung und der Abbau von Übergewicht kann mit dazu beitragen, Diabetes mellitus Typ 2 zu verhindern. | Foto: AOK/hfr.
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  • Eine gesunde und ausgewogene Ernährung und der Abbau von Übergewicht kann mit dazu beitragen, Diabetes mellitus Typ 2 zu verhindern.
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Man könnte fast von einer Epidemie reden: An "Diabetes mellitus Typ 2" sind bundesweit insgesamt rund 7,1 Millionen Menschen erkrankt. Bis zum Jahr 2040 könnte die Anzahl auf bis zu zwölf Millionen Menschen ansteigen. Dabei gibt es zwischen den Regionen in Westfalen-Lippe deutliche Unterschiede beim Anteil der Diabetiker in der Bevölkerung. Das geht aus dem "AOK-Gesundheitsatlas Diabetes mellitus Typ 2"‘ hervor, der in Dortmund vorgestellt wurde.

Während in Münster 5,9 Prozent der Einwohner einen vom Arzt diagnostizierten Typ-2-Diabetes hatten, lag der Anteil in Bottrop bei 11,1 Prozent. Im Vergleich mit den anderen Bundesländern liegt Westfalen-Lippe mit einem Diabetikeranteil von 8,7 Prozent leicht über dem bundesweiten Durchschnitt von 8,6 Prozent.

AOK-Modellprojekt "ComanD"

„Dieses Ergebnis zeigt, dass wir nicht nachlassen dürfen, uns auf dem Gebiet der Diabetesprävention weiter zu engagieren. Deshalb werden wir unseren eingeschlagenen Weg konsequent fortsetzen, entsprechende Maßnahmen mit unseren Partnern vor Ort passgenau auf die Bedürfnisse der Menschen auszurichten“, sagte AOK-Vorstandsvorsitzender Tom Ackermann. Ein gutes Beispiel dafür sei das neue AOK-Modellprojekt "ComanD" zur Behandlung von Diabetes-Typ 2-Patienten, das der AOK-Chef ebenfalls vorstellte.

Mithilfe neuer Berechnungsverfahren hat das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO) in Zusammenarbeit mit der Universität Trier erstmals die Häufigkeit des Diabetes mellitus Typ 2 für die 18 Kreise und neun kreisfreien Städte dargestellt. Danach leben laut AOK-Gesundheitsatlas insgesamt 718.000 Menschen in Westfalen-Lippe mit Typ-2-Diabetes. Mehr als die Hälfte sind über 70 Jahre alt. Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko an der sogenannten "Zuckerkrankheit" zu erkranken deutlich an.

Wer ist betroffen?

In den Altersgruppen zwischen 80 und 90 Jahren sind in Westfalen-Lippe rund 30 Prozent der Menschen davon betroffen. „Das Alter ist einer der bestimmenden Risikofaktoren für die Entwicklung der Erkrankung“, sagte AOK-Chef Ackermann. Dabei fällt auf, dass über fast alle Altersgruppen hinweg Männer häufiger an Diabetes Typ 2 erkranken als die Frauen.
Adipositas (Fettleibigkeit) gilt als bedeutender Risikofaktor für die Entstehung eines Typ-2-Diabetes. Im AOK-Gesundheitsatlas wurde für die Bevölkerung in Westfalen-Lippe auch die regionale Adipositashäufigkeit bestimmt. Diese wurde in fünf gleich große Kategorien eingeteilt. Das Ergebnis: Die meisten Kreise und kreisfreien Städte sind den Kategorien mit einer überdurchschnittlichen Adipositashäufigkeit zuzuordnen. Die niedrigste besteht in Münster. Der höchsten Kategorie sind der Märkische Kreis, Herne, Hamm, Hagen, Gelsenkirchen und Bottrop zuzuordnen.

Ursachen sind komplex

Aus dem AOK-Gesundheitsatlas geht hervor, dass derzeit bundesweit insgesamt rund 7,1 Millionen Menschen an Diabetes mellitus Typ 2 erkrankt sind, bis zum Jahr 2040 könnte die Anzahl auf bis zu zwölf Millionen Menschen ansteigen. „Die Lebensqualität der Betroffenen ist oft erheblich eingeschränkt. Häufig treten Nierenschädigungen, Erblindungen oder Amputationen als diabetesbedingte Komplikationen auf“, so Ackermann. Folgeerkrankungen wie Herzinfarkte und Schlaganfälle können dazu führen, dass Patienten frühzeitig versterben. Studien gehen davon aus, dass die Behandlungskosten inklusive Folgekosten für Typ-2-Diabetes Patienten doppelt so hoch liegen im Vergleich zu Patienten ohne Diabetes.
Die Ursachen sind komplex: An einer genetischen Disposition kann man nichts ändern. Anders ist das bei Übergewicht und mangelnder Bewegung. „Wir können die Diabetes-Epidemie nur wirksam bekämpfen, wenn es uns gelingt, die Menschen vor dem Auftreten einer Erkrankung zu schützen“, so Ackermann. Geeignetes Mittel sind vor allem Lebensstiländerungen wie ausreichend Bewegung, gesunde Ernährung und der Abbau von Übergewicht. Experten gehen davon aus, dass sich dadurch mehr als 50 Prozent der Diabetes-Erkrankungen verhindern ließen. Um das zu erreichen, hilft die AOK NORDWEST ihren Versicherten mit speziellen Angeboten im Rahmen ihres Kursprogramms "Gesund leben". Die Angebote sind exklusiv und kostenfrei für AOK-Versicherte und werden vor Ort oder als Liveonline-Angebote im Internet von qualifizierten Fachkräften durchgeführt.

Risikofaktor Adipositas

Darüber hinaus engagiert sich die AOK NORDWEST seit Jahren für eine bessere und strukturierte medizinische Versorgung von Typ-2-Diabetikern in Westfalen-Lippe. So ist beispielsweise das Disease-Management-Programm (DMP) "AOK-Curaplan" für Diabetiker ein fester Bestandteil der Versorgung. Insgesamt haben sich derzeit über 130.000 AOK-Versicherte für dieses Programm entschieden. Im DMP sind unter anderem regelmäßige Kontrolluntersuchungen zur Vermeidung von Folge- und Be-gleiterkrankungen vorgesehen.
Ein neues AOK-Versorgungsprojekt ist "ComanD" (Control and manage Diabetes), das in den nächsten Wochen flächendeckend in ganz Westfalen-Lippe eingeführt werden soll. Dabei lernen an Diabetes-Typ-2 erkrankte AOK-Versicherte in dem interdisziplinären Programm ihre Krankheit besser zu managen mit dem Ziel, dauerhaft sogar auf Antidiabetika zu verzichten. Mithilfe einer kostenfreien Medizin-App können die Patienten ihre persönlichen Werte wie Blutzucker, Gewicht und Bewegung eingeben und auf dieser Basis mit dem behandelnden Arzt die Behandlungsziele festlegen und weitere Schritte besprechen.

Regionales Engagement

Diese Projekte zeigen aus Sicht von Ackermann, wie gut medizinische Versorgung in Westfalen-Lippe funktioniert. „Gute und passgenaue Versorgungsverträge entstehen nur dort, wo Ortskenntnis, hoher Marktanteil und regionales Engagement vorhanden sind. Deshalb müssen auch die Gestaltungsspielräume der Beteiligten vor Ort weiter gestärkt werden“, so Ackermann. Allerdings unterlaufen die zunehmenden Zentralisierungstendenzen der Bundesregierung diesen Gedanken. 

Info: Diabetes - Volkskrankheit mit weiter Verbreitung

  • Die Krankheit verläuft chronisch, einhergehend mit eingeschränkter Lebensqualität 
  • Es können Folgeschäden und -erkrankungen wiez. B. Herzinfarkt, Schlaganfall, Nierenschäden, Nervenschädigungen, Amputationen und Augenerkrankungen entstehen. Folgeerkrankungen verringern die Lebenserwartung. Diabetiker sterben sechs Jahrefrüher als Nicht-Diabetiker.
  • Der Typ-2-Diabetes verdoppelt die Behandlungskosten im Vergleich zu Patienten ohne Diabetes.
  • Es existieren wirksame Präventions- und Behandlungsmöglichkeiten.
  • Der AOK-Gesundheitsatlas gibt Transparenz über die Verbreitung von Typ-2-Diabetes. Durch ein neues wissenschaftliches Verfahren wurden die Daten der AOK-Versicherten des Jahres 2017 repräsentativ für die Gesamtbevölkerung hochgerechnet. 
  • Ziel dieser Analysen ist es, den Akteuren vor Ort fundierte Informationen über das Krankheitsgeschehenin ihrer Region bereitzustellen, die für die Weiterentwicklung der Versorgung genutzt werden können.
  • Typ-2-Diabetes ist eine Erkrankung mit bundesweit vielen Betroffenen: Jeder zwölfte Bundesbürger ist betroffen (7,1 Mio bundesweit). Der Diabetikeranteil in Westfalen-Lippe (8,7%) liegt leicht über dem Bundesniveau(8,6%) und Gesamt NRW-Niveau (8,4 Prozent).
  • Die „Diabetes-Epidemie“ lässt sich am besten durch Prävention und Lebensstiländerung
    bekämpfen:  Lebensstilfaktoren wie Ernährung, Bewegung, Übergewicht spielen eine zentrale Rollebei der Manifestation des Diabetes mellitus.
  • Durch Lebensstilintervention mit mehr Bewegung und Ernährungsumstellung könnten mehr als 50 % der Diabetes-Erkrankungen verhindert werden. 
  • Wahrscheinlich ist Diabetes nicht ganz vermeidbar, aber der Erkrankungsbeginn lässt sich zumindest hinauszögern.  Das hätte einen positiven Effekt auf Folgeerkrankungen des Typ-2-Diabetes.Denn: je länger die Grunderkrankung besteht und je schlechter Blutzucker und Blutdruck eingestellt sind, umso höher ist das Risiko für Gefäß,-Nerven- und Nierenschädigungen.

Weitere Informationen rund um das Thema Diabetes, Beratungsstellen und Selbsthilfegruppen gibt es bei der Diabetes Selbsthilfe Interessengemeinschaft.

Mehr Ratgeberbeiträge auch auf unserer Themenseite: Gesundheit in Dortmund

Autor:

Holger Schmälzger aus Dortmund-Süd

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