Olaf Meyer im Interview über das neue Dorstfelder Bürgerhaus „Pulsschlag“
„Alle scharren schon mit den Hufen“

Die alte Waschkaue der Zeche Dorstfeld wird zum Bürgertreffpunkt und Veranstaltungszentrum umgebaut.
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  • Die alte Waschkaue der Zeche Dorstfeld wird zum Bürgertreffpunkt und Veranstaltungszentrum umgebaut.
  • Foto: Grafik: Bürgerhaus Dorstfeld
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Von Dietmar Nolte

„Pulsschlag“ lautet der Name des neuen Bürgerhauses in Dorstfeld, das in der Waschkaue der ehemaligen Zeche entsteht. Es soll ein Zentrum werden für den Ort und alle Bürger, möchte Treffpunkt und Veranstaltungsort zugleich sein.

Über den Stand der Arbeiten und Pläne für die Zukunft sprach der WEST-ANZEIGER mit Olaf Meyer, einem von drei Vorstandsmitgliedern der Betreiber-Genossenschaft.

Die spannendste Frage gleich zu Beginn: Gibt es schon einen Termin für die Eröffnung des neuen Bürgerhauses?
Wir haben einen Zeitraum ins Auge gefasst. Angedacht ist die Übergabe von Gebäude und Gelände im August nächsten Jahres. Aber es kann immer noch Verschiebungen geben. Wir haben aktuell einen Verzug zum ursprünglichen Plan von einem Jahr, bedingt durch die Pandemie, aber auch durch Lieferengpässe beim Material und überraschende Funde beim Bau. Bei einem alten Industriegelände ist man vor Überraschungen nie gefeit.

Überraschungen und Funde in archäologischer Hinsicht?
Genau, wir hatten zweimal Archäologen vor Ort. Wir wollen ja im Gebäude bauen und sind dabei auf Hohlräume gestoßen, die wir uns nicht erklären konnten. Das ist archäologisch aufgenommen worden, mittlerweile aber auch verfüllt. Das hat allerdings einerseits zu einer zeitlichen Verzögerung, andererseits auch zu Mehrkosten geführt.

Waren Altlasten auch ein Thema?
Wir sind partiell auf Boden gestoßen, der mit Altöl verunreinigt war. Das könnte auch von der Autowerkstatt stammen, die es dort mal gab. Das ist nicht mehr nachvollziehbar, die Stellen waren aber auch überschaubar.

Wie ist aktuell der Stand der Arbeiten auf dem Außengelände und am Gebäude?
Außen ging es zunächst darum, das Gelände erst einmal freizulegen und Wege zu schaffen, um überhaupt an das Gebäude heranzukommen. Es war alles zugewachsen. Wir haben aber auch den größeren Teil des Geländes zur Wittener Straße hin freigelegt, um der Brombeerplage etwas Herr zu werden. Am Gebäude selbst ist die Fassade weitgehend fertiggestellt bis auf wenige Stellen wie den Haupteingang, an denen später noch einmal gebaut werden muss. Fenster mussten wir teilweise komplett wieder herstellen, weil sie zugemauert waren. Da müssen jetzt noch zwei Fensterbögen hergestellt werden. Das Dach ist komplett fertig, die Entwässerung auch bis auf die Verrohrung außen. Arbeiten wie für die Drainage können starten, wenn das Gerüst am Gebäude abgebaut ist. Und wenn im Innern die Betongründung gemacht ist, können wir mit den Einbauten beginnen.

Kann der Kostenrahmen eingehalten werden?
Wir hatten mal mit einer Summe von rund fünf Millionen kalkuliert, werden aber jetzt deutlich über sechs Millionen Euro benötigen. Das sind Zusatzkosten, die sich nicht immer vorher planen lassen. Für uns bedeutet das, dass wir eine weitere Förderung beantragen müssen. Das ist auch schon passiert.

Der Beitrag der Genossenschaft selbst zur Gesamtsumme besteht auch aus Muskelkraft, indem die Mitglieder aktiv mitarbeiten.
Wir haben insgesamt schon über 50 Prozent der Gesamtsumme von 150.000 Euro, die wir selbst beisteuern müssen, erbracht. Als Muskelhypothek allerdings erst rund 15.000 Euro. Da wir nur 15 Euro pro Stunde vergütet bekommen, stecken darin aber schon 1.000 Stunden Arbeit. Um auf die angestrebten 30.000 Euro zu kommen, sind also noch einmal 1.000 Stunden nötig.

Sind Sie denn mit der aktiven Beteiligung zufrieden?
Bei der ersten Aktion waren rund 50 Personen dabei. Die Zahl mussten wir dann aber in der Folge deutlich reduzieren aufgrund von Corona-Auflagen und haben dann in Schichten gearbeitet. Aber insgesamt muss ich sagen, dass ich vom Engagement und Durchhaltevermögen aller Beteiligten begeistert bin. Wir haben die Genossenschaft ja schon 2018 gegründet, sind 2019 gestartet und haben kurz vor der Pandemie mit den Eigenleistungen begonnen.

Wie viele Mitglieder hat die Genossenschaft zurzeit?
Wir haben momentan rund 130 Mitglieder, hätten aber gerne doppelt so viele. In der Corona-Zeit teilweise nur vom Telefon oder Laptop aus für das Projekt zu werben, war auch nicht immer einfach. Da haben wir noch etwas Nachholbedarf. Das gilt übrigens auch für die Dorstfelder Unternehmen, die wir jetzt erst ansprechen werden und um Unterstützung bitten möchten. Während der Hochphase der Pandemie schien uns das nicht angebracht zu sein.

Für die künftige Nutzung des Bürgerhauses gab es bereits eine ganze Reihe von Ideen. Kann man einzelne Projekte auch schon konkret benennen?
Wir werden in jedem Fall als Genossenschaft eine Veranstaltung pro Monat fest anbieten. Dabei stellen wir uns einmal pro Quartal so etwas wie „Rock in der Kaue“ vor, immer an einem festen Termin am Wochenende. Gleiches gilt für ein Comedy-Format. Insgesamt sollen zwölf Veranstaltungen fest terminiert werden. Dazu gibt es für die Nutzung eine Unmenge an Anfragen von Vereinen, Karnevalsgesellschaften oder dem Theaterverein, da wir ja auch über eine große Bühne verfügen. Alle scharren schon mit den Hufen. Es gibt auch viele Anfragen von Bürgern, die dort zum Beispiel runde Geburtstage feiern möchten. Aber so lange der Eröffnungstermin nicht klar feststeht, können wir schlecht feste Termine vergeben.

Gibt es auch für das Außengelände schon Pläne?
Wir verfügen insgesamt über rund 9000 Quadratmeter Fläche, von denen 1000 bebaut sind. Fast 2000 Quadratmeter sind uns aus verschiedenen Gründen noch zugeschlagen worden, wir sind dann allerdings auch dort zusätzlich für die Pflege zuständig. Da wir also jetzt insgesamt über ein sehr großes Außengelände verfügen, können wir uns dort auch viele Dinge vorstellen. Geplant sind Aktionen mit multikulturellem Charakter wie ein afrikanisches oder tamilisches Wochenende. Wir überlegen das Dorffest künftig dort unter Einbeziehung von weiteren Straßenteilen durchzuführen. Auch die Ferienspiele könnten vom Schulte-Witten-Park herüberwechseln. Im Übrigen ist fest eingeplant auf jeden Fall ein Café, zurzeit an zwei Tagen in der Woche – öffentlich zugänglich und betrieben von Vereinen. So können wir vielleicht auch das Altenheim und seine Bewohner ein bisschen mit einbeziehen. Außerdem soll die sogenannte Vereinstheke an zwei Tagen in der Woche öffnen.

Das klingt tatsächlich alles nach pulsierendem Leben für das neue Bürgerhaus. Ihr Optimismus dürfte entsprechend groß sein, dass der neue Name „Pulsschlag Dorstfeld“ seinem Namen auch gerecht wird?
So ist es! Nach unseren Vorstellungen soll an dieser zentralen Stelle in Dorstfeld auch ein zentraler Veranstaltungsort für Gesamt-Dorstfeld entstehen, wo sich alle treffen können und wo die unterschiedlichsten Angebote gemacht werden. Wir haben genügend Räumlichkeiten und hoffen, dass auch viele generationsübergreifende Dinge stattfinden werden. Gerade auch zusammen mit dem Kinder- und Jugendtreff ergibt sich da eine tolle Verbindung.

Hintergrund

  • Die unter Denkmalschutz stehende Waschkaue der Zeche Dorstfeld 2/3 an der Wittener Straße/ Ecke Oberbank wird zu einem Begegnungs – und Kulturzentrum umgebaut.
  • Das Geld für den Umbau zum Bürgerhaus mit dem Titel „Pulsschlag Dorstfeld“ kommt im Rahmen des Stadtumbaus Dorstfeld aus Mitteln der Stadt, des Landes und des Bundes.
  • Die Bürgerhaus Dorstfeld Genossenschaft als zukünftiger Betreiber des Gebäudes unterstützt die Umsetzung mit dem Einsatz von Eigenleistungen.
  • In das Bürgerhaus wird auch das Kinder- und Jugendzentrum Heinz-Werner-Meyer Treff einziehen.
Autor:

Lokalkompass Dortmund-West aus Dortmund-West

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