OP? Patient muss entscheiden! Reger Andrang beim 8. WA-Gesundheitsdialog zum Thema "Hüftarthrose"

Dr. Markus Schmitz, Chefarzt der Anästhesie, operativen Intensivmedizin und Schmerztherapie und Ärztlicher Direktor an der Helios St. Johannes Klinik Duisburg, versuchte, Ängste und Sorgen bei einer anstehenden OP unter Vollnarkose zu nehmen.
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  • Dr. Markus Schmitz, Chefarzt der Anästhesie, operativen Intensivmedizin und Schmerztherapie und Ärztlicher Direktor an der Helios St. Johannes Klinik Duisburg, versuchte, Ängste und Sorgen bei einer anstehenden OP unter Vollnarkose zu nehmen.
  • Foto: Frank Preuß
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Über 110 Interessierte wollten sich den jüngsten, nunmehr achten, Wochen-Anzeiger-Gesundheitsdialog in Kooperation mit den Helios Kliniken Duis- burg zum Thema "Hüftarthrose" nicht entgehen lassen. Das schmerzhafte Leiden macht halt vielen Menschen zu schaffen.

Wie gut, dass das beeindruckende Atrium der Volksbank Rhein-Ruhr-Zentrale am Innenhafen ein weiteres Mal großzügig Platz bot. Volksbank Rhein-Ruhr-Vorstandssprecher Thomas Diederichs ließ es sich auch dieses Mal nicht nehmen, die Gäste persönlich in "seinem" Haus zu begrüßen.

Ausführlichen und kostenfreien Expertenrat gab es dann von Dr. Alexandros Anastasiadis, neuer Chefarzt der Orthopädie und Unfallchirurgie an der Helios St. Johannes Klinik, und Dr. Markus Schmitz, Chefarzt der Anästhesie, operativen Intensivmedizin und Schmerztherapie und Ärztlicher Direktor an der Helios St. Johannes Klinik Duisburg. Nach ihren Vorträgen und einer gemeinsamen kurzen Kaffeepause mit den Teilnehmern nahmen sich die beiden Mediziner so lange Zeit, bis alle, teils sehr persönliche, Fragen des Publikums beantwortet waren.
Hier die wichtigsten Fragen und Antworten zum Nachlesen:

Was kann sich hinter Hüftschmerzen verbergen?
Eine der häufigsten Ursachen von Hüftbeschwerden sind Abnutzungserscheinungen an den Gelenken, die sogenannte Coxarthrose. Weitere Gründe können Schleimbeutelentzündungen, Fehlstellungen, Entzündungen oder Erkrankungen des umliegenden Gewebes sein. Auch Lendenwirbel- oder Gesäßprobleme können in die Hüfte ausstrahlen.

Was genau ist eine Hüftarthrose?
Eine Arthrose entwickelt sich immer nach einem ähnlichen Muster und betrifft Knorpel-, Knochen- und Weichteilstrukturen eines Gelenkes. Zu Beginn verliert der Knorpel an Elastizität und im weiteren Verlauf sterben Knorpelzellen ab. Dadurch wird das knochenschützende Knorpelgewebe dünner und reißt ein. Der Gelenkknochen verdichtet und verhärtet sich und oftmals bilden sich an den Rändern wulstartige Knochenvorsprünge. So werden die Gelenkflächen immer kleiner und reiben aufeinander. Es kommt zu Entzündungen mit starken Schmerzen. Um es bildlich zu sagen, fahren wir bei Arthrose auf platten Reifen.

Was fördert eine Arthrose?

Die Hauptursache für eine Arthrose an der Hüfte oder anderen Gelenken sind Abnutzungserscheinungen an Knochen und Knorpel beim Alterungsprozess. Risikofaktoren, die eine Arthrose fördern, sind Übergewicht, Überlastungen, Medikamente, Unfall-Brüche mit Gelenkverletzungen und Fehlstellungen oder entzündliche Prozesse – etwa bei Rheuma.

Was sind die allgemeinen Symptome der Hüftarthrose?
Die Erkrankung beginnt schleichend mit einem Gefühl der Steifigkeit. Vor allem morgens beim Ausstieg aus dem Bett kommen die Betroffenen nicht so richtig „in Schwung“. Dann folgen erste Belastungs- beziehungsweise Anlaufschmerzen. Die steigern sich dann im Verlauf der Zeit, so dass sich das Gelenk auch in Ruhe unangenehm bemerkbar macht. Damit einher geht oftmals eine eingeschränkte Beweglichkeit – Schwierigkeiten beim Strecken, Beugen oder Drehen – bis hin zur Unsicherheit und Kraftverlust im späteren Verlauf. Manche Patienten verspüren auch ein Knacken oder Knirschen im Gelenk. Bei feuchter und kalter Witterung können sich die Beschwerden verstärken.

Ist die Erkrankung heilbar?
Nein, nur behandelbar, denn der verloren gegangene Knorpel wächst nicht nach, es kommt zum bleibenden Schaden. Der Verlauf der Krankheit lässt sich jedoch verlangsamen, etwa durch Bewegungstherapie oder eine Gewichtsreduktion beim übergewichtigen Patienten. Greifen konservative Maßnahmen nicht mehr, kann zunächst eine Gelenkspiegelung als gelenkerhaltender Versuch beim jüngeren Patienten helfen, später dann der Einsatz eines neuen Gelenkes Linderung schaffen.

Wann ist eine Operation notwendig?
Diese Entscheidung sollte allein der Patient treffen. Denn nur er kann die bisherigen Einschränkungen seiner Lebensqualität durch die Arthrose einschätzen, der Arzt kann nur beraten. Grundsätzlich sollten aber zunächst alle konservativen Maßnahmen wie Krankengymnastik, eine Anpassung des Lebensstils oder Schmerzmanagement ausgeschöpft sein. Auch das Alter der Patienten spielt eine Rolle, denn ein neues Gelenk hält im Durchschnitt rund 15 Jahre, dann muss es gewechselt werden. Auf der anderen Seite kann zu langes Warten dazu führen, dass sich die Regeneration nach dem Eingriff verzögert.

Welche Risikofaktoren gibt es bei einer Operation?
Für die Risikobewertung eines Eingriffs fließen unter anderem Faktoren wie das Alter und Neben- oder Vorerkrankungen des Patienten mit in die Beurteilung ein. Grundsätzlich ist das Risiko für Komplikationen etwa durch die Narkose aber in den letzten Jahren massiv gesunken. Die Wahrscheinlichkeit für durch Narkose verursachte schwere Schäden oder sogar den Tod liegt bei 1:140.000 (zum Vergleich: Das Risiko im Straßenverkehr zu sterben liegt bei 1:16.000). Wer trotz allem Angst vor einer Vollnarkose hat, kann den Eingriff aber mittlerweile auch in Regionalanästhesie durchführen lassen, sprich der Körper wird nur von der Bauchmitte abwärts betäubt. Ein weiterer Punkt ist das Infektionsrisiko. Hier empfiehlt sich vor einem Eingriff eine sogenannte aseptische Waschung, um möglichst viele Hautkeime von der Körperoberfläche des Patienten zu entfernen. Das befürchtete Infektionsrisiko ist also mit den entsprechenden hygienischen Maßnahmen deutlich reduzierbar.

Was geschieht genau beim Einsetzen einer künstlichen Hüfte?
Das künstliche Hüftgelenk setzt sich zumeist aus einer Gelenkpfanne mit dem entsprechenden Inlay, einem Gelenkkopf und einem Schaft zusammen. Letzterer wird, nachdem der Hüftkopf des Oberschenkels entfernt ist, im Oberschenkelknochen mit oder ohne Zement befestigt. Darauf setzen die Chirurgen dann den Gelenkkopf, der zum Beispiel aus Keramik oder Metall besteht. Das Gegenstück, die Gelenkpfanne, wird im Beckenknochen verankert (zum Beispiel zementfreie Pressfit Technik, zementiert oder geschraubt) und anschließend das Inlay platziert. Dabei ist auf entsprechende Gleitpaarungen zu achten, um einen Abrieb mit der Notwendigkeit einer frühen Wechseloperation zu vermeiden. Heutzutage gibt es aufgrund der ständigen Industrieentwicklung eine große Auswahl von guten Prothesen, sodass die Ärzte in der glücklichen Lage sind, die richtige für jeden Patienten zu finden.
Meist sind die Patienten rund einen Tag nach dem Eingriff schon wieder mobil.

Text: Kathrin Gießelmann

Weitere Bilder vom 8. WA-Gesundheitsdialog hier

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