Früher wurden vor der Schänke die Pferde getränkt - später servierte Michel Delimèle Haute Cuisine
Gasthaus Gimken seit über 200 Jahren in Borbeck

Ein Bild aus längst vergangenen Zeiten: Patricia Delimèles Großeltern Johannes Gimken und Ehrefrau Margarete, geborene Wilkesmann, ihre Eltern Ulrike Delimèle, geborene Gimken und Ehemann Michel Jean und die vierjährige Patricia. "Wer die beiden anderen Herren sind, ist mir nicht bekannt", so die Borbeckerin.
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Standortfaktoren wie Lage und Erreichbarkeit spielen nicht erst in unserer Zeit eine Rolle. Bereits vor über 200 Jahren profitierte die Schänke der Familie Gimken von ihrem Standort an der ehemaligen Weseler Landstraße, der heutigen Schloßstraße. Die war damals eine wichtige Verbindung im Postverkehr. Während sich die Kutscher in der Borbecker Schänke an deftiger Hausmannskost aus den Töpfen von Patricia Delimèles U-Ur-Ur-Großmutter stärkten, erholten sich die Pferde bei Wasser und Heu von der hinter ihnen liegenden Etappe.

Hausmannskost gibt es auch heute noch im Hotel-Restaurant Haus Gimken an der Schloßstaße 182. Allerdings nicht mehr ausschließlich wie in den 1800er Jahren. Denn das Restaurant, das seit Anfang des Jahres in nunmehr fünfter Generation von Sehriban Delimèle geführt wird, hat sich in der Vergangenheit mit französischer Küche einen Namen gemacht. Weit über die Grenzen des Stadtteils hinaus.

Viele Jahre mit Papa Michel in der Küche

"Das lag an meinem Vater", klärt Patricia Delimèle auf. Viele Jahre stand sie gemeinsam mit Papa Michel Jean in der Küche. "Das war eine tolle Zeit", erinnert sie sich gern daran zurück. "Mit heute allerdings nicht zu vergleichen." Anfang der 1960er Jahre haben sich die Eltern der Borbeckerin in Paris kennen- und liebengelernt. "Meine Mutter hat eine Ausbildung im Hotelfach gemacht", verrät Patricia Delemèle. Ulrike Gimken war zur Ausbildung in der Schweiz, später dann in Paris. Da ist ihr der smarte Franzose begegnet. Und die Wege der beiden haben sich nicht mehr getrennt. "In Frankreich hatten die zwei eine tolle Zeit", weiß die Tochter. Aber bleiben konnten und wollten sie nicht. "Schließlich wartete hier in Borbeck ja der elterliche Betrieb." Den haben die frischgebackenen Eheleute nicht direkt nach ihrer Rückkehr aus dem Nachbarland von Ulrikes Eltern übernehmen können. "Erst einmal haben sie sich in Frohnhausen selbstständig gemacht", weiß Tochter Patricia. Und "Den Wilddieb" zu einer erstklassigen Adresse für französische Küche gemacht. "Das war zu ihrer Zeit sicher nicht ganz leicht", vermutet die Tochter.

Gäste kamen von weither nach Borbeck

In Borbeck hat das Gastronomen-Paar die einmal eingeschlagene Linie erfolgreich fortgesetzt. "Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass die Gäste von weither zu uns kamen, um sich die Kreationen meines Vaters schmecken zu lassen." Nach Ende ihrer Schulzeit ist Patricia Delimèle in den elterlichen Betrieb mit eingestiegen. In den 1970er Jahren wurde eine Kegelbahn im Hause eingerichtet. "Zu Beginn hat meine Oma dort noch das Ballmädchen gegeben. Denn voll automatisiert waren die Anlagen damals nicht."
Das Restaurant an der Schloßstraße wurde vergrößert und 1993 wurde die Scheune hinter dem Gasthaus abgerissen. "Dort hat sich meine Mutter dann ihren Traum vom eigenen Hotel erfüllt." 46 Betten in 25 Zimmern stehen den Gästen dort bis heute zur Verfügung. Ein 13köpfiges Team sorgt dafür, dass im Housekeeping, an der Rezeption, in Küche und Service alles reibungslos läuft. Küchenchef Eugen Joliet gehört seit 16 Jahren zum Team, Andreas Piffko managt seit 22 Jahren den Service. Auch Housekeeping-Chefin Andrea Pinke ist seit vielen Jahren mit dabei. Eine eingespielte Mannschaft, auf die Geschäftsführerin Sehriban Delimèle zählen kann. Im Mai wird auch Schwester India in den Betrieb mit einsteigen.

Fünfte Generation übernimmt das Ruder

Sehr zur Freude von Mama Patricia. Bei Sehriban war der Weg vorgezeichnet. "Obwohl ich nach der Schule ja eigentlich alles wollte, außer in die Gastronomie zu gehen", erinnert sich die 25-Jährige. Doch mit ihrer Ausbildung im Schlosshotel Hugenpoet war der Grundstein gelegt. Schwester India ist gelernte Bürokauffrau. Doch auch sie hat das "Bedien-Gen", wie es Mama Patricia scherzhaft umschreibt. Mit den beiden jungen Frauen ist die nunmehr fünfte Gimken-Generation am Ruder. Sie versuchen einen neuen Weg. Ein Hauch von französischer Küche, ein wenig Hausmannskost, daneben internationale Spezialitäten. Alles frisch, ohne Zusatzprodukte. Im Biergarten wird sommers gegrillt, dazu gibt`s Veranstaltungen wie den Hauströdel am 1. September.

Altarschellen aus Notre Dame in der Vitrine

Tief in die Geschichte des historischen Gasthauses eintauchen lässt sich bei einem Besuch in der Gaststube. Die Vitrinenschränke sind prall gefüllt. Da finden sich viele Erinnerungsstücke an die Kindheit und Jugend von Großvater Michel Jean in Frankreich. "Er war Messdiener in Notre Dame", weiß Sehriban Delimèle. Die Altarschellen aus der weltberühmten Kathedrale stehen heute in Borbeck. Direkt neben Raucherkarten aus den Kriegsjahren oder Reichbanknoten aus der Zeit der Weimarer Republik.

Ein Bild aus längst vergangenen Zeiten: Patricia Delimèles Großeltern Johannes Gimken und Ehrefrau Margarete, geborene Wilkesmann, ihre Eltern Ulrike Delimèle, geborene Gimken und Ehemann Michel Jean und die vierjährige Patricia. "Wer die beiden anderen Herren sind, ist mir nicht bekannt", so die Borbeckerin.
Seit Anfang des Jahres ist Sehriban Delimèle Geschäftsführerin von Haus Gimken in Borbeck. Gemeinsam mit Mutter Patricia schaut sie in den Vitrinen des Restaurants nach historischen Schätzen.

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