Pfarrentwicklung: zwei Kirchen werden aufgegeben

Pfarrer Wolfgang Haberla forderte: Ökumene muss für uns immer mehr zur Selbstverständlichkeit werden. Foto: Debus-Gohl
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"Barmherziger Gott, im Vertrauen auf deine Hilfe gehen wir als Pfarrei St. Josef neue Wege in die Zukunft." Am vergangenen Sonntag eröffnete Pfarrer Wolfgang Haberla mit einem Gebet die Informationsveranstaltung zum aktuellen Stand des Pfarreientwicklungsprozesses.

Durch die vom Bistum geforderten Einsparungen von 50 Prozent bis zum Jahr 2030 (wir berichteten), sind die Gemeinden zu massiven Einschnitten gezwungen.
In der vergangenen Woche hatten der Kirchenvorstand und der Kirchengemeinderat der Pfarrei in einer Klausurtagung das Votum beschlossen, das bis zum 31. Dezember Bischof Overbeck vorgelegt werden muss. Dieser wird darüber entscheiden, ob das Votum vom Bistum angenommen wird.
Seit drei Jahren beschäftigen sich die Mitglieder der Gemeinden mit den ersten beiden der drei Phasen, die die anstehenden Prozesse auf der Ebene der Pfarreien gliedern. "Sehen und Urteilen" sind mit dem Votum abgeschlossen. Genehmigt der Bischof das vorgelegte Votum, das sich in ein Pastoral- und ein Wirtschaftskonzept gliedert, kann die Gemeinde ab 2018 an die Umsetzung der Vorschläge gehen und damit in die dritte Phase, nämlich "Handeln" einsteigen.

Fehlbetrag von 440.000 Euro

Gespannt auf die Ergebnisse waren viele Gemeindemitglieder, die am Sonntag für eine vollbesetzte Kirche sorgten. In der Vorstellung der pastoralen Leitlinien betonte Haberla, dass das breite Engagement der rund 1000 ehrenamtlich in der Pfarrei tätigen Menschen die unverzichtbare Basis für eine auch in der Zukunft funktionierende Kirche ist.
„Die Grundstruktur unseres Kircheseins wird sich verändern. So gilt es zum Beispiel auch, verstärkt den Einsatz von Laien bei allen kirchlichen Veranstaltungen zu fördern.“ Davon ist Haberla überzeugt und geht noch einen Schritt weiter. „Ökumene muss für uns immer mehr zur Selbstverständlichkeit werden.“ Und die ist auf einem guten Weg. Die Gemeinde St. Paulus plant bereits, mit ihrer evangelischen Schwestergemeinde zusammen, ein ökumenisches Zentrum zu schaffen.
„Wenn wir so weitermachen würden wie in der Vergangenheit, müsste ab 2030 ein jährlicher Fehlbetrag von 440.000 Euro ausgeglichen werden“, erklärt Wilhelm Lethen, im Kirchenvorstand zuständig für Personal, Finanzen und Liegenschaften.
Da die Immobilien mehr als ein Drittel des kompletten Haushaltes verschlingen, musste auch überlegt werden, was insbesondere mit den Kirchgebäuden der Gemeinde geschieht.
Fest steht, dass die zukünftigen Orte für Eucharistiefeiern die Kirchen St. Josef und St. Franziskus sein werden. Zwei Orte müssen aufgegeben werden.

St. Antonius Abbas und St. Paulus: keine Lösung!

„Was mit den Kirchen St. Antonius Abbas und St. Paulus geschieht, weiß ich nicht, da habe ich noch keine Lösung“, beteuert Haberla.
Auf besorgte Nachfragen von Gemeindemitgliedern antwortet Wilhelm Lethen: „Ab 2020 werden wir keine Rücklagen für diese beiden Gebäude mehr bilden können. Wenn also ein Sturm wie Ela das Dach wegblasen würde, würde es auch die Kirche wegblasen. Das heißt, die Gebäude können so lange betrieben werden, wie nichts passiert. Wann die Kirchen nicht mehr da sein werden, kann ich aus wirtschaftlicher Sicht nicht sagen.“
Deutliche Worte, die bei vielen Zuhörern auf Verwunderung und Unverständnis stoßen.
Einig sind sich alle Beteiligten darüber, dass die vorliegenden Konzepte als Leitfaden zu sehen und durchaus auch noch nachzujustieren sind.

Text: Doris Brändlein

Pfarrer Wolfgang Haberla forderte: Ökumene muss für uns immer mehr zur Selbstverständlichkeit werden. Foto: Debus-Gohl
Volles Haus bei der Pfarrversammlung in der St. Josef Kirche.

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