Nicht das letzte Stündlein

Zwar hat der Abrissbagger noch keinen Termin, doch will die evangelische ­Gemeinde rechtzeitig ­retten, was sie von der ­Kirche im Neuhof bewahren kann. Das Altarkreuz steht im Saal nebenan, die Orgel ist auf Sardinien. Nun werden noch die ­Glocken aus dem Turm geholt und vors Gemeindehaus platziert.
Nach heftigen Streitigkeiten um Sparmaßnahmen und Verkauf kommt die Gemeinde allmählich zur Ruhe. Weitgehend unbemerkt von einer größeren Öffentlichkeit wurden im Gemeindesaal und im Jugendhaus Umbauten vorgenommen und Renovierungen durchgeführt. „Es war von Anfang an unser Ziel, die Arbeit hier so weit wie möglich zu erhalten“, sagt Wolfgang Hoffleit. Als Mitglied des Bevollmächtigtenausschusses, der seit einigen Jahren die Geschicke der Gemeinde lenkt, kann er bilanzieren: „Fast alle Kreise, die sich vorher trafen, sind weiterhin hier.“
Altenstube, Mütterkreis, Frauenhilfe - sie nutzen das hell und freundlich gestaltete Foyer, welches - auch das ist Programm - den nahtlosen Übergang zum Jugendhaus bietet.
Verkleinert allerdings hat man sich schon, denn nicht nur das Kirchengebäude wurde an den Allbau verkauft, sondern auch ein Teil des Gemeindehauses. Und im Außenbereich ein Stück Grün, ­so dass dem Wohnungsanbieter genug Fläche für Neubauten zur Verfügung steht. Mit dem Verkaufserlös wurde nicht nur am Neuhof saniert, sondern auch im Gemeindezentrum Mitte das Dach erneuert sowie die Hälfte der dortigen Innenraumrenovierung bezahlt.
Nicht zu vergessen: Es wurde das Podest finanziert. Das neue Podest vor dem Gemeindehaus, auf dem die Glocken einbetoniert werden, um an die Kirche zu erinnern, die noch im Laufe des Jahres Geschichte werden dürfte. Mitte des Monats sollen sie aus dem Turm geholt werden. Unterschiedlich groß sind die drei Glocken aus Gussstahl, deren mittlere vor der Befestigung noch eine Reise machen wird. Sie hat im Juni auf dem Evangelischen Kirchentag in Dresden einen Auftritt.
Wenn dann noch das katholische Bistum die am Neuhof zwischengelagerten Kirchenbänke, die den Weg nach Polen nehmen sollen, abholt, hat die Gemeinde ihre Arbeit fast beendet.
Übrig bleiben im Kirchenraum der Altartisch - mit schöner Holzarbeit, und doch ist keine neue Verwendung in Sicht - und auf dem Turm das Kreuz. „Es ist völlig durchgerostet“, bedauert Wolfgang Hoffleit. Aber vielleicht findet sich vor oder am oder im Gemeindehaus doch ein Platz dafür. Rost steht schließlich auch für Geschichte.

Autor:

Sabine Pfeffer aus Essen-Kettwig

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