Nicht nur schöner Wohnen im GeKu-Haus

Im Generationenkult-Haus kommen Jung und Alt zusammen. Aber mal ehrlich: Auch die älteren Semester sind im Herzen jung geblieben - wie auf dem Foto (von links) Wolfgang Nötzold, Prof. Dr. Ilse Storb, Jozefien Haagen.
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  • Im Generationenkult-Haus kommen Jung und Alt zusammen. Aber mal ehrlich: Auch die älteren Semester sind im Herzen jung geblieben - wie auf dem Foto (von links) Wolfgang Nötzold, Prof. Dr. Ilse Storb, Jozefien Haagen.
  • hochgeladen von Patrick Torma

Kontrastprogramm in der Nord-City? Auf den ersten Blick hat das vom Keller bis zur Dachterrasse durchkomponierte Generationenkult-Haus (GeKu-Haus) an der Viehofer Straße 31 wenig mit dem Unperfekthaus gemein. Doch der Ersteindruck täuscht: Das Unperfekthaus hat sich von der leicht anarchistischen Kreativbude aus seinen Anfangstagen zu einem ernstzunehmenden Gründerzentrum entwickelt, das GeKu-Haus hingegen ist viel verspielter, als es zunächst den Anschein hat.

Wenn man so will, ist das GeKu-Haus eine Verlängerung des Unperfekthauses in der Friedrich-Ebert-Straße. Am deutlichsten wird dies in der Ladengemeinschaft offenbar. Wer die ehemalige Pfandleihe im Erdgeschoss besucht, leidet erst mal an einer Reizüberflutung. An einer Reiz­überflutung der angenehmeren Sorte wohlgemerkt, nicht wie man sie aus den bunten 1-Euro-Shops kennt. Das Angebot ist reichhaltig und vor allem hochwertig: Handgemachte Textilien und Schmuck, Bio-Knabbereien, Schallplatten, ja selbst E-Fahrräder gibt es hier zu erstehen. Eine Kaffee-Bar lädt zum Verweilen ein, nebenan ist eine kleine Poststation installiert.

Birgit Lamby ist eine Goldschmiedemeisterin auf dem Weg in die Selbstständigkeit. Ihre Werkstatt befindet sich im Unperfekthaus, nun hat sie eine kleine Verkaufsfläche in der GeKu-Ladengemeinschaft eingerichtet. Ein geschützter Raum für die Karriereplanung, denn direkte Konkurrenz kommt nicht ins Haus: „Ich muss mir kein teures Ladenlokal suchen, hier miete ich mir meine Präsentationsfläche vierteljährlich an. Sollte ich absehen können, dass ich keinen Erfolg haben werde, komme ich ohne Probleme aus dem Vertrag heraus“, weiß die Existenzgründerin. Ein weiterer Vorteil: Sollte es Birgit Lamby mal nicht in die Ladengemeinschaft schaffen, übernehmen Mitstreiter den Verkauf auf Provisionsbasis.

Die „Kollektivwirtschaft“ im Erdgeschoss ist nur ein Baustein im kernsanierten (Kostenpunkt vier Millionen Euro!) GeKu-Haus. Der Name deutet es an, hier leben mehrere Generationen unter einem Dach. Vierzehn WG-Zimmer und 21 seniorengerechte Wohnungen warten auf Bewohner, elf sind zur offiziellen Eröffnung bereits eingezogen.

Dabei geht es dem Unternehmer und GeKu-Gründer Reinhard Wiesemann nicht nur ums „schöner Wohnen“: „Das ist hier kein Pflegeheim“, betont er während einer Führung durch das Haus. Auch wenn das Inventar so manche Annehmlichkeit bereit hält: einen Wellness- und Saunabereich, ein Billardzimmer, ein Heimkino, eine Röhrenrutsche (!) auf dem Dach…

Jung und Alt sollen sich vielmehr einbringen, gemeinsam Geschäftsmodelle entwickeln. Die Co-Working-Etage, mit Blick über die Innenstadt, bietet Raum für kreative Ideen. Einzelne Schreibtische können auch von Nicht-Bewohnern gemietet werden, kleine Gartenlauben dienen als Konferenzzimmer.

Einer der weiß, worauf es ankommt, ist Franz Kock, „Baujahr 1954“. Er ist einer von vier Erstbewohnern, die im vergangenen Spätsommer ins GeKu-Haus einzogen, und vom Konzept begeistert: „Wiesemann geht mutige Wege und bürgt für Qualität. Er lebt Ideen zum Anfassen, und er lässt andere mitgestalten. Das ist ein spannender Prozess, man weiß nicht, was am Ende herauskommt – wie bei einem Klumpen Ton!“ Er selbst möchte bei diesem Prozess als Informatikpädagoge teilhaben, seine Erfahrungen an jüngere Weggefährten weitergeben, bei Software- oder Steuerfragen beispielsweise.

Diese Form der Teilhabe lässt sich Franz Kock ein bisschen was kosten. „Das ist schon ein Luxus“, gibt er zu. Freilich: 650 Euro für 40 Quadratmeter kriegt man in City-Nähe günstiger. Das Gesamtpaket, das im Eckhaus an der Viehofer Straße geboten wird, muss man an anderer Stelle erstmal (er-)finden. Fotos: Debus-Gohl

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