Asyl-Standorte Frillendorf, Schonnebeck und Stoppenberg: Debatte ist entbrannt

Der Standort Graitengraben ist der wohl derzeit umstrittendte. Fotos: Gohl
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Drei Asyl-Unterkünfte sieht die Verwaltung für den Essener Norden vor – in Stoppenberg, Schonnebeck und Frillendorf. Allen drei Standorten ist gemein: Schon in der Vergangenheit waren dort Flüchtlinge untergebracht. Wohl mit ein Grund, weshalb Kritik aufkommt.

Graitengraben 81: Der Standort in Stoppenberg ist bisher der umstrittenste im Norden. Erkennbar ist das nicht nur an der Zahl der BürgerReporter, die sich kritisch in unserem Internetportal lokalkompass.de äußern. Knapp 100 Bürger drängten am Mittwoch in den Stoppenberger Ratssaal wo die Bezirksvertretung (BV) für den Bezirk Zollverein tagte. Die Anwesenden erlebten eine emotionale Debatte.

Bewohner der Neubausiedlung sind empört. Als sie vor zehn Jahren nach Stoppenberg zogen, gingen sie von einer ruhigen Wohnlage aus, der Abriss der Asylunterkunft in einer nahen und mittlerweile abgerissenen Schule habe manchen in seinem Traum nach bezahlbarem Eigentum bestärkt. Umso überraschter sind sie von den kurzfristigen Plänen der Verwaltung: Die sehen einen unbefristeten Standort mit Raum für 70 Menschen vor. Vom „Verrat am Bürger“ ist die Rede.

Auch Kritik an den sozialen Kriterien, die zur Entscheidungsfindung beitrugen, wird laut. So schreibt Bürger-Reporter Guido Hollands auf lokalkompass.de: „Stoppenberg zu wählen, weil man Altenessen und Katernberg ‚verschonen‘ will, ist absoluter Nonsens! Hier ist das Dreiländereck, an dem alle drei Stadtteile angrenzen.“ In der BV-Sitzung wurden auch die fehlende Nahversorgung und die unmittelbar benachbarte Dependance der Nelli-Neumann-Förderschule, deren Einrichtung 2005 nicht jeden Anwohner erfreute, thematisiert.

Gerhardstraße 3: Etwas unter dem Radar fliegt der zweite Standort im Bezirk Zollverein. Womöglich, weil die Gerhardstraße 3, ein altes Aldi-Lager, das heute die Stadt nutzt, schon seit Jahren als Unterkunft dient. Zuletzt ist das Gebäude im Sommer 2013 saniert worden, im Hinblick auf mögliche „Kontingentflüchtlinge“ aus Syrien.

„Zunächst wurde davon ausgegangen, dass diese Personen durch die Bezirksregierung Arnsberg zugewiesen würden – dies geschah nicht“, heißt es in einer Antwort der Verwaltung, die auf Bestreben der Bezirksvertretung Zollverein angefertigt wurde. Doch „auf Grund der starken Zunahme von Flüchtlingen musste das Heim ab August 2013 mit Asylantragsstellern belegt werden“ – eine Reservierung für die Kontingentflüchtlige sei „nicht weiter möglich“ gewesen.

Im Dezember 2013 lebten dort 37 Menschen, weitere 50 soll die Gerhardstraße künftig – unbefristet – aufnehmen können. Nach den Störungen rund um das unweit gelegene Wohnheim an der Wengestraße sind die Schonnebecker natürlich vorsichtig. Wenngleich es um die Wengestraße zuletzt ruhiger geworden ist.

Hubertstraße 25: Im Nachgang betrachtet kommt die Reaktivierung des Standortes in Frillendorf nicht überraschend. Erst Ende 2006 schloss die Stadt die direkt entlang des Sportplatzes gelegene Einrichtung. Einige Stoppenberger brachten den Standort im Zuge der Diskussion um eine behelfsmäßige Unterbringung in der aufgegebenen Zweigstelle der Nikolausstraße ins Spiel.

Die Stadt plant dort mit einer Gesamtkapazität von zweimal 100 Plätzen. Der Ausbau soll in zwei Schritten erfolgen: Aufgrund des erwarteten Bedarfs zum Herbst 2014 werden zunächst Mietcontainer für 100 Personen auf der Sportplatzfläche aufgestellt, die bis März 2015 genutzt werden sollen. Diese Container werden durch einen massiven Neubau abgelöst, der ab Oktober 2015 zur Verfügung stehen soll. Daneben wird ein Neubau für weitere 100 Personen in massiver Modulbauweise errichtet – er soll ab September 2015 fertig gestellt sein.

Von den 200 Plätzen will die Stadt zunächst nur 150 belegen. Sozialdezernent Peter Renzel kündigte jedoch bereits an, dass die 50 freien „Puffer-Plätze“ im Fall eines weiteren Zuzuges vergeben werden.

Für Frillendorfer, die ihren Stadtteil ohnehin nicht bevorteilt wähnen, ist dieser Standort eine Zumutung. „Nicht dass Frillendorf in der Nähe der Autobahnen A40 und A52 liegt, von stark befahrenen Straßen durchzogen. Wohngebiete wie Lunerkamp und Am Zehnthof [sind]- bedingt durch den Umzug der türkischen Botschaft von Bredeney nach Frillendorf - vollgeparkt und leider langsam unansehnlich“, zählt Nord Anzeiger-Leser Helmut Dillkötter auf. Matthias Molling (CDU Frillendorf) prangert ein Missverhältnis an. Wenn im Höchstfall 200 von 1.800 Asylbewerbern untergebracht werden - „wo bleibt da die soziale Balance?“

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