Computerausstattung der Essener Schulen

Grundschulen sind oft noch nicht effektiv mit WLAN-Systemen und aktuell vernetzten Schul-PC-Propgramm ausgerüstet - hier die Grundschule an der Berliner Straße in Frohnhausen.
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  • Grundschulen sind oft noch nicht effektiv mit WLAN-Systemen und aktuell vernetzten Schul-PC-Propgramm ausgerüstet - hier die Grundschule an der Berliner Straße in Frohnhausen.
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Anschaffung und Wartung von Schulcomputern sollte aus einer Hand erfolgen

In der Ratssitzung am 13.12.2017 beantragte die Ratsfraktion der Grünen, dass die Stadtverwaltung ein Konzept für die Anschaffung und Wartung von Schulcomputern aus einer Hand erstellt. Zur Abstimmung kam dieser Antrag dann allerdings nicht, sondern wurde zur intensiveren Beratung in einen Fachausschuß verwiesen. Der hier hauptsächlich zuständige Schulausschuss tagt allerdings erst wieder 6. Februrar nächsten Jahres.
Dazu erklärt Walter Wandtke, schulpolitischer Sprecher der grünen Ratsfraktion:
„Die Essener Schulen haben einen großen Nachholbedarf bei der Computerausstattung. Es fehlt an Fachkräften zur Wartung der Computer. Außerdem entstehen durch die Aufgabenverteilung zwischen Schulamt, das für die Anschaffung der Geräte zuständig ist, und dem Essener Systemhaus (ESH) als Verantwortliche für die Wartung Reibungsverluste. Ein Problem stellt auch der fehlende WLAN-Zugang der Grund- und Förderschulen dar.
Die Rolle des ESH als einheitliche Stelle für Anschaffung und Wartung von Schulcomputern sollte gestärkt werden. Das erhöht die Wirtschaftlichkeit und sorgt für eine Bündelung von Kompetenzen. Schließlich ist das ESH ja bereits heute IT-Dienstleister für eine Vielzahl städtischer Beteiligungsunternehmen. Dann kann es diese Aufgabe auch verstärkt für die Stadtverwaltung übernehmen.
Bund und Land haben angekündigt, künftig alle Schulklassen mit Computern auszustatten. Diese Investitionen drohen allerdings zu gigantischen Fehlinvestitionen zu werden, wenn nicht auch Mittel für die professionelle technische Wartung und Programmerneuerung dieser Computer bereitgestellt werden. Daher muss auf Bundes- und Landesregierung eingewirkt werden, dass auch das Wartungspersonal finanziert wird.“

Der Antrag der Ratsfraktion der Grünen für die Ratssitzung am 13.12.2017 lautet:
die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen beantragt, der Rat der Stadt Essen beschließt:

Die Verwaltung wird aufgefordert,
1. für eine beschleunigte flächendeckende WLAN-Abdeckung an allen Essener Schulen zu sorgen,
2. ein Konzept für die Anschaffung und Wartung von Schulcomputern aus einer Hand zu erstellen,
3. das Essener Systemhaus (ESH) personell und strukturell in die Lage zu versetzen, die wachsenden Aufgaben bei der technischen Wartung von Schulcomputern zu bewältigen,
4. sich bei der Bundes- und Landesregierung dafür einzusetzen, dass im Zusammenhang mit den geplanten massiven Investitionen in die technische Infrastruktur an Schulen (Digitalpakt Schule) auch Mittel für die professionelle technische Wartung der Schulcomputer bereitgestellt werden.

Begründung
Die Deutsche Telekom-Stiftung hat in der Ende November 2017 veröffentlichten Studie „.Schule digital -Der Länderindikator 2017 - Digitale Medien in den MINT-Fächern“ folgendes festgestellt:
Wer im Unterricht die Medienkompetenzen der Schüler fördern und digitale Lernumgebungen nutzen will, braucht funktionierende Computer und einen ausreichenden Internetzugang. Die Ergebnisse der internationalen Schulleistungsstudie ICILS (International Computer and Information Literacy Study) von 2013 zeigten, dass die Schulen in Deutschland hier im internationalen Vergleich nur mittelmäßig abschnitten. Die aktuellen Ergebnisse des Länderindikators 2017 der Telekom-Stiftung bestätigen diesen Befund erneut. Auch bei den kabellosen Verbindungen der Geräte stellen sich die Schulen weiterhin kaum besser auf. Während Laptops, Tablet-PCs und Notebooks in Beruf und Freizeit heute zumeist über WLAN mit dem Internet verbunden werden, ist dies an Schulen in Deutschland oft nicht oder nur eingeschränkt möglich. Die Studie zeigt allerdings auch auf, dass es in den Schulen keinen ausreichenden technischen Support bei IT-Ausstattung gibt.
Erfreulicherweise sieht der von Bund und Ländern vorgesehene Digitalpakt Schule massive Investitionen in die technische Infrastruktur an Schulen vor. Die Bundesregierung hat in der letzten Legislaturperiode angekündigt, alle Schulen mit einem Breitband-Anschluss, WLAN und weiterer Infrastruktur auszustatten und hierfür fünf Milliarden Euro über die nächsten fünf Jahre zur Verfügung zu stellen.

Zwei-Milliarden-Investitionsprogramm „Gute Schule 2020“

Auch die rot-grüne Landesregierung hatte mit dem Zwei-Milliarden-Investitionsprogramm „Gute Schule 2020“ die Kommunen in die Lage versetzt, um die digitale Infrastruktur an Schulen zu verbessern. Hieran knüpft auch die CDU-FDP-Landesregierung an. NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer hat in einer Pressemitteilung am 30.11.2017 folgendes angekündigt: „Vor allem bei der digitalen Infrastruktur und Ausstattung der Schulen besteht noch Handlungsbedarf. Das Land wird die Kommunen bei dieser wichtigen Aufgabe auch weiterhin unterstützen, damit an allen Schulen in Nordrhein-Westfalen zeitgemäß unterrichtet werden kann“, so Ministerin Gebauer. Das Land stellt den Kommunen in den kommenden fünf Jahren mit der Schulpauschale, mit dem Kommunalinvestitionsfördergesetz des Bundes und dem Landesprogramm wie „Gute Schule 2020“ mehr als sechs Milliarden Euro zur Verfügung, unter anderem für Investitionen in die digitale Infrastruktur und Ausstattung der Schulen.

GEW begrüßt Digitaloffensive an Schulen

Die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft und der Philologenverband begrüßen diese Digitalisierungsoffensive an Schulen. Allerdings bemängeln diese Interessenvertretungen der Lehrinnen und Lehrer den mangelnden technischen Support und die fehlende Qualifizierung der Lehrkräfte.

Ilka Hoffmann, GEW-Vorstandsmitglied für Schule, hat dazu im September 2017 folgendes geäußert: „Schulen brauchen eine verlässliche Ausstattung sowie mehr Unterstützung – und zwar in technischer, zeitlicher, personeller und pädagogischer Hinsicht“.

Der Philologenverband verweist darauf, dass eine gute WLAN-Abdeckung an Schulen zwar Grundvoraussetzung sei, darüber hinaus aber eine professionelle technische Wartung der Computer erforderlich sei. So äußerte der Vorsitzende des Deutschen Philologenverbandes, Heinz-Peter Meidinger am 13.10.2016 in einer Pressemitteilung: „Ohne eine gleichzeitige Sicherstellung der professionellen Betreuung der immer komplexeren Netzwerke und EDV-Anlagen an Schulen durch IT-Fachleute wird diese lobenswerte Initiative von Frau Wanka verpuffen und keinen nachhaltigen Effekt erzielen. Das Hauptproblem bei der Digitalisierung von Schulen ist nicht vorrangig die Frage der Endgeräte, sondern das Fehlen einer professionellen, jederzeit verfügbaren Betreuung durch nur dafür zuständiges Personal, wie es in jedem Wirtschaftsunternehmen heute Standard ist. Die Zeiten, in denen eine Lehrkraft Schulcomputer nebenbei betreuen konnte, sind heute endgültig vorbei. Was nutzt die beste digitale Ausstattung, wenn die Computerräume an mindestens einem oder zwei Tagen in der Woche nicht genutzt werden können, weil keine Fachkraft zur Wartung zur Verfügung steht?“

Keine Schulform bei der Digitalisierung zurücklassen

Am 15.12.2010 hat der Schulausschuss der Stadt Essen beschlossen, in einer ersten Ausbaustufe alle Essener Realschulen, Gymnasien, Gesamtschulen und Berufskollegs mit WLAN auszustatten. Im Hinblick auf die Grund- und Förderschulen wurde darauf verwiesen, dass dort im Gegensatz zu den Schulen der übrigen Schulformen alle Klassenräume mit internetfähigen Medienecken ausgestattet seien. Diese Medienecken über Kabel haben sich jedoch vielfach nicht bewährt. Manche Schulen haben sie aus Platzmangel in den Schulräumen wieder abgebaut. Einige Grundschulen sollen nun mit Ipads und damit verbundenen Hotspots ausgestattet werden. Von einer flächendeckenden WLAN-Ausstattung sind diese Schulen allerdings noch weit entfernt.

Das für die technische Wartung der Schulcomputer zuständige Essener Systemhaus (ESH) ist personell unterbesetzt. Außerdem fehlt es an Abstimmungen zwischen dem Schulamt, das Computer anschafft, und dem ESH, das diese Computer hinter warten soll.

Eine Zusammenführung von Beschaffung und Wartung beim ESH entspricht auch der vom Rat der Stadt Essen am 22. Juni 2016 beschlossenen Konzeption des Shared Service Centers Informations- und Telekommunikationstechnologie.

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