IntegrationsModell im Rahmfeld: Voll IM Leben

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  Ein ganz normales Haus in einer ganz normalen Siedlung - und doch wartet die Nummer 8 mit einer kleinen Besonderheit auf. Hier im Rahmfeld leben derzeit sieben Menschen mit geistiger Behinderung weitestgehend selbstständig unter einem Dach.

Das Wohnangebot im Rahmfeld ist nun seit 25 Jahren fester Bestandteil des Integrationsmodells, das sich - ebenfalls seit einem Vierteljahrhundert - in Essen für die Eingliederung behinderter Menschen in die Selbstständigkeit einsetzt. Inzwischen unterhält der Verein elf Wohn- und Hausgemeinschaften im gesamten Stadtgebiet. Nur die Wohngruppen in Frohnhausen und in Haarzopf sind älter als der Ableger in der Rahmstraße: Sie wurden ein Jahr vor der Gründung des Integrationsmodells ins Leben gerufen.

Während ein Großteil der Einrichtungen klassische Wohngemeinschaften darstellt, handelt sich es bei der Nummer 8 im Rahmfeld um eine Hausgemeinschaft. Soll heißen : Die Bewohner leben in ihren eigenen Wohnungen, Betreuer sind nur in der Zeit von 10 bis 20 Uhr vor Ort.

Fernsehrunden, Hausversammlungen oder gemeinsames Kochen - das Leben im Haus spielt sich meist in den Gemeinschaftsräumen im Erdgeschoss ab. Pflichtprogramm ist der Aufenthalt jedoch nicht, wie Sozialpädagogin Antje Blatt betont: „Die Bewohner entscheiden selbst, wie viel Gemeinschaft und wie viel Privatsphäre sie brauchen.“ Die Bewohner organisieren ihren Alltag also in Eigenregie - abgesehen davon, dass einige von ihnen einer regelten Arbeit nachgehen.

Urgestein Wolfgang Wilhelm kann sich jedoch voll und ganz auf sein Hobby konzentrieren - schließlich ist er bereits pensioniert. Der 63-Jährige ist leidenschaftlicher Eisenbahn-Fan, ein Teil seiner Modelleisenbahn steht direkt neben seinem Bett - den Rest musste er wegen bevorstehender Sanierungsarbeiten im Haus abbauen. Ein einzelnes Gleis führt jedoch noch quer durchs Zimmer hinter den Schrank. „Da liegt Wuppertal“, weiß der Hobbyschaffner, der gerne auch am Altenessen Bahnhof den Ein- und Ausstieg regelt. Vom Besuch kommt jedenfalls kein Widerspruch.

Widerworte sind auch bei Roswitha Muchowski nicht angebracht. Sie ist - wie Wolfgang Wilhelm - seit 25 Jahren im Rahmfeld zu Hause und derzeit die einzige Frau in der Gemeinschaft. „Sie hat die Männer im Griff“, verrät Betreuerin Antje Blatt. Was Roswitha Muchowski relativ gelassen zur Kenntnis nimmt: „Eine muss es ja.“ Doch wer kommt schon auf die Idee, es sich mit einer fleißigen Co-Köchin zu verscherzen?

Sollte es doch mal Ärger geben, kommt Jens Osterwind ins Spiel. Er ist der Sprecher der Hausgemeinschaft und leitet die regelmäßigen Hausversammlungen: „Wenn es Probleme gibt, werden die gemeinsam besprochen - bis wieder alles in Ordnung ist.“ Auch Ausflüge und Feiern werden hier geplant.

So wie die Feierlichkeiten zum 25-jährigen Jubiläum der Gemeinschaft. Rund 80 Gäste, darunter Ehemalige und Freunde, waren geladen, um mit den Rahmfeldern bei Grillgut und kalten Getränken in Erinnerungen zu schwelgen. Gleichzeitig gab es auch Neues zu bestaunen - die Kunstwerke von Mitbewohner Edgar Zelfel nämlich. Mit Hilfe von technischen Schablonen erschafft er raffinierte Strukturen, die an Mandalas erinnern. Seine Werke tragen Titel wie „Urknall“ oder „Treppenhaus“ und lassen sich oft von verschiedenen Blickwinkeln aus betrachten.
Vielfalt gibt es im Rahmfeld also auf jeder Etage - unter dem Gesichtspunkt betrachtet ist die Nummer 8 tatsächlich ein ganz normales Haus.

Nachbarn gesucht: Im Rahmfeld sind derzeit zwei Wohnungen frei, sowohl Einzelpersonen als auch Pärchen können einziehen. Allerdings ist zu beachten: Das Gebäude ist nicht barrierefrei. Weitere Informationen gibt es im Büro der Hausgemeinschaft (werktags, ab 10 Uhr) unter der Nummer 346188. Eine generelle Beratungstelle für Behinderte und ihre Angehörigen ist das KoKoBe am Weberplatz, Rufnummer: 8607277.
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