Ordnungsamt Essen: 30 Euro-Knöllchen für 4 Minuten
UPDATE: Fingerspitzengefühl? So antwortet die Stadt...

Gerd Gorczelitz   Foto: Janz

Gerd Gorczelitz verstand die Welt nicht mehr. Als er seine gehbehinderte Frau nach ihrer Physiotherapie "Im Kirchspiel" abholen wollte, gab's ein 30 Euro Knöllchen. Fingerspitzengefühl? Wir haben bei der Stadt nachgefragt.

Der "Täter" zum KURIER: "Ich bat die Politesse darum, Milde walten zu lassen, weil meine Frau nicht weit laufen kann. Sie sagte mir dann, dass sie sogar einen Abschleppwagen bestellen könnte, was dann noch höhere Kosten verursachen würde. Während des Gesprächs kam dann meine Frau, wir erhielten dann tatsächlich ein Knöllchen für die Zeit von 11.11 bis 11.15 Uhr."
Silke Lenz, Pressesprecherin der Stadt Essen, erklärt: "Die Straße „Im Kirchspiel“ liegt in einer Fußgängerzone, die entsprechend mit dem Verkehrszeichen 242.1 der Straßenverkehrsordnung (StVO) ausgeschildert ist. Andere als Fußgänger dürfen die Fußgängerzone nicht benutzen.
Die Verkehrsüberwachung des Ordnungsamtes erreichen regelmäßig Beschwerden, dass dieser Bereich der Fußgängerzone befahren und dort auch geparkt wird. Hier herrscht Fußgängerverkehr, u.a. auch aufgrund der Verbindung von der Paßstr. (Kirche St. Laurentius) zum Kaiser-Otto-Platz. Sie dient aber auch Schülerinnen und Schülern als Schulweg zum Laurentiusweg (Gymnasium und Grundschule) sowie Besucherströmen bei Veranstaltungen.
Dies stellt nicht zuletzt insbesondere bei Veranstaltungen ein Problem dar. Daher wird diese Straße regelmäßig kontrolliert. Wer in eine Fußgängerzone hinein fährt oder dort parkt, muss mit einer Verwarnung rechnen. Die Höhe von 30 Euro ergibt sich aus dem bundeseinheitlichen Tatbestandkatalog für Verkehrsordnungswidrigkeiten und wird nicht von der Stadt Essen bestimmt. Geparkte Fahrzeuge können auch im Rahmen einer Abschleppmaßnahme entfernt werden. Selbstverständlich sind die Außendienstmitarbeiter der Verkehrsüberwachung angehalten, situatives Fingerspitzengefühl zu zeigen. Das Betroffene versuchen, dies mit allen Mitteln zu eigenen Gunsten auszulegen, ist kein Einzelfall. Es muss seitens der Verkehrsüberwachung jedoch eine ausgewogene Interessensabwägung für ALLE Verkehrsteilnehmer erfolgen, wobei die Schwächeren einen besonderen Schutz genießen. Das Befahren und Parken in Fußgängerzonen wird daher regelmäßig nicht akzeptiert. Fußgänger müssen in diesem geschützten Raum nicht damit rechnen, dass sie Fahrzeugen begegnen. Im näheren Umfeld der Straße „Im Kirchspiel“ stehen ordnungsgemäße Parkmöglichkeiten zur Verfügung, die genutzt werden können. Mit der Hilfe von abholenden Personen können diese auch für geheingeschränkte Personen zumutbar erreicht werden."

Der Tathergang:
FC Lindkensfeld-Ikone Gerd Gorczelitz versteht die Welt nicht mehr. Seine Frau ist gehbehindert. Als er sie nach ihrer Physiotherapie abholen wollte, befuhr er die Straße, eher den "Hinterhof",  "Im Kirchspiel", hinter dem Kaiser-Otto-Platz, keine richtige Straße, nur Hauseingänge, aber Halteverbot.

Dort traf er auf eine Mitarbeiterin des Ordnungsamts, die ihn in seinem Auto entsprechend belehrte. Gorczelitz erklärte seine Lage, doch die "Politesse" schrieb sofort an einem 30 Euro-Knöllchen.
Der "Täter" zum KURIER: "Ich bat sie darum, Milde walten zu lassen, weil meine Frau nicht weit laufen kann. Sie sagte mir dann, dass sie sogar einen Abschleppwagen bestellen könnte, was dann noch höhere Kosten verursachen würde. Während des Gesprächs kam dann meine Frau."
Die beiden erhielten dann tatsächlich ein Knöllchen für die Zeit von 11.11 bis 11.15 Uhr. Vier Minuten, 30 Euro.
Schon mehrfach hat die KURIER-Redaktion u.a. bei Veranstaltungen in den Stadtteilen nachgefragt, warum plötzlich so viele Ordnungsamt-Teams im Einsatz sind. Die Antwort aus der Stadtverwaltung war immer gleich: Es werde mit Fingerspitzengefühl gearbeitet. Ach so...

Autor:

Detlef Leweux aus Essen-Steele

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