Die Heidhauserin Edith Tekolf veröffentlichte ein Buch über die Kirche St. Clemens
Ein mystischer Ort

Edith Tekolf hat ein Buch über die Kirche St. Clemens veröffentlicht. 
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„Hier in Werden gibt es an jeder Ecke eine neue Geschichte zu entdecken.“ Edith Tekolf hat für sich eine Lieblingsgeschichte entdeckt. Genau genommen war es anders herum: „Diese Kirche hat mich gefunden. Sie lässt mich nicht mehr los.“ Nun veröffentlichte die Heidhauserin ein Buch über St. Clemens.

Eine regelmäßige Reinigungsaktion des Bürger- und Heimatvereins sorgte dafür, dass Edith Tekolf auf das „Clemenspöttchen“ aufmerksam wurde. Die Ärztin wohnt nicht weit entfernt: „Da helfe ich doch mit.“ Unkraut jäten, Fugen kratzen, fegen, solche Dinge. Macht Spaß in einer lustigen Truppe. Doch zugleich war da so ein tiefes Gefühl: „Ein uralter mystischer Platz. Ein versteckter Ort, den viele Werdener gar nicht kennen. Das macht auch den Reiz dieser Ruine aus.“ Spätestens jetzt war klar: „Ich wollte mehr wissen über den Ort, die abgerissene Kirche und die Zeit, als das alles noch in Funktion war.“ Jahre später lautet ihr Fazit: „Stünde die Kirche noch, hätten wir hier jede Menge Touristenbusse. St. Clemens ist von Alter und Bedeutung her wirklich einmalig.“

Eine einzigartige Kirche

Wenn sie noch stehen würde, gälte sie als älteste Filial-Pfarrkirche nördlich der Alpen. Doch ein Kaufvertrag vom 20. Februar 1817 besiegelte ihr Schicksal. Nur noch die Grundmauern stehen. Heute undenkbar, dass diese einzigartige karolingisch-ottonische Kirche dem Erdboden gleich gemacht würde. Und das ausgerechnet noch - wie profan - um sie als Baumaterial zur Errichtung eines Gasthofes an der Chaussee nach Velbert zu nutzen. Dort, wo 1857 das erste Werdener Krankenhaus entstand. Die Clemenskirche mag äußerlich schlicht erscheinen. Doch ihre Bedeutung ist immens: da wurde ganz altes Wissen genutzt, an einer Quelle und zugleich strategisch perfekt am uralten Handelsweg „Strata Coloniensis“ gebaut, ein einzigartiger Bautyp mit drei halbkreisförmigen Apsiden gefunden. Ganz besonders imponiert das Alter: Im Jahre 957 geweiht. Es begannen umfangreiche Recherchen, Studienreisen ins Ausland, deren Erkenntnisse schließlich in einen Vortrag mündeten. Das Publikum war hin und weg und so kam der Vorschlag: „Du hast doch schon so viel zusammengetragen, dann kannst du es gleich in ein ganzes Buch gießen.“

Keine Märchen erzählen

Und Edith Tekolf begann: „Aber ich wollte den Leuten keine Märchen erzählen. Da gibt es in Werden nämlich so manche erfundene Geschichte, die dann immer weiter kolportiert wurde. Da muss man fragen: Wo kommt das her? Stimmt das überhaupt? Im Prinzip hätte ich ja alles behaupten können. Papier ist geduldig. Aber das wollte ich nicht.“ Die Medizinerin arbeitete über 20 Jahre lang als ärztliche Gutachterin: „Da lernt man auch, mit Sprache umzugehen. Worte sind wichtig. Wenn man so ein Buch schreibt, ist die Balance wichtig. Nicht zu viel und nicht zu wenig. Verständlich und nicht schwafeln. Den Dingen auf den Grund gehen, aber doch mit Lesbarkeit. Das ist ein schwieriger Spagat.“ Der Edith Tekolf geglückt ist. Ihr Ehemann Michael Baumgartner ist Architekt und fertigte bauzeichnerische Rekonstruktionen an. Dafür nutzte er die Maßverhältnisse Schweizer Kirchen, die alte Zeichnung eines italienischen Dachstuhls, dazu die detaillierte Abrissliste von St. Clemens: „Dadurch konnte ich Länge und Breite der Kirche bestimmen. Nachdem ich die alten Formen und Harmoniegrößen übernommen hatte, konnte ich versuchen, das Aussehen der Kirche nachzuempfinden.“ Auch dieses „Nachempfinden“ überzeugt.

Ein Geschwisterchen?

Für Edith Tekolf sind Fakten das A und O, aber man müsse den Leser auch mitnehmen: „Das ist mir bei meinen Vorträgen wichtig. Ich spüre es, wenn das Publikum meiner Spur folgt. Ich weiß, dass ich das kann. Aber gelingt das auch in einem Buch?“ Diese Frage ist eindrucksvoll beantwortet. Der aufmerksame Leser kann sich nun unzählige weitere Fragen beantworten. War hier ursprünglich eine germanische Kultstätte? Was warfen Werdener Kinder in das Clemenspöttchen, wenn sie sich ein Geschwisterchen wünschten? Wie viel zahlte Gastwirt Theodor Ferber für Steine, Hölzer, Eisen und Dachziegel? Der Bau welcher Kirche wurde mit dem Verkaufserlös finanziert? Was hat es mit dem verschwundenen Bildstock auf sich? Antworten darauf und noch viel mehr finden sich im Buch „St. Clemens. Geschichte einer einzigartigen Kirche in Essen-Werden“. Es hat 160 Seiten inklusive Anhang, ist im renommierten Verlag Schnell+ Steiner erschienen und für 25 Euro im Buchhandel erhältlich. Die ISBN lautet 978-3-7954-3489-2.

Edith Tekolf hat ein Buch über die Kirche St. Clemens veröffentlicht. 
Foto: Henschke
Rekonstruktion der Clemenskirche von Nordwesten aus gesehen. 
Grafik: Michael Baumgartner
Autor:

Daniel Henschke aus Essen-Werden

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