„Ein toller Tag zum Wandern“

Offizielle Eröffnung am Einstieg zum Baldeney-Steig mit Grüne-Hauptstadt-Machern und der Politik.
Foto: Bangert
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  • Offizielle Eröffnung am Einstieg zum Baldeney-Steig mit Grüne-Hauptstadt-Machern und der Politik.
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Oberbürgermeister Thomas Kufen eröffnete den Baldeney-Steig und die Essener wanderten mit

Die Grüne Hauptstadt ist um eine Attraktion reicher. Oberbürgermeister Thomas Kufen eröffnet den Baldeney-Steig und frohlockt: „Hier wird uns Essenern auch selbst wieder bewusst, was für eine grüne Stadt wir sind.“

Zur Finanzierung des Projektes tat die Bezirksvertretung IX 25.000 Euro aus dem eigenen Etat dazu. Die andere Hälfte der Kosten trägt das Grüne-Hauptstadt-Büro. Was ist hier mit den Steuergeldern entstanden? Der Wandersteig auf den Höhen rund um den Baldeneysee bietet auf 26,7 Kilometern erstaunliche Naturerlebnisse, ungeahnte Ein- und Ausblicke. Aber auch Kletterpartien, immerhin sind 1.200 Höhenmeter zu bewältigen. Während die Route nördlich vom See länger am Ufer entlang führt und dazwischen höchst stattliche Waldgebiete durchforstet, bietet die südliche Route vor allem einen bunten Mix aus Wäldern und Feldern. Die feierliche Eröffnung kommt mit erfreulich wenig Tamtam daher, dafür aber mit über 200 wanderwütigen Essenern, bester Laune, geistlichem Beistand und - oh Wunder - herrlichstem Sonnenschein. Direkt am Stauwehr auf Werdener Seite begrüßt die Politik Wanderer und Zaungäste. OB Kufen freut sich: „Die Grüne Hauptstadt ist als Bürgerprojekt angelegt, es gab viele Anregungen. Hier geht es um eine noch bessere Erschließung des Sees. Er soll noch mehr in den Mittelpunkt gerückt werden. Grandiose Aussichten, herrliche Landschaften.“ Simone Raskob legt nach: „Ein tolles Gemeinschaftsprojekt ist entstanden, ein weiteres Highlight am See nach Badestelle, Seeblick der Weißen Flotte, den 31 Essener Aussichten.“ Bezirksbürgermeister Dr. Michael Bonmann strahlt: „Ich bin begeistert von der großen Zahl der Gäste. 25.00 Euro klingen für viele vielleicht wie Peanuts, für unsere BV ist das aber eine große Summe. Wir wollten gemeinsam mit der Weißen Flotte etwas Nachhaltiges für die Zukunft schaffen. Doch es wurde uns schwergemacht, der Bürokratismus in Essen sorgte für eine Verzögerung. Doch nun sage ich: Ein toller Tag zum Wandern“.

Ein anspruchsvoller Steig

Die Mitwanderer scharren schon mit den Hufen, respektive ihren Trekkingstiefeln. Denn gut zu Fuß und vor allem gut beschuht sollte man schon sein. Recht bald wird bewusst, dass es hier rund um den See keinen niederschwelligen Wander-Weg, sondern einen anspruchsvollen „Steig“ gibt. Immerhin wurde mit der Streckenführung kein Geringerer als der Sauerländische Gebirgsverein beauftragt. Der Einstieg vom Hardenbergufer führt auch sofort jäh in die die Höhe. Genauer gesagt, auf die Werdener Charlottenhöhe. Hier müssen die Ersten bereits durchpusten, auch der OB nutzt eine Kehre der nach oben klimmenden Serpentinen zu einem längeren Blick in Richtung Villa Hügel. Doch bald stiefelt der jetzt schon langgezogene Lindwurm fröhlich über den Friedhof in Richtung Wald. Hinten sichern drei freiwillige Helfer das Ende der Karawane. Marlies Kahlefend und Brigitte Spieckermann sind Volunteers der Grünen Hauptstadt, waren schon bei etlichen Aktionen dabei. Immer mit von der Partie ihr Golden Retriever „Apple“. Den Kalauer kann sich Frauchen Brigitte jetzt einfach nicht verkneifen: „Er ist unser Volun-Tier!“ Doch es bleibt wenig Zeit zum Quatschen, denn das Tempo imponiert. Erst, als es in die Wald geht, stockt die Schlange ab und zu: Stau. Kenner des Gebietes schnalzen mit der Zunge: „Hier lagen vor kurzem noch Ela-Bäume kreuz und quer. Hat sich echt was getan…“

Der Steilhang hat seine Tücken

Jetzt wird Fischlaken betreten. Vorbei an leckeren Walderdbeeren, schmackhaften Pilzen und querliegenden Baumriesen schlängeln sich die Wanderer durch den Forst, plötzlich öffnet sich ein fantastischer Blick. Die Bäume geben die Aussicht auf den See frei, die Fotoapparate klicken: „Unfassbar schön!“ Doch nun heißt es, Obacht zu geben. Es hatte in der Nacht geregnet, der Steilhang hat so seine Tücken. Gegenseitige Hilfe ist angesagt, nach und nach werden alle Wanderer den Berg hinauf gezogen oder gar geschoben. Ein Sturz endet glimpflich. Bezirksbürgermeister Bonmann zeigt sich nachdenklich: „Hier muss nachgebessert werden.“ Eventuell könnten hier Tritthölzer oder ein gespanntes Tau helfen? Eine Teilnehmerin aber fliegt förmlich den Hang hinauf, klettert sogar noch kess über einen Holzstapel. Vorsichtshalber rafft sie ein wenig ihr Habit. Es muss ja nicht unnötig dreckig werden. Ihr Habit? Ja, es sind drei Nonnen mit unterwegs. Beziehungsweise zwei und eine „Nachwuchskraft“: Novizin Elisabeth wünschte sich einen Ausflug, morgens las sie in der Zeitung vom Steig, machte sich mit Schwester Beate und Schwester Regina aus Holsterhausen auf den Weg nach Werden. Die Augustiner Chorfrauen „Beatae Mariae Virginis“ dienen der Erfüllung des Erziehungsauftrages am B.M.V.-Gymnasium. Nun biegt die Route auf die Straße „Dodelle“. Pferde weiden in aller Seelenruhe, hinter ihnen öffnet sich das Panorama des Baldeneysees. Hier können Esel gestreichelt werden, die Dodelle führt steil nach oben. Nun muss Thomas Kufen aber wirklich aus dem Steig aus- und ins Auto einsteigen, der nächste Termin wartet. Immerhin feuert der OB noch alle Wanderer an und wünscht ihnen weiterhin viel Spaß.

„Hast Du Bier dabei?“

Die Felder und Wiesen sind erreicht, die Sonne lächelt, so mancher Wanderer kramt nun im Beutel, den er beim Start bekommen hat. Ein Apfel, Sprudel, eine Wanderkarte mit dem Logo der BV IX, Gutscheine für Getränk, Wurst und Bootsfahrt. Die Herzensdame fragt: „Schatz, möchtest du noch etwas trinken?“ Hoffnung blitzt im Blick des Gatten auf: „Hast Du Bier dabei?“ Nein, und sofort ist sich die Gruppe einig, hier hätte man ruhig eine Verpflegungsstation mit Gerstensaft einstreuen können. Vorbei geht es am Schacht 1 der Zeche Pörtingsiepen, hier ragte 2010 der gelbe Ballon der Bezirksvertretung in die Luft. Eine Erinnerung an die große Bergbauhistorie Fischlakens war damals das Schachtzeichen der Kulturhauptstadt. Nun führt der Weg an - noch - fröhlich schnatternden Gänsen und am Reiterhof vorbei, runter bis Haus Scheppen. Hier wuselt es, unzählige Motorräder. Auch ein schönes Hobby. Auf dem See dümpeln die Segler, bei absoluter Flaute. Die Strecke führt unter der bis ins Wasser hängenden Baumallee entlang zur Mole der weißen Flotte. Nun gibt es Frei-Würstchen, für den Gatten endlich sein Bier. „Käpten“ Franz-Josef Ewers und seine Crew haben die Mole festlich hegerichtet, auch gründlich von den Hinterlassenschaften der Kanadagänse befreit. Es tönen Jazzklänge am Ufer, Liegestühle laden zum Sonnenbad ein: „Wie im Urlaub hier!“ Dann geht es mit der MS Innogy zurück an den Ausgangspunkt. Die RWE-Tochtergesellschaft hat ein grünes Vorzeigeprojekt gestartet: Ein Fahrgastschiff, das mit Methanol, Brennstoffzellen und einem Elektromotor angetrieben wird. Voll umweltbewusst, vor allem erstaunlich leise. Wie ein Kätzchen schnurrt der Antrieb, die MS gleitet vorbei an Schloss Baldeney, der Badestelle, dem internationalen Turnier der Kanupolo-Spieler. Zurück am Stauwehr, ist man sich einig: „Den Rest des Baldeney-Steigs werden wir uns auch noch erwandern.“

Autor:

Daniel Henschke aus Essen-Werden

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