Dem Bergbau auf der Spur

Die Zeche Hermann 1954: Vor- und Hauptbunker mit Verladung, links die neue Kaue im Bau.
Sammlung Richard Voigt, Repro: Henschke
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  • Die Zeche Hermann 1954: Vor- und Hauptbunker mit Verladung, links die neue Kaue im Bau.
    Sammlung Richard Voigt, Repro: Henschke
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Spannende Erkundungstour im Hespertal mit dem Buchautor Dirk Hagedorn

Die Geschichte des Bergbaus aus verschollen geglaubten Unterlagen aufzuzeichnen, ist seine Berufung. Doch Dirk Hagedorn begibt sich auch gern vor Ort und spürt Relikte auf.

Diese Einladung konnte man nicht ausschlagen. Man trifft sich am Hesperkrug und geht ein paar Meter die Straße entlang. Rechter Hand weist Dirk Hagedorn auf ein kleines Häuschen: „Hier hat der Betriebsführer gewohnt.“ Betriebsführer wovon? Ein bisschen Geduld noch. Erst geht es ins Gebüsch, den Hang hinauf. Klettern ist angesagt. Oben angekommen, enthüllt Hagedorn das Geheimnis: „Wo wir hier stehen, war früher die Zeche Hermann.“ Eines der jüngsten Kapitel des einstigen Industriestandortes Hespertal. Das schon um das Jahr 800 besiedelte Tal des 7,7 Kilometer langen Bächleins Hesper war eine der Keimzellen des Ruhrgebietes. Erstmals urkundlich erwähnt wurde hier Kohleabbau um 1470. Hier streichen nämlich die ansteigenden Kohleflöze des Oberkarbon zu Tage und ermöglichten einen flachen, über Stollen betriebenen Bergbau. Zusätzlich gab es reiche Vorkommen an Alaun im devonischen Schiefer und Kalkstein in unterkarbonischen Schichten. In der Bläufabrik wurden Kobalterze und Alaun in die sogenannte Schmalte umgewandelt, die als Farbe bei der Ton- und Porzellanmalerei, aber auch zum Bleichen von Papier und Wäsche verwendet wurde.

Mitten im Urwald

Doch zurück zur Zeche Hermann. Im Jahre 1948 gegründet von der Bergbau-Union mit zunächst 16 Bergleuten. Die Kohle war zwar nicht fürs Verheizen in Lokomotiven geeignet, doch bestens für den Hausbrand. Schon bald wurde deutlich, dass man nach der Teufe gehen musste. Leider wurde Hermann nicht von Unglücken verschont: Ein Grubenpferd stürzte in einen Streb und musste von seinen Leiden erlöst werden. Der Lehrhauer Ernst Höfner wurde von hereinbrechender Kohle erschlagen und verschüttet. 1952 waren schon 137 Bergleute in Lohn und Brot. Die Zeche breitete sich aus, bot Ledigenheim, Waschkaue, Büros, Werkstätten, Kompressorenhäuser, Vor- und Hauptbunker mit Verladung, Bolzplatz, einen kleinen Kiosk, Kläranlage und einen 45 Grad steilen Schleppaufzug. Den macht Dirk Hagedorn nun aus im Gebüsch. Er entdeckt eine Stahltrosse und verfolgt ihren Lauf, hält dann ein Ende in der Hand. Mit Finderstolz präsentiert er das Förderseil. Ansonsten ist kaum noch etwas erhalten. Denn obwohl noch ausreichende Kohlenvorräte anstanden, machten hohe Wasserzuflüsse den Betrieb unrentabel. Am 31. Mai 1964 wurde die Zeche geschlossen und dem Erdboden gleich gemacht, der Stollen gesprengt. Ihn kann man nur noch erahnen. Aber Hagedorn entsinnt sich: „Da waren noch Reste der Werksküche zu sehen.“ Mitten in diesem Urwald? Man braucht schon ein geschultes Auge oder einen kundigen Führer. Schnell sind die Ruinen gefunden, die Küche des Ledigenheims wurde später zu einer Schmiede umfunktioniert. Beim Abstieg zur Straße fällt ein schwarz-glänzender Brocken ins Auge: „Das ist sogenanntes Mittelgut. Also Steinkohle, an der ein größerer Anteil von taubem Gestein haftet.“

Der Nachwelt erhalten

Viele Fotos und noch mehr Informationen finden sich im Buch „Hermann und Ludscheid“, in dem sich Autor Ulrich Lütsch mit den Kleinzechen im Hespertal und am Rodberg beschäftigte. Hagedorn schmunzelt: „Ich war so eine Art Geburtshelfer, habe Bilder beigesteuert und auch ein Interview mit Jörg Personn, Sohn des letzten Betriebsführers. Nun bemühe ich mich um die Verbreitung dieses fundierten Werks.“ Das Buch ist für 9,95 Euro zu erhalten bei der Buchhandlung Bast, Kupferdreher Straße 160. Auf Anfrage könnte Dirk Hagedorn es auch zusenden: „Dann käme natürlich noch Porto drauf.“ Sein eigenes Buchprojekt nimmt ihn ebenfalls sehr in Anspruch. Zusätzliches spannendes Material soll die dritte Auflage des Werks „Kohle, Kalk & Erze - Die Geschichte der Hespertalbahn“ prägen. Mit Joachim Leitsch hatte Hagedorn dieses lokale Kapitel der Bergbaugeschichte aufgezeichnet. Unermüdlich forscht Hagedorn nach, spricht mit Zeitzeugen und Hinterbliebenen. Denn er hat ein Anliegen: „Mir ist es wichtig, an die Bergbauvergangenheit, die Kumpels und deren Arbeit zu erinnern. So viel wie möglich möchte ich vor dem Verfall retten, sammeln und für die Nachwelt erhalten. Sollte also jemand noch alte Fotos, Unterlagen oder Anekdoten haben, so wäre es schön, wenn er mit mir unter dirk.hagedorn@hespertalbahn.de oder Telefon 0151-17423797 in Kontakt treten würde. Natürlich stehe ich gerne auch gerne für Fragen zur Verfügung.“

Autor:

Daniel Henschke aus Essen-Werden

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