Die Heidhauser Fleischerei Hohnwald schließt zum 30. November ihre Pforten
„Auf Wiedersehen zu sagen fällt schon schwer“

Margret und Kurt Hohnwald möchten ihren Kunden für die Treue danken. 
Foto: Henschke
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Nach über 25 Jahren in Heidhausen schließt die Fleischerei Hohnwald zum 30. November ihre Pforten. Für immer. Aus Altersgründen.

Wie wird das so als Rentner? Kurt Hohnwald bietet sein breitestes Grinsen: „Da müssen wir uns erst einmal dran gewöhnen, meine Margret und ich.“ Margret Hohnwald setzt ein fast trotziges Lächeln auf: „Mit 66 Jahren fängt das Leben an. Wir werden schon nicht ins Loch fallen. Kurt geht zum Angeln und ich reite.“ Der Gemahl wirft ein: „Ab und zu verkleiden wir uns und gehen zu einem Konzert der Toten Hosen.“

Lecker und bezahlbar

Verdient haben sich die Beiden den Ruhestand allemal. Kurt Hohnwald rechnet nach: „Ich bin jetzt 52 Jahre im Beruf.“ Der Fleischermeister und die gelernte Bauzeichnerin sind das perfekte Team, auch im Job. Margret ging den Schritt mit in die Selbstständigkeit: „Ich habe mich dann auf den Partyservice gestürzt und mich dort ausgetobt. Habe die Schilder geschrieben und den Bürokrams erledigt. Mich kannte man gar nicht. War auch gut so.“ Wobei Kurt Hohnwald eines klarstellt: „Meine Margret war immer der Boss im Hintergrund.“ Der werktägliche Mittagstisch ist bereits beendet. Da müssen sich die vielen Fans erst einmal umschauen und Ersatz finden. Lecker und bezahlbar. Wobei im neuen Jahr eine Food Station übernimmt. Denen sollte man eine Chance geben, findet Hohnwald. Sein deftiger Mittagstisch lockte die Menschen von weit her. Kurt Hohnwald schwärmt: „Täglich 300 bis 400 Frikadellen haben wir in die Pfanne gehauen. Natürlich handgemacht, nicht maschinell.“ In der Tat waren seine Frikadellen der Hit. Kein bisschen altbacken, sondern würzig und frisch dampfend.

Industriespionage

Kurt Hohnwald wusste stets, was seine Kunden wollten. Geradezu Ehrensache, dass er sich immer was pfiffiges Neues einfallen ließ. Heute noch lächelt er über dreiste Fälle von „Industriespionage“, als Kollegen unauffällig-auffällig bei ihm in Heidhausen „vorbeischauten“. Das kann ein Profi nicht erschüttern, man ist halt Gönner: „Sollen Sie doch. War ja irgendwie ein Kompliment für mich. Außerdem belebt Konkurrenz das Geschäft. Ich habe den Wettbewerb nie gescheut.“ Warum auch? Das Können erwarb er bei Metzger Lorenz in Velbert. Dort ging der 14-jährige Kurt in die Lehre. Eine harte Schule: „Da bin ich nachts aufgewacht und habe innerlich alle Zutaten aufgezählt, damit ich ja nix vergesse…“ Denn da kannte der Chef kein Pardon: „Wir mussten Wurst machen können.“ Sonst drohte Übles. Hätte ihm aber nicht geschadet, meint Kurt Hohnwald. Im Gegenteil. Wobei wir bei der Fleischerehre gelandet wären. Thema Fleischwurst. Klar, da wird die Wurstküche ausgefegt und die Reste kommen in den Topf. Oder etwa nicht? Nun ist es mit der Gelassenheit vorbei und der Berufsstolz gekränkt: „Da könnte ich explodieren, wenn ich diese blöden Vorurteile höre. Ich hasse das. Gerade Fleischwurst ist eine superreine Sache. Da kommt nur frisches Fleisch rein. Das schmeckt sonst alt. Dazu Eis und Gewürze. Fertig.“ Die Augen blitzen: „Unsere Highlights waren Mettwürste in allen Variationen und der Fleischkäse. Der war der Renner und weit über die Grenzen Essens hinaus beliebt.“

Die letzte Chance

Vom Montag, 26. November an findet bei Hohnwalds die „Letzte-Chance-Woche“ statt. Jeden Tag wird ein anderes Produkt preiswerter gesetzt und damit auch ausverkauft. Die letzte Chance halt: „Wir wollen nichts mitnehmen.“ Margret Hohnwald muss sich räuspern: „Jetzt häufen sich die letzten Male. Schon komisch. Auf Wiedersehen zu sagen fällt schon schwer.“ Ein bisserl Wehmut schwingt mit: „Am Freitag, 30. November, werden wir unsere Kunden und Lieferanten zum Finale begrüßen. Ab 14 Uhr feiern wir im Laden. Wir bedanken uns für die Treue und die langjährige gute Zusammenarbeit. So klammheimlich aus Heidhausen verdrücken wollen wir uns bestimmt nicht. Dafür waren die Leute viel zu freundlich zu uns. Das ist hier eben noch ein Dorf. Heidhausen ist was Schönes und Besonderes.“

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