Der Könner Köppen macht Schluss - und jetzt...

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Verführt wird Wolfgang Köppen immer wieder abends. „Durch Ritter Sport Schokolade.“ Dabei guckt er schelmisch: „Sportlich bin ich aber nicht.“ Jedoch, eine kernige Kante ist er, drahtig, beweglich. Und Beamter! Ein total untypischer. Der von Überstunden schwärmt. Doch damit ist jetzt Schluss. Denn das „Herzstück“ für ca. 100000 Essener Bürgern sagt Servus. Der 62-jährige ungewöhnliche Verwaltungsbeamte geht ab Juli in den passiven Ruhestand…

Es gibt Menschen, die sieht, erlebt man – und die bleiben unvergessen. So einer ist Wolfgang Köppen. Kantiger Kopf, weißes Haar, markanter Bart. Seine Arbeit: Schnell - nicht behäbig. Ein aufrechter Mann – und ein anständiger. Jetzt geht sein reiches Berufsleben zu Ende, das die Bürger sich viel länger hätten vorstellen könnten.

Wir treffen ihn im Büro, Freytagstraße. Fotos an der Büro-Wand ziehen an. Da luchst ein kleiner Bub mit Kulleraugen durch Riesendamenbeine!“Ich find das Bild einfach schön.“ Daneben lockt ein Knabe, Popcorn schleckend, mit dem doppelsinnigen Aufdruck „Essen macht Spaß“. „Das Foto von meinem vier-jährigen Sohn wurde anlässlich der Universiade 1989 in Duisburg-Wedau am Werbestand der Stadt Essen gemacht. Seit 23 Jahren begleitet er mich durch meine Büros…“

Doch lassen wir sein 48-jähriges Berufsleben bei der Stadt Essen Revue passieren. Welch eine Spanne. Da muss Köppen ja zig-Ämter durchforstet haben? Mitnichten. „Nach meiner Ausbildung waren es eigentlich nur drei. Nach dem Wehrdienst kam das Ordnungsamt, Abteilung allgemeine Gefahrenabwehr. Danach folgte das Straßenverkehrsamt, Bereich Überwachung ruhender Verkehr.“ Nö, als Politesse ging er nicht auf Außen-Streife, sondern er war wach und rege in den Abteilungen…

Es folgte der Fachhochschulbesuch für den öffentlichen Dienst.
1979 - Es zog das Amt für Ratsangelegenheiten, Repräsentation und Fremdenverkehr. Sehr bürokratisch? Das Gegenteil trifft zu. Beispielsweise die „Essener Woche“ zählt dazu. Eine Vorläuferveranstaltung vom Essener Maitember. Die betreute er jahrelang in den 80-er Jahren; organisierte das beliebte Seefest auf der schwimmenden Bühne im Baldeneysee, die alljährliche Rathausfete mit drei-tägigem Kulturprogramm in allen öffentlichen Sälen des Rathauses. Da ging die Post ab! Und „Klick“ bei Köppen. „Ich lernte verwaltungs-untypisch zu arbeiten. Denn man war Eventmanager.“

Steigerungen gefällig? Köppen war Jahre im städtischen Protokoll tätig – so am Treffen der Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union in Essen beteiligt sowie an der Vorbereitung des Programms für den Besuch von Papst Johannes Paul II. Und haste nicht gesehen, er reichte dem seligen Papst den Füllhalter für seinen Eintrag in das Stahlbuch der Stadt Essen…

1989: Wechsel - Aufgabenbereich von Fremdenverkehrsförderung - heutiges Tourismusmanagement. „Ich habe 1996 mit Gründung der Essener Marketing Gesellschaft die erste Essener Touristikzentrale, die sich noch heute im Gebäude des Essener Handelshofs befindet, organisiert, aufgebaut.“ Highlight, „in der Geburtsstunde der Tourismusentwicklung für Essen und das Ruhrgebiet mitwirken zu dürfen. Gipfelstürmer waren die internationale Bauausstellung Emscherpark, Vorarbeiten für die Kulturhauptstadt Europas2010.“

Dann Wachwechsel in der Bezirks-Verwaltung III. Der beliebte Bert Gille, Verwaltungsbeauftragter, sagte Ade. „Anfang 2009 bot sich mir die Chance einer neuen Herausforderung. An dieser Aufgabe reizte mich von Anbeginn, Bindeglied zwischen Bevölkerung, Politik und den städtischen Ämtern zu sein.“

Ohne Wenn und Aber – Köppen, der Kenner und Könner, packt seitdem den Posten mit Power. „Ich möchte, dass die Bezirksvertretung stärker in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird.“ Wie? „Fast Tradition ist mittlerweile das Treffen des Bezirksbürgermeisters, seinen Vertretern mit Grundschulleitern geworden. Ferner - viele Bürgerversammlungen informieren die Menschen frühzeitig, binden sie in öffentliche Bauvorhaben ein - wie der Bau der neuen Fulerumer Straße, die damit verbundene hochwertige Wohnbebauung; die Umgestaltung der Kreuzung Hatzper Straße; Vorstellung der Pläne für die neue Streckenführung der Straßenbahnlinie 109; und erst vor wenigen Tagen eine Versammlung mit Fulerum-Anwohnern wegen verkehrsberuhigende Maßnahmen Scheidtstraße und Am Scheidtbusch. Dialoge mit Bürgern bieten die Chance, auch kurzfristig ihr Ideen in Planungen einfließen zu lassen.“

Köppen bekennt, „für mich selbst war es in den drei Jahren eine besondere Erfahrung, welche Probleme den Menschen in den Stadtteilen besondere Sorgen bereiten. Man lernt als Verwaltungsbeauftragter auch wieder eine gewisse Demut vor den wirklichen Nöten und Wünschen. Ich bin beeindruckt, wie es den Politikern der BV durch ihre Ortsnähe wie kaum einem anderen Gremium gelingt, mit verhältnismäßig wenigen Mitteln (350000 € jährlich) zig Finanzierungslücken zu schließen.“

Vision von Köppen? „Leider ist sie unrealistisch. Ich wünsche mir, dass alle Entscheidungsträger bei der Stadt zumindest ein Jahr in einer Bezirksverwaltungsstelle tätig gewesen sein müssten. Erst dann weiß man wirklich, was für das Sicherheitsgefühl und die Lebensqualität der Menschen wichtig ist.“ Wolfgang Köppen hat den Leuten aufs Maul geschaut – aber nie nach dem Mund geredet.

Wer tritt das Erbe an? Petra Salhöfer soll Nachfolgerin werden. Sie arbeitet sich seit ca. neun Monaten ein. Doch sie will das Amt nicht – sagte sie Klaus Klaus Persch, Bezirksbürgermeister sowie Vertretern (wir berichteten). Wolfgang Köppen bestätigt: „Es ist offen. Es weiß heute noch keiner. Ich kann es nicht einschätzen…“ Fotos: Gohl

Autor:

Ingrid Schattberg aus Essen-West

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