Apostelladen „Dies und Das“
„Die Idee ist: sozial!“

Der Apostelladen erfreut sich großer Beliebtheit.
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  • Der Apostelladen erfreut sich großer Beliebtheit.
  • Foto: U. Pollert
  • hochgeladen von Mareike Ahlborn

Der Laden der evangelischen Gemeinde Frohnhausen bietet Waren aus zweiter Hand für kleines Geld. Ein ehrenamtliches Frauenteam stemmt den Betrieb. Und sorgt sich um die Zukunft.
Ortstermin im Apostelladen an der Berliner Straße – am Gänsereiterbrunnen geht es vorbei ins Untergeschoss der Apostelkirche. Da steht Angelika Pollert vor 12 vollgepackten Bananenkartons aus einer Haushaltsauflösung. Gestern hier abgegeben worden. Jetzt heißt es: sichten und sortieren …
Angelika Pollert, die den Apostelladen seit 2006 leitet, ist in der Gemeinde seit Jahrzehnten aktiv. Erst kam der Gemeindebrief, dann der Bastelstand, Seniorennachmittage … bis die Frohnhauserin irgendwann gefragt wurde: „Kannst du bei der Kleiderkammer mal Vertretung machen?“ Seitdem ist sie mit Herzblut dabei. Der Apostelladen lebt von ehrenamtlichem Engagement – dem von Angelika Pollert und dem ihrer zehn Mitstreiterinnen im Team.
Kleidung und Haushaltswaren von wohlgesonnenen Spendern verkauft dieser besondere Second-Hand-Laden, den die evangelische Gemeinde an der Berliner Straße betreibt. Die Erlöse gehen an die Gemeinde. Geld aus dem Laden bekam z. B. das Jugendhaus, auch eine neue Beleuchtungsanlage für die Apostelkirche konnte so finanziert werden.

Komplettes Outfit für 10 Euro

Von der Empore der Kirche, wo das Projekt ursprünglich angesiedelt war, ist der Laden vor acht Jahren ins Untergeschoss der Kirche gezogen. In den Regalen liegen nun Klamotten neben Haushaltswaren, Spielzeug neben Bettwäsche, Weihnachtsdeko neben Porzellan. Säuberlich sortiert. Und zu wirklich kleinen Preisen: Ein Anzug für 2,50 Euro – Socken für 10 Cent. Auch Kunden, die kurz vor der Armutsgrenze stehen, können sich hier etwas leisten. „Für 10 Euro kann man sich hier komplett einkleiden“, bestätigt Angelika Pollert. „Die Idee des Ganzen ist einfach: sozial!“
Offiziell ist der Laden mittwochs und donnerstags für anderthalb Stunden geöffnet. Hinterher räumt das „Dies und Das“-Team zwei Stunden lang auf – zu fünft. Keine Kleinigkeit, zumal viele Mitarbeiterinnen die sechzig schon überschritten haben. Angelika Pollerts Wochenarbeitszeit im Gemeinde-Ehrenamt beträgt 20 bis 25 Stunden. Sie steht dazu. „Wir machen das, um die Apostelkirche zu stützen“, sagt sie.

Rege Nachfrage

Die Nachfrage ist rege. Zweimal in der Woche kommen durchschnittlich 50 bis 70 Leute ins Souterrain der Kirche. Die Kundschaft ist bunt gemischt, darunter Seniorinnen, Obdachlose, Migranten, Geflüchtete. Letztere kaufen zum Teil große Mengen ein und verschicken die Waren dann an Verwandte und Bekannte in den Herkunftsländern. Angelika Pollert ist beeindruckt: „Ich finde das gut. Es ist eine Menge, was diese Leute hier für ihre Mitmenschen ausgeben.“ Viele Deutschen seien deutlich zurückhaltender damit, für andere zu sorgen …
Klar, beim Kundenansturm geht es nicht immer friedlich zu. Mal gibt es Streit („Die Frauen einigen sich meistens, wenn die Männer dabei sind, wird es schwieriger“), mal wird etwas geklaut. Einmal musste die Polizei anrücken, weil unbezahlte Ware säckeweise aus dem Laden getragen wurde. Da müssen Angelika Pollert und ihr Team sich durchsetzen, sich sogar anhören, sie seien „ausländerfeindlich“, wenn sie bei Billigstpreisen nicht mit sich handeln lassen. Zum Glück sind solche Vorfälle nicht die Regel. „Es gibt viele schöne Geschichten“, betont Angelika Pollert. Hervorragende Spenden, die Unterstützung des Pfarrers und der Gemeinde, dankbar leuchtende Kinderaugen, wenn ein Stofftier über die Ladentheke geht …

30 Jahre aufgebaut – auf einen Schlag kaputt?

Doch wie steht es um die Zukunft des Ladens? Pläne der evangelischen Kirchengemeinde sehen vor, die Apostelkirche und das zughörige Jugendhaus komplett aufzugeben (wir berichteten). Das Thema treibt Angelika Pollert die Sorgenfalten auf die Stirn. Sie und ihr Team fühlen sich überrollt und vom Presbyterium nicht einbezogen. Sorgen macht auch, dass ab 1.1.2021 laut EU-Vorschrift auch gespendete Ware versteuert werden muss. Eine Kasse müsste angeschafft und sachgerecht bedient werden … fraglich, wie das Gemeindeteam das stemmen könnte. Gesprächsbedarf ist da. Die erfahrene Ehrenamtlerin sagt: „Wenn ich bereit bin zu arbeiten, kann ich das überall tun. Aber warum soll hier auf einen Schlag kaputt gemacht werden, was man in dreißig Jahren aufgebaut hat?“

Apostelladen „Dies und Das“
An der Apostelkirche 3a
Öffnungszeiten: Mi. 17–18.30 Uhr (Warenannahme bis 19 Uhr)
Do. 10–11.30 Uhr (Warenannahme bis 12 Uhr)
Tel.: 0201 8745203
Sachspenden können auch im „Café Forum“, Mülheimer Str. 72, abgegeben werden.

Autor:

Mareike Ahlborn aus Essen-Süd

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