Steigende Unfallzahlen beschäftigen Gladbecker Polizei
Verkehrsunfallbericht: Gladbecker Radfahrer leben gefährlich

Das Fahrrad wird als Verkehrsmittel immer beliebter - das schlägt sich auch in der Unfallstatistik für Gladbeck nieder. (Symbolbild)
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Die Recklinghausener Polizei legte nun den Verkehrsunfallbericht für den Kreis und Bottrop vor. Wie in den Vorjahren sind die Zahlen für Gladbeck kein Grund zur Freude: Gestiegene Unfallzahlen, mehr Verletzte und viele Unfallfluchten zeichnen ein eher düsteres Bild.

von Oliver Borgwardt

Seit Jahren steigen die Unfallzahlen in Gladbeck von Jahr zu Jahr. Dies ist zwar auch der steigenden Anzahl in der Stadt zugelassener Fahrzeuge geschuldet (Anfang Februar rund 39.300 Pkw, 1800 Lkw, 3500 Krafträder bei 78.000 Einwohnern und 240 km Straße), stellt aber auch die Polizei vor immer größere Herausforderungen. 2018 wurden die Beamten zu 2293 Verkehrsunfällen gerufen - rund 44 pro Woche oder sechs pro Tag. Im Vorjahr waren es 250 Unfälle weniger, und noch 2014 lag die Zahl über 500 niedriger. Zum Glück gehen die meisten Zusammenstöße glimpflich ab: Bei 1575 Einsätzen blieb es bei geringem Sachschaden.

Dennoch war die Zahl der Verletzten mit 277 im Vergleich zu den Vorjahren alarmierend hoch. Fünfzig Personen mehr als 2017 kamen zu Schaden. Traurigster Fall war der einer älteren Dame, die mit ihrem Rollator unter einen rangierenden LKW geriet und dabei getötet wurde. 62 Menschen wurden schwer verletzt. Einziger Lichtblick in diesem Zusammenhang war die leicht gesunkene Zahl der verletzten Kinder unter 15 Jahren (25).

Vorsicht beim Abbiegen

Wenn es im vergangenen Jahr im Gladbecker Straßenverkehr so schepperte, dass es nicht bei leichten Blechschäden blieb, lag es nur selten an unangepasster Geschwindigkeit. Sehr oft, das heißt in über 40 Prozent der Fälle, kam es beim Abbiegen oder Wenden zum Unfall. Für die Polizei ist das nichts Neues: Zusammen mit der Missachtung von Vorfahrtsregeln (rund 20 Prozent) führten Fehler in solchen Standardsituationen bereits seit Jahren zu einem Großteil der Unfälle.

Als Unfallschwerpunkte benennt die Polizei dabei vor allem die Horster Straße (Ecke Wilhelmstraße und Ecke Johannastraße), die Auffahrten zur A2, und die Kreuzung Wilhelmstraße zur Friedrich-Ebert-Straße.

Auffällig gestiegen sind aber die schweren Unfälle unter dem Einfluss von Drogen oder Alkohol: Wurden 2014 noch in 19 Fällen Trunkenheit oder Drogenrausch als Unfallursache ermittelt, stieg diese Zahl vergangenes Jahr auf 34 Fälle. Die Polizei im Kreis reagiert daher schon jetzt mit speziellen Schulungen, bei denen der Einfluss von Rauschmitteln bei Verkehrskontrollen besser erkannt werden soll. Somit soll das Entdeckungsrisiko für verantwortungslose Verkehrsteilnehmer steigen.

Risikogruppe Radfahrer

Während den unglücklichen Autofahrer wenigstens ein aufwändig konstruiertes Blechgerüst schützt, ist das Risiko für den Zweiradfahrer ungleich höher. Der eigentlich positive Trend zum Rad schlägt sich nun auch in den Unfallzahlen nieder: 76 Radler waren vergangenes Jahr in Gladbecker Unfälle verwickelt, fast 30 mehr als noch 2014. Rund ein Viertel der Unfallopfer waren Senioren über 65 Jahre. "Ein Grund dafür ist der weiterhin sprunghafte Anstieg von Neuanschaffungen technisch unterstützter Fahrräder. Dieses Verkehrsmittel ersetzt, insbesondere bei älteren Verkehrsteilnehmern, zunehmend das klassische Fahrrad", so Polizeipräsidentin Friederike Zurhausen. Sie rät daher zu gut sichtbarer Kleidung und Helm.

Immer mehr Unfallfluchten

Ein wachsendes Ärgernis für die Betroffenen ist das unerlaubte Entfernen der Verursacher von der Unfallstelle. Fast 500 Unfallfluchten wurden im vergangenen Jahr registriert, während es 2014 noch 310 waren. Selbst wenn Menschen verletzt wurden, hinderte das 19 Unfallbeteiligte nicht daran, sich vor dem Eintreffen der Polizei aus dem Staub zu machen.

Oft werden die Täter dennoch zur Verantwortung gezogen: "Die Aufklärungsquote bei den Verkehrsunfallfluchten liegt im Kreis bei über 38 %, bei den Unfallfluchten mit Verletzten bei über 70 %", teilt die Polizei mit. Zudem appellieren die Ordnungshüter an die Bevölkerung, ihre Beobachtungen sofort der Polizei zu melden. "Jeder Einzelne kann dazu beitragen, dass nicht nur eine Straftat aufgeklärt wird, sondern dass auch der Geschädigte nicht auf seinem Schaden sitzen bleibt. Wenn das eigene Auto beschädigt wurde, wäre man froh, wenn sich ein Zeuge melden würde," so die Polizeipräsidentin. Unter dem Motto "Unfallflucht ist unfair" betreibt die Polizei eine Kampagne, die dem grassierenden Übel Einhalt gebieten soll.

Aufklärung soll Unfälle vermeiden

Insgesamt also keine gute Entwicklung, die der Verkehrsunfallbericht für das vergangene Jahr aufzeigen konnte. In dieser Hinsicht unterscheidet Gladbeck sich nicht von den anderen Städten im Bereich der Recklinghausener Polizei. Diese will mit bestimmten Aufklärungskampagnen Vorsorge leisten. "Die Sicherheit im Straßenverkehr ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Dabei arbeiten wir eng und zielorientiert mit unseren Kooperationspartnern wie den Kommunen, Verbänden und Schulen zusammen, um für mehr Sicherheit auf den Straßen des Kreises Recklinghausen und der Stadt Bottrop zu sorgen", betont die Polizeipräsidentin.

Das Fahrrad wird als Verkehrsmittel immer beliebter - das schlägt sich auch in der Unfallstatistik für Gladbeck nieder. (Symbolbild)
Polizeipräsidentin Friederike Zurhausen.

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