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Täter und Messerstich-Opfer reichen sich im Gericht die Hand

Am zweiten Verhandlungstag der Jugendstrafkammer beim Landgericht Essen wurden die beiden Geschädigten als Zeugen gehört. Die Kammer verhandelt über den Anklagevorwurf der Staatsanwaltschaft auf versuchten Totschlag gegen einen 19jährigen aus Hattingen, der bei einem Rauschgiftgeschäft Anfang Dezember 2018 zwei Jugendliche aus Essen mit Messerstichen teils lebensgefährlich verletzt haben soll.

Ein Lächeln ging über das Gesicht des jugendlichen Angeklagten, als er von den Justizwachtmeistern in den Gerichtssaal geführt wurde und bemerkte, dass neben seinen Eltern und Geschwistern auch zahlreiche Freunde als Zuhörer anwesend waren. Der Angeklagte befindet sich seit Mitte Dezember 2018 in Untersuchungshaft.

Angeklagter bedauert seine Tat
Zu Beginn gab Strafverteidiger Rechtsanwalt Matthias Meier eine Erklärung im Namen seines Mandanten ab. „Mein Mandant räumt die volle Verantwortlichkeit für die von ihm begangene Tat ein und bedauert sehr, völlig falsch reagiert zu haben“, sagte der Anwalt und ergänzte, dieses tue dem Angeklagten total leid.

Geschädigte wollten von Anfang an den Dealer abziehen
Nach ausführlicher Belehrung durch die Vorsitzende Richterin, nicht aussagen zu müssen, falls man sich selber belaste, sagte dann doch einer der beiden 17 Jahre alten Geschädigten umfassend aus.

Wir sind schon in der Absicht mit dem Bus nach Hattingen gefahren, den Angeklagten bei einem Rauschgiftgeschäft „abzuziehen“, sagte der Zeuge mit kaum vernehmbarer Stimme. Er habe aufgrund seines Rauschgiftkonsumes Schulden, aber kein Geld mehr gehabt, Rauschgift für den Eigenbedarf zu kaufen. Er bestätigte auch, in seiner Hosentasche ein Messer vorsorglich mitgeführt zu haben.

Er sei seinem Freund, der den Angeklagten kannte, nach Hattingen gefolgt. Als der Angeklagte als Dealer ihm im Beisein zweier Freunde auf einem Spielplatz in Welper das Tütchen Marihuana zeigte, habe er dieses gegriffen, dem Angeklagten eine Ohrfeige verpasst und sei weggelaufen. Als er vom Angeklagten eingeholt wurde, habe sein Freund den Angeklagten von hinten umklammert. Dieser habe sich losgerissen, plötzlich ein Messer in der Hand gehabt und zugestochen.

Mir wurde schwindelig wegen Blutverlust
Er sei dann weggelaufen und habe sich in einer Garage versteckt. Ein telefonisch zu Hilfe gerufener Bekannter holte ihn und seinen Freund dann später mit dem Auto ab und brachte ihn aufgrund seiner stark blutenden Verletzungen in´s Kupferdreher Krankenhaus, wo er den Ärzten und Polizeibeamten eine erfundene Geschichte über das Entstehen der Verletzungen erzählte.

Inzwischen will der 17 Jahre alte Geschädigte sämtliche Kontakte zu seinem „Rauschgift-Freund“ abgebrochen haben und konsumiere selber auch kein Rauschgift mehr. „Das war mir eine Lehre für mein ganzes Leben“, sagte er vor Gericht aus.

Entschuldigung des Angeklagten angenommen
Er nickte dann zum Angebot des Angeklagten, stand auf, ging zur Anklagebank und nahm per Handschlag die Entschuldigung des Angeklagten mit den Worten entgegen, „ich habe ja auch Mist gebaut“. Der zweite Geschädigte machte als Zeuge von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch.

Am 14.6.2019 wird die Hauptverhandlung fortgesetzt.

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