Wochenmarkt Holzwickede: Disziplin spitze - Aber kühlere Einkaufsatmosphäre
Kaufen ohne langes Verweilen

Im waffelwagen erspart der Spuckschutz Susanne Marklein die Gesichtsmaske.  | Foto: Stefan Reimet
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Eine festes Datum im Kalender ist für viele Bürger der Einkauf auf dem Wochenmarkt. Frisch, direkt, mit persönlichen Worten einen Teil seiner Lebensmittel am Stand auf dem Marktplatz zu kaufen ist willkommen Abwechslung im Alltag. Die Markthändler sehen nach einer Phase der Zurückhaltung wieder steigende Nachfrage, die bei vielen massiv eingebrochen war. Denn es wird deutlich mehr privat gekocht.   

Für Wurst- und Fleischwaren sei die Kundennachfrage stabil geblieben über die Wochen hinweg, durfte Verkäuferin Lieselotte Willinzig (Fleischerei Kötter) erfahren. "Alle halten sich an die Bedingungen." Aber die Abstandregeln fordern den Kunden viel Geduld ab. Mit Verlusten hat aber auch Heidehof Kötter aus Fröndenberg zu kämpfen. Die Belieferung markanter Fest- und Feiertagskunden wie zu Ostern oder bei Maifeiern fielen weg. Dafür beobachtet Chefin Marianne Kötter aus Fröndenberg ein neues Phänomen: „Die Leute kaufen kleinere Mengen, dafür aber öfter. Es wird mehr gekocht.“ Durch die Krise hindurch möchte der Betrieb dem Wochenmarkt treu bleiben. Und ist der Emschergemeinde ohnehin sehr verbunden. Marianne Kötter, geb. Middelschulte aus Holzwickede, wurde vor rund 15 Jahren vom damaligen Bürgermeister Jenz Rother angesprochen, ob sie nicht den Wochenmarkt bereichern wolle. Mitten in der Coronakrise steht jetzt ein Generationenwechsel an. Pascal Willinzig, der jetzt die Meisterprüfung als Metzger ablegte, übernimmt die Direktvermarktung. Seine Mutter Lieselotte übernimmt den Bereich Handel und Verkauf, sie arbeitete bis zur Geschäftsaufgabe bei Metzgerei Vonhoff. Geduldig warten Kunden vor dem Verkaufswagen, der ausser in Holzwickede noch in Fröndenberg steht. Kunden schätzen die „Produkte ohne Chemie“, wie Marianne Kötter betont, zu schätzen, besonders jetzt, da mehr am heimischen Herd gekocht wird.
Tische bitte
Vom Frühaufsteher bis zum Mittagseinkäufer reicht die Kundschaft am Waffelwagen. Vor Corona verweilte man gerne an einem Stehtische, kam ins Gespräch. "Aber Tische darf ich nicht aufstellen ", bedauert Susanne Marklein. Sie betreibt den Waffelwagen, der seit Jahrzehnten zum Wochenmarkt gehört,  im dritten Jahr. "Es kommen viele Leute nicht mehr weil sie nicht verweilen können und ziehen direkt weiter." Vom  Kaffee-to-go kann sie kaum existieren, die Folge ist ein Umsatzrückgang um 30 Prozent. Zusätzlich musste sie investieren in einen breitflächigen "Spuckschutz" über der Theke. Die Alternative sei ein Mundschutz für sie gewesen. Susanne Marklein ist froh, überhaupt weitermachen zu können. Ihr Wunsch: "Bitte zwei Tischchen, damit die Leute bleiben können."
Wenig Gemütlichkeit
Zwei Obst- und Gemüsestände stehen an den Hauptwegen des Wochenmarktes. Brigitte Jakubiak (68), eigentlich gelernte Metzgereiverkäuferin,  bietet seit acht Jahren vorwiegend frisches Obst an. Virus hin oder her, dem Wochenmarkt in der Emschergemeinde bleibt sie treu und zupft ihren Mundschutz zurecht. Das Verhältnis zu den Kunden sei anders geworden. Die geforderte Distanz mache ihr zu schaffen. Viele ältere Kunden fehlen. Besonders zu älteren Damen habe sich ein fast mütterliches Verhältnis entwickelt. "Das Quatschen und die persönliche Wärme ist fast weg." Doch trotz Krise, ihre Umsätze sind weitgehend stabil geblieben. Lohn für ihren Einsatz, der Arbeitstag beginnt um 5 Uhr. Dann fährt sie von ihrem Wohnort Recklinghausen zum Großmarkt in Castrop. Mit frischem Obst zuckelt sie mit ihrem Stand nach Holzwickede, um pünktlich gegen 7 Uhr die Verkäufskörbe präsentieren zu können. Eigentlich könnte sie die Rente genießen: "Ans Aufhören denke ich nicht, der Kontakt ist wichtig, man gewöhnt sich dran.“

Autor:

Stefan Reimet aus Holzwickede

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