Die ausgefallene Landtagswahl von 1947

(KA Kle F2, 5:) Landrat Albers, hier bei der Grundsteinlegung des Kreishauses in Kleve am 15.3.1951,  wurde auch bei der ersten Landtagswahl 1947 im Altkreis Kleve zum Landtagsabgeordneten gewählt. Fotos: Kreisarchiv Kleve
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  • (KA Kle F2, 5:) Landrat Albers, hier bei der Grundsteinlegung des Kreishauses in Kleve am 15.3.1951, wurde auch bei der ersten Landtagswahl 1947 im Altkreis Kleve zum Landtagsabgeordneten gewählt. Fotos: Kreisarchiv Kleve
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Am Sonntag (13.05.2012) sind die Bürger zur Wahl des 16. Landtages in Nordrhein-Westfalen aufgerufen. Ein routinermäßiger Vorgang. Das war vor 65 Jahren noch anders. Bei der ersten nordrhein-westfälischen Landtagswahl am 20. April 1947 konnten alleine die Bürger im Nordkreis Kleve, dem damaligen Wahlkreis 39, nicht von ihrem Wahlrecht Gebrauch machen. Die Landtagswahl wurde einen Tag vorher vom Kreiswahlleiter abgesagt, „da der Kandidat der CDU, Dr. Stapper, am vergangenen Freitag von der Militärregierung als nicht tragbar abgelehnt worden war“, berichtete das Rhein-Echo.

Auch 1947 hatte bei uns noch die britische Militärregierung als eine vier alliierten Siegermächte die oberste Gewalt. Dr. Josef Stapper war den Briten bestens bekannt. Sie hatten den Steuerberater von Spyckstraße direkt nach Kriegsende zum Bürgermeister der Stadt Kleve eingesetzt.

„Dr. Stapper wurde jedoch Opfer der in Kleve unglücklich verlaufenen Entnazifizierung. Wahrscheinlich aufgrund einer Denunuziation musste er sein Amt als Bürgermeister im Mai 1946 niederlegen. Stapper war am 30. Januar 1933 Mitglied des Stahlhelms geworden, der 1934 kollektiv in die SA übergeführt wurde. Als nominelles SA-Mitglied hatte Stapper sich aber jeder Teilnahme an irgendwelchen Aktivitäten enthalten, so dass er 1938 wegen „fehlendem Interesse“ aus der SA ausgestoßen worden war“, ist dazu bei Rolf Eilers nachzulesen (Beiträge zur Geschichte der Stadt Kleve im 20. Jahrhundert - Hansjoachim Hennig (Hrsg.)
Eine weitere polititsche Überprüfung verlief positiv. Dr. Stapper konnte für die Kommunalwahlen im September 1946 antreten. Stapper wurde Mitglied der damaligen Stadtvertretung Kleve sowie des Kreistages.

Nachdem ihm die CDU auch zum Landtagskandidaten gewählt hatte, reichte Dr. Josef Stapper am 26. März 1947 den Wahlvorschlag ein. Erst fünf Tage vor der Landtagswahl interessierte sich der zuständige Sicherheitsoffizier der Briten wieder für Stapper. Das Ergebnis ist bekannt: Dem Klever Christdemokraten wurde am 18. April 1947 die Kandidatur für den Landtag untersagt. Die Absage wurde der Bevölkerung durch Anschläge und Verteilung von Flugzetteln bekannt gegeben. Gleichzeitig wurde der 18. Mai 1947 als neuer Wahltag für die Landtagswahl im Wahlkreis 39 festgelegt.

Die CDU wollte zwar an Stapper festhalten, aber aller Protest half nichts. Anfang Mai 1947 wurde Peter Albers zum neuen CDU-Landtagskandidaten gewählt. Albers gehörte zu den Gründern der CDU im Kreis Kleve und wurde im Oktober 1946 einmütig vom gesamten Kreistag zum Landrat gewählt worden. Albers gewann den Wahlkreis mit 61,8 Prozent. Die Wahlbeteiligung betrug nicht einmal 60 Prozent. Die hungernde Bevölkerung hatte andere Sorgen. Peter Albers gehörte auch dem zweiten Landtag (ab 1950) an. Am 26. Februar 1955 starb der Politiker im Alter von nur 53 Jahren.

Dr. Josef Stapper wurde dagegen noch einmal Bürgermeister von Kleve. Das Amt führte er von 1952 bis 1955 aus.

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Wie war das Leben im Jahr 1947 für die Menschen in NRW ? Einen interessanten Beitrag habe ich auf der Homepage des Landtages NRW gefunden. Dort gibt es weitere Fakten zur ersten Landtagswahl in NRW.

(KA Kle F2, 5:) Landrat Albers, hier bei der Grundsteinlegung des Kreishauses in Kleve am 15.3.1951,  wurde auch bei der ersten Landtagswahl 1947 im Altkreis Kleve zum Landtagsabgeordneten gewählt. Fotos: Kreisarchiv Kleve
(KA Kle O, 756) Die offizielle Meldung über die Absage der Wahl am 20. April in Kleve.

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