CCS-Gesetz bedroht Klima, Wirtschaft und Trinkwassersicherheit

Foto: Foto: Pixabay Content License Gaz_Chapp

Vor der entscheidenden Bundesratssitzung am morgigen Freitag warnt der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) eindringlich vor den Plänen zur Änderung des Kohlendioxid-Speicherungsgesetzes.

In einer einstimmig verabschiedeten Resolution fordern rund 150 Delegierte des BUND die Bundesratsmitglieder auf, den

Gesetzentwurf zurückzuweisen

. Die vorgesehenen Regelungen zur CO2-Abscheidung und -Deponierung würden die

Energiewende

ausbremsen und fossilen Industrien sogar neue Geschäftsmodelle eröffnen – mit gravierenden Folgen für Klima und Umwelt und mit großen Risiken für unser Trinkwasser.

Olaf Bandt, Vorsitzender des BUND: „Diese Gesetzesänderung setzt auf eine Technik, die weder wirksam noch sicher ist. Anstatt CO2 von vornherein zu vermeiden, soll dieses künftig teuer eingefangen und unter enormem

Energieaufwand

verpresst werden. Gleichzeitig birgt die geplante CO2-Infrastruktur erhebliche und langfristige Risiken: Deponien könnten

Trinkwasserressourcen

gefährden und ganze Regionen belasten. Niemand kann garantieren, dass die Speicher über Jahrhunderte dicht bleiben. Die Bundesregierung setzt damit auf eine gefährliche

Scheinlösung

mit enormem zusätzlichem Energie- und Ressourcenverbrauch, die in anderen Ländern bereits gescheitert ist. Das wirft Deutschland energie- und industriepolitisch weit zurück.“

Der BUND kritisiert in seiner Resolution insbesondere die Öffnung der CO2-Infrastruktur für nahezu alle Industriebereiche. Unter dem

Deckmantel der Klimaneutralität

könnten fossile Konzerne ihr Geschäftsmodell bald sogar noch ausweiten: Je mehr CO2 entsteht, desto lukrativer und attraktiver das System. Gleichzeitig würden Anreize, innovative Technologien und Alternativen zur Vermeidung von Emissionen auszubauen, dadurch verloren gehen.

Bandt unterstreicht: „In allen Branchen lässt sich mittlerweile

CO2 einsparen

oder sogar komplett vermeiden – selbst in der Zementindustrie. Doch statt diese Potenziale auszuschöpfen, soll CCS nun sogar als ‘überragendes öffentliches Interesse‘ eingestuft und hoch subventioniert werden. Damit würden Investitionen in innovative Verfahren und erneuerbare Energien systematisch benachteiligt. Umwelt-, Natur- und Wasserschutz werden im Gesetz geschwächt und Beteiligungsrechte der Öffentlichkeit eingeschränkt. Statt wirksame Klimaschutzlösungen zu stärken, würden Milliarden in eine Technik fließen, die Risiken schafft, aber keine Probleme löst. Der Bundesrat muss diese Fehlentwicklung stoppen!“

Der BUND fordert den Bundesrat in seiner Resolution mit Nachdruck auf:

Klimaschutz

heißt Prioritäten setzen! – Ein schneller und naturverträglicher Ausbau erneuerbarer Energien ist unverzichtbar.

Klima- und umweltschädliche Produktion

und Verbrauch müssen sinken, die Industrie muss konsequent dekarbonisiert und eine echte Kreislaufwirtschaft aufgebaut werden. Gleichzeitig braucht es die Stärkung natürlicher CO2-Speicher wie wiedervernässte Moore, naturnahe Wälder und intakte Meere.

In den USA kommt es immer wieder zu

Unfällen

mit CO2-Leitungen. 2020 verursachte ein Erdrutsch einen Rohrbruch in einer unterirdischen CO2-Pipeline. 45 Menschen aus der einen Kilometer entfernt liegenden Ortschaft Satartia mussten wegen Erstickungssymptomen im Krankenhaus behandelt werden.

CO2-Leitungsnetze und Endlager würden zudem erhebliche

Flächenkonkurrenz

auslösen, Natur- und Umweltbelange schwächen, Beteiligungsrechte beschneiden und langfristige Gefahren für Gesundheit, Trinkwasser und Ökosysteme schaffen.

Auch der Weltklimarat (IPCC) stuft CCS als teuerste und unsicherste Maßnahme mit dem geringsten Wirkungspotenzial zur CO2-Reduktion ein.


Bei der CCS-Technik

wird CO2 aus Industrieabgasen mit hohem mit hohem Chemie- und Energieaufwand in einem chemischen Verfahren ausgewaschen (Carbon Capture) und in einen fast flüssigen Zustand gebracht. Das flüssige CO2 wird dann durch Pipelines oder per Schiff transportiert, zwischengespeichert und unter dem Boden der Nordsee oder an Land mit hohem Druck verpresst. So sollen die Klimagase in CO2-Endlagern auf Jahrtausende von der Atmosphäre isoliert bleiben (Storage).
Die Öl- und Gasindustrie setzt CCS seit über 50 Jahren ein. Dabei wird CO2, das bei der Erdgasaufbereitung anfällt, genutzt um zusätzliches Gas und Öl aus den Lagerstätten herauszupressen (Enhanced Oil Recovery EOR).

Community:

Siegfried Schönfeld aus Marl

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