Lippeverband wird am Montag, 19. Januar 100 Jahre alt
- Das wohl größte vom Lippeverband in Essen geplante Hochwasserschutz- und Renaturierungsprojekt ist der Neubau der Lippe-Deiche in Haltern-Lippramsdorf und Marl (HaLiMa). Im Norden (links im Bild) sind die neuen Deiche bereits auf einer Länge von 3,7 Kilometer erstellt und die Altdeiche zurückgebaut. Bis Ende 2025 wurde in diesem Bereich die 42 Hektar große neue Aue fertiggestellt. Auf dem Landstück zwischen Lippe und dem Wesel-Datteln-Kanal (rechts im Bild) entstehen weitere 18 Hektar Aue bis 2027 im Zuge des nun gestarteten Bauabschnittes südlich der Lippe. Vorlaufend baut der Lippeverband hier auf einer Länge von 500 Metern den neuen Süddeich.
© Rupert Oberhäuser/EGLV - hochgeladen von Siegfried Schönfeld
[b]Das altehrwürdige Emscher-Haus an der Kronprinzenstraße 24 im Essener Südviertel ist eines der schönsten Gebäude in der Stadt – viele Bürgerinnen und Bürger kennen es als Hauptsitz der Emschergenossenschaft, die 1899 als Deutschlands erster Wasserwirtschaftsverband gegründet worden war. Nur die wenigsten Menschen in Essen wissen dagegen vom Lippeverband, der ebenfalls seinen Sitz im Emscher-Haus hat.
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An diesem Montag, 19. Januar, wird der
Lippeverband
– Essens unbekannter Wasserverband –
100 Jahre alt!
Seit der Gründung 1926 wurde der Lippeverband (LV) gemeinsam mit der Emschergenossenschaft (EG) unter einem Dach verwaltet: Als EGLV sind die beiden Essener Institutionen Deutschlands größte Betreiber von Kläranlagen und Pumpwerken. Vom Südviertel in Essen aus hat der Lippeverband in den vergangenen Jahren zahlreiche große
Hochwasserschutz- und Renaturierungsprojekte
in Nordrhein-Westfalen geplant und umgesetzt, darunter die umfangreiche Revitalisierung der
Lippe-Mündung
in den Rhein. Ganz aktuell setzt der Lippeverband mit dem Neubau der
Lippe-Deiche
im nördlichen Ruhrgebiet bei Haltern-Lippramsdorf und Marl eines der größten Vorhaben zur Verbesserung des Hochwasserschutzes im Land um. Die Renaturierung des Lippe-Nebenflusses Seseke durch den Lippeverband gilt zudem als Vorbild für das Generationenprojekt Emscher-Umbau, das auch in Essen das blaugrüne Leben an die einst offenen Schmutzwasserläufe („Köttelbecken“) zurückbringt.
Der Lippeverband
wurde vor 100 Jahren – am 19. Januar 1926 – gegründet, um die
Folgen der Industrialisierung
und des Bergbaus in Einklang mit der Natur, der Gesundheit und der Lebensqualität der Menschen zu bringen. Der Verband konnte ohne größere Zeitverluste seine Aufgaben angehen, da sich die Verbandsorgane entschlossen hatten, die Geschäftsführung mit der 1899 gegründeten
Emschergenossenschaft
zu vereinigen. Man vermied dadurch den Aufbau einer eigenen Verwaltung. Bereits 1913 war die Sesekegenossenschaft nach Vorbild der Emschergenossenschaft gebildet worden und ging 1926 ebenfalls im Lippeverband auf. Zuständig war der Lippeverband nicht für das
gesamte Lippe-Gebiet
ab der Quelle, sondern für den industriell stark geprägten Raum von Lippborg bis Wesel – inklusive der Nebenlaufgebiete. Bis heute lebt der Lippeverband genauso wie die ältere Schwester Emschergenossenschaft als öffentlich-rechtliche Einrichtung das Genossenschaftsprinzip als Leitidee des eigenen Handelns.
Projekte des Lippeverbandes
Im Essener Südviertel wurden in den frühen 1980er-Jahren die Pläne zur Abwasserfreiheit und Renaturierung der Seseke, dem größten Zulauf der Lippe, erarbeitet. Mitte der 80er-Jahre startete das umfangreiche 500-Millionen-Euro-Vorhaben, dessen frühe Erfolge die Emscher-Kommunen (darunter Essen) motivierte, auch im Herzen dieser Region die Gewässer von der Schmutzwasserfracht zu befreien und anschließend zu renaturieren.
Der Rest ist Essener Geschichte:
1991 wurde im Saalbau (der heutigen Philharmonie Essen) der Beschluss zum Emscher-Umbau gefasst. 1992 begann das Generationenprojekt, das exakt 30 Jahre später – Ende 2021 – mit dem Erreichen der
Abwasserfreiheit in der Emscher
erfolgreich innerhalb des geplanten Zeitrahmens abgeschlossen werden konnte.
Die an der
Seseke
vom Lippeverband gemachten Erfahrungen flossen maßgeblich auch in den Umbau der Gewässer auf Essener Stadtgebiet ein, z.B. beim Bau der Abwasserkanäle am
Borbecker Mühlenbach
in Altendorf und Bergeborbeck. Ähnlich wie in Essen hatte der Lippeverband zuvor im Seseke-Gebiet neue Abwasserkanäle in dicht besiedelten Wohngebieten verlegt.
Ebenfalls von Essen aus gesteuert wurde die umfangreiche
Renaturierung der Lippe-Mündung
in den Rhein bei Wesel. Zwischen 2009 und 2015 investierte der Lippeverband 18 Millionen Euro in das Großprojekt. Schmal und mit scharfkantigem Ufer wie ein Kanal und auf den letzten Metern schnurgerade floss die Lippe einst gen Rhein. Heute verläuft der Fluss breit und flach durch eine rund 100 Hektar
große Aue
.
Das wohl größte vom Lippeverband in Essen geplante Hochwasserschutz- und Renaturierungsprojekt ist der
Neubau der Lippe-Deiche
in Haltern-Lippramsdorf und Marl (HaLiMa). Es begann mit einer ersten Machbarkeitsstudie im Jahr 2005. Seit dem ersten Spatenstich 2015 ist das 95-Millionen-Euro-Vorhaben weit fortgeschritten:
Die Deiche auf der Nordseite sind bereits fertiggestellt – durch die Rückverlegung der
Hochwasserschutzanlagen
ins Hinterland hat die Lippe zudem bereits deutlich an Raum gewonnen. Seit dem vergangenen Spätsommer erfolgt zudem der Neubau eines 500 Meter langen Deiches auf der Südseite des Flusses. Das
Großprojekt
soll bis Ende 2027 fertiggestellt werden. Dann werden moderne Deiche entstanden sein, die auch einem extremen Hochwasser standhalten können, wie es statistisch betrachtet nur alle 250 Jahre auftritt – und darüber hinaus eine rund 60 Hektar große Aue, die ideale Lebensbedingungen für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten bieten wird. Das blaugrüne Leben kehrt an die Lippe zurück!
Städtebau und Wasserwirtschaft gehen Hand in Hand
Darüber hinaus gehen die wasserwirtschaftlichen Maßnahmen des Lippeverbandes immer auch mit einer
städtebaulichen Entwicklung
der Quartiere entlang der Gewässer einher. Mit dieser Verzahnung von Wasserwirtschaft und Städtebau verfolgt der Lippeverband im Schulterschluss mit seinen Mitgliedskommunen eine Verbesserung der Lebens- und Aufenthaltsqualität für die Bevölkerung in der Region. Der Betrieb von modernen Abwasserkanälen, Pumpwerken, Kläranlagen und Hochwasserschutzeinrichtungen bildet den Dreh- und Angelpunkt einer sozial-ökologischen Transformation: „Die Renaturierung von einst technisch überformten Flüssen und Bächen ermöglicht die Rückkehr von blaugrünem Leben in diese Gewässer sowie eine verbesserte Erleb- und Erfahrbarkeit dieser neuen Naherholungsorte für die Menschen. Unser Selbstverständnis als
Infrastrukturdienstleister
für unsere Mitglieder hat sich in den vergangenen Jahrzehnten nicht geändert. Das Wohl der Allgemeinheit steht dabei für uns nach wie vor an erster Stelle – sowohl an der Emscher als auch an der Lippe“, sagt Prof. Dr. Uli Paetzel, Vorstandsvorsitzender von Emschergenossenschaft und Lippeverband.
Emschergenossenschaft und Lippeverband
Die Aufgaben der 1899 gegründeten Emschergenossenschaft sind unter anderem die Unterhaltung der Emscher, die Abwasserentsorgung und -reinigung sowie der Hochwasserschutz. Der 1926 gegründete Lippeverband bewirtschaftet das Flusseinzugsgebiet der Lippe im nördlichen Ruhrgebiet und baute unter anderem den Lippe-Zufluss Seseke naturnah um. Gemeinsam haben Emschergenossenschaft und Lippeverband rund 2.000 Beschäftigte und sind Deutschlands größter Abwasserentsorger und Betreiber von Kläranlagen und Pumpwerken (rund 782 Kilometer Wasserläufe, rund 1533 Kilometer Abwasserkanäle, mehr als 500 Pumpwerke und rund 60 Kläranlagen). Weitere Informationen zum Lippeverband sowie zu Veranstaltungen rund um das 100-jährige Bestehen finden interessierte Bürgerinnen und Bürger ab dem 19. Januar 2026 auf jubilaeum.eglv.de.
Community:Siegfried Schönfeld aus Marl |

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