Zu Bonn am Rhein geboren
Beethoven, der musikalische Heilsbringer

Am 17. Dezember wurde er nicht geboren, sondern nachweislich getauft. Das Geburtsdatum ist unbekannt. Das ist schlecht für eine Geburtstagsfeier.
Jedenfalls ist Beethoven zu Bonn am Rhein nicht nur kurz vor Weihnachten auf die Welt gekommen, sondern auch die erste Silbe seines Familiennamens gerät in eine gewisse Beziehung zu dem anderen anstehenden Geburtstag. 
Es gibt da ein Aquarell von Friedrich Geselschap aus Wesel, das 1895 als Vorstufe zu einem Gemälde für das Bonner Beethovenhaus gedacht war. Mit Abstand betrachtet weist es eine wohl nicht zufällige Ähnlichkeit mit der Geburtsszene in Bethlehems Stall auf.

Aber mal was anderes: Ich weiß nicht mehr, ob es „O Haupt voll Blut und Wunden“ oder „Zu Bethlehem geboren“ war. Aber mit einem der beiden begann meine Karriere als Akkordeonist. Jedenfalls waren die Melodien dieser beiden Kirchenlieder in mein musikalisches Gedächtnis so fest eingebrannt, dass ich mühelos sämtliche Töne auf dem kleinen Hohner-Akkordeon auffinden konnte, das mir mein Stiefvater geschenkt hatte. Mit Hilfe von Zahlen, die ich auf die Tasten schrieb, versuchte ich dann, die Noten im Gesangbuch zu entschlüsseln, noch ehe ich Unterricht nach Noten bekam.
Daran muss ich denken, wenn mir jetzt erzählt wird, die Melodie von „Zu Bethlehem geboren“ sei einem französischen recht zweideutigen Lied (Une petite feste, 1599) entlehnt. Es sei da ursprünglich mitnichten um die Geburt des himmlischen Jesus gegangen als vielmehr sehr irdisch um lustvollen Geschlechtsverkehr. Dem Autor des Kirchenliedes, Friedrich Spee, war dies sogar bewusst, und er glaubte sogar, mit dem frommen Text die Melodie von ihrem schlüpfrigen Kontext reinigen zu können. Das scheint ihm über die Jahrhunderte wohl zweifellos auch gelungen, ist es doch eins der am innigsten gesungenen Weihnachtslieder sowohl im katholischen wie auch im evangelischen Umfeld. Außerdem bekam die Melodie, geringfügig verändert, auch noch einen Wiegenliedtext verpasst: „Die Blümelein, sie schlafen“. Kein geringerer als Johannes Brahms schrieb einen Klaviersatz dazu und nahm es als „Sandmännchen“ in eine Kinderlieder-Sammlung auf. Man weiß nicht, ob man lachen oder weinen soll. Aber unschuldige Tonfolgen sind nun mal semantisch genauso wenig festzulegen wie etwa die Stimme eines Politikers. Heute sagt sie uns das und morgen das. Ein schönes Beispiel bietet auch unsere scheinbar zutiefst demokratische Nationalhymne. Nicht nur, dass deren 1. Strophe fälschlicherweise als nationalsozialistischer Größenwahn interpretiert wurde, ihre Melodie diente einst auch als österreichische Hymne: „Gott erhalte Franz, den Kaiser!“
Was ich sagen wollte: Der Umwidmung der alten Melodie von 1599 von Bethlehem zu Beethoven steht prinzipiell und traditionell nichts entgegen.

Frohe Weihnachten!

Autor:

Franz B. Firla aus Mülheim an der Ruhr

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