Freizeitsportler legen los
Hohe Verantwortung für die Mülheimer Vereine

Uwe Kolodziej, Vereinstrainer des TK Heißen, freut sich mit seinen Schülern (v.l.) Luke, Jasper, Luca und Charlotte über den Trainingsauftakt. | Foto: PR-Fotografie Köhring
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  • Uwe Kolodziej, Vereinstrainer des TK Heißen, freut sich mit seinen Schülern (v.l.) Luke, Jasper, Luca und Charlotte über den Trainingsauftakt.
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Von RuhrText

In kleinen Gruppen und mit dem gebotenen Abstand kann seit der vergangenen Woche auf den Mülheimer Freiluft-Sportanlagen wieder Sport getrieben werden. Am 6. Mai hatte NRW-Ministerpräsident Armin Laschet schon für den folgenden Tag grünes Licht für die kontaktfreien Sportarten unter Einhaltung strikter Hygiene- und Infektionsschutzmaßnahmen gegeben. Mit der Lockerung war zu rechnen, das Tempo hat die Vereinssportler dann aber doch überrascht.

Während die ersten Klubs ihre Pforten am vergangenen Donnerstag geöffnet haben, stecken andere noch in den Startlöchern und nehmen sich die Zeit, den Trainingsbetrieb zu organisieren. Der Mülheimer Sportbund warb dabei um Verständnis für die betroffenen Sportler. „Wir freuen uns alle, dass es wieder los geht. Allerdings sollte jeder nachvollziehen können, dass die Verantwortlichen in den Vereinen nun erst einmal die entsprechenden Vorkehrungen treffen müssen, damit ihre Mitglieder — vorsichtig und sicher — wieder mit dem Sporttreiben beginnen können“, sagt MSB-Geschäftsführerin Nicole Nussbicker. Dabei weist der MSB darauf hin, dass die beteiligten Personen einen Abstand von 1,5 Metern einhalten und die Vereine die geforderten Hygiene- und Infektionsschutzmaßnahmen einhalten müssen. Zudem bleibe die Nutzung von Dusch-, Wasch-, Umkleide-, Gesellschafts- und sonstigen Gemeinschaftsräumen untersagt. Die Vereinsgastronomien dürfen nur öffnen, wenn das Klubhaus einen Pächter hat und dieser sich an die aktuelle Gaststätten-Verordnung in Corona-Zeiten hält.

„Natürlich war zu erwarten, dass es in NRW im Sport und speziell im Tennis zu Lockerungen kommen würde. In anderen Bundesländern gab es ja schon Freigaben. Ich fand es jedoch unglücklich, dass die neue Verordnung für den Betrieb auf den Sportanlagen im Tennis von einem auf den anderen Tag galt. Die Situation hat sich ständig geändert. Man konnte sich als Verein also gar nicht ganz konkret darauf vorbereitet. Im Vergleich zu anderen Klubs haben wir uns die Zeit gelassen, um alles entsprechend einzukaufen und vorzubereiten. Seit Sonntag darf nun bei uns wieder gespielt werden“, sagt Frank Lange. Der Vorsitzende des Tennis-Klubs Heißen weiter: „Das war ein absoluter Schnellschuss, der keinem geholfen hat. Ganz im Gegenteil: Er hat für Unruhe gesorgt, weil der eine Verein früher, der andere später geöffnet hat.“

Training in Kleingruppen

Auch auf den beiden Feldhockeyplätzen des HTC Uhlenhorst rollt wieder der Ball. Aber nicht so, wie es vor der Corona-Krise war. Vorsitzender Hanns-Peter Windfeder: „Die Jugendlichen sind von den Trainern in kleine Gruppen aufgeteilt werden. Die Coaches werden nicht ausgewechselt. Somit bestünde die Chance, eine Infektionskette nachvollziehen zu können. Die größte Herausforderung wird es sein, die jüngeren Kinder in den Trainingspausen auf Abstand zu halten.“ Auch die ersten Fußballvereine haben den Trainingsbetrieb aufgenommen. Andere — wie der SV Rot-Weiß oder der SV Heißen — warten noch ab, wollen kein Risiko eingehen und üben sich vorerst in Geduld. Im Rudern findet auf dem Wasser nur das Training im Einer statt. Die Zweier, Vierer und Achter verbleiben in den Bootshäusern.

Die gewerblichen Fitnessstudios hatten die Gelegenheit, ab Montag zu öffnen. Dies gilt auch für die Vereine, die eigene Hallen und Kursräume haben. Der TSV Viktoria, größter Mülheimer Verein, hat sich bewusst etwas Zeit gelassen und die Türen zum Fitness- und Gesundheitszentrum erst am Mittwochmorgen geöffnet. Auch die Kurse im Gymnastikstudio laufen am Mittwoch an — hier nur mit der maximalen Teilnehmerzahl von zehn Personen pro Kurs und unter der Einhaltung von strengen Regeln. „Nach Rücksprache mit dem Mülheimer Ordnungsamt und auf Grundlage des von uns erstellten Abstands- und Hygieneplan können wir wieder unsere Sportangebote umsetzen. Nur durch die Flexibilität von uns allen ist es möglich, einen reibungslosen Trainingsablauf zu gewährleisten. Wir sind uns sicher, dass wir das mit der Rücksicht und Solidarität aller Beteiligten schaffen werden“, sagt TSV-Geschäftsführerin Claudia Hendricks.

Ungeklärte Fragen

Ab dem 30. Mai soll — nach jetzigem Stand — die Ausübung von Sportarten, bei denen Körperkontakt unvermeidbar ist, auch in geschlossenen Räumen gestattet sein, ebenso der Betrieb in den Hallenbädern. Auch sportliche Wettbewerbe im Jugend- und Amateurbereich wären dann zulässig. Unter strengen Auflagen könnten dann auch wieder die Umkleide- und Sanitäranlagen genutzt werden. „Bis dahin kann noch viel passieren. Regionale Beschränkungen sind nicht ausgeschlossen, wenn der Anstieg der Neuinfektionen zu stark sein sollte. Das Datum ist also eine Zielgröße. Immerhin ist der Wiedereinstieg in das vereinsbasierte Sporttreiben ein erster Schritt zur Normalität. Dabei kommt den Vereinen eine hohe Verantwortung zu. Von ihnen hängt wesentlich ab, ob das Vorgehen erfolgreich sein wird“, sagt Volker Wiebels, Pressesprecher der Stadt Mülheim.

Viele Fragen sind noch ungeklärt, weil auch die Sportarten so verschieden sind. Es ist zudem ein dynamischer Prozess. Das macht es den Vereinen bei der Organisation alles andere als leicht. Aber zumindest ist die Erleichterung bei vielen groß, sich überhaupt auf den Anlagen sportlich betätigen zu dürfen.

Uwe Kolodziej, Vereinstrainer des TK Heißen, freut sich mit seinen Schülern (v.l.) Luke, Jasper, Luca und Charlotte über den Trainingsauftakt. | Foto: PR-Fotografie Köhring
Jasper (13) muss während der Corona-Krise für den Ballwurf beim Aufschlagtraining an der linken Hand einen Handschuh tragen. | Foto: PR-Fotografie Köhring
Autor:

Marcus Lemke aus Mülheim an der Ruhr

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