Jeder sieht sich als Wattenscheider

Klaus-Peter Hülder gehörte zu den leidenschaftlichen Kämpfern für Wattenscheids Selbständigkeit. Foto: Peter Mohr
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Klaus-Peter Hülder, UWG- und HBV-Urgestein, im Stadtspiegel-Interview

Vor vierzig Jahren verlor Wattenscheid seine kommunale Selbständigkeit. Klaus-Peter Hülder hat lange für die „Autonomie“ gekämpft - als Vorsitzender der UWG, Bezirkvertretungs- und Ratsmitglied und langjähriger Protagonist im Heimat- und Bürgerverein. Im Stadtspiegel-Interview stand das Wattenscheider „Urgestein“ Rede und Antwort.


Beschreiben sie einmal kurz die Grundstimmung, die 1975 angesichts der Eingemeindung in Wattenscheid herrschte.

Absolute Enttäuschung. Es hatte geheißen, keine Eingemeindungen ohne Bürgermitwirkung. Am 9. Juli 1974 wurde dennoch im NRWLandtag fast einstimmig die Gebietsreform durchgeboxt. Das war ein schwerer Schlag für uns in Wattenscheid, aber es hat auch viele andere Kommunen getroffen.

Es war ein Pro-Wattenscheid-Bündnis quer durch alle Bevölkerungsschichten, oder?
Auf jeden Fall. Es gab kaum jemanden, der die Eingemeindung nach Bochum akzeptiert hat. Zumindest wurde durch das große öffentliche Interesse erreicht, dass wir einen gewissen Sonderstatus hatten – nämlich den Zusammenschluss zweier selbständiger Städte. Das war andernorts in NRW nicht so. 1983 wurde im Zuge eines Gutachtens des NRW-Innenministeriums gezeigt, dass die angestrebten Ziele der Reform nicht erreicht wurden. Und 1996 votierten in einer repräsentativen Befragung durch die Ruhr-Uni 87,7 Prozent der Wattenscheider für die kommunale Selbständigkeit.

Mit Klaus Steilmann gab es damals eine schillernde Gallionsfigur – ein Mecklenburger, der sich für Wattenscheid ins Zeug gelegt hat.
Ja, er war ein charismatischer Mensch, der viel für die Sache getan hat. Vielleicht war er im Rückblick sogar der wichtigste Vertreter der Wattenscheider Initiative für kommunale Selbständigkeit.

Wenn sie zurückschauen, wann hat sich die Einsicht verfestigt, dass die Eingemeindung in Stein gemeißelt und nicht mehr rückgängig zu machen ist?
Das war genau am 2. Oktober 1997. Da hat der Landtag zum zweiten Mal über die Gebietsreform abgestimmt. Der Antrag behandelte speziell den Fall Kettwig/Essen. Nach etwas mehr als zwanzig Jahren waren alle möglichen politischen und verwaltungsrechtlichen Möglichkeiten für uns ausgeschöpft.

Umso wichtiger wurde es dann auf Bezirksebene für Wattenscheid alle Kräfte zu bündeln. Wie sehen Sie die Entwicklung in der jüngeren Vergangenheit, etwa nach der Jahrtausendwende?
Die Bezirksvertretung ist das entscheidende Gremium für Wattenscheid – nicht etwa ein Sprachrohr des Bochumer Rates. In den wichtigen Fragen wird sehr oft parteiübergreifend für die Wattenscheider Interessen entschieden. Trotzdem bleibt die Arbeit an konkreten Projekten schwierig – ich denke an den Wattenscheider Bahnhof, an den Hollandturm und an das Hallenfreibad Höntrop
Und die Sünden der Innenstadt haben uns eingeholt. Es geht aber in kleinen Schritten vorwärts: das Gebiet um die Post, das Gertrudiscenter, und es sollen in naher Zukunft im Rahmen des Förderprogramms „soziale Stadt“ neue Projekte auf den Weg gebracht werden.
Der August-Bebel-Platz und der Bereich Bochumer Straße/Hochstraße stehen ganz oben auf der Liste. Am Dienstag ist Bezirksvertretungssitzung. Da stehen diese Punkte auf der Tagesordnung. Wir müssen alles daran setzen, die Qualität der Innenstadt weiter anzuheben, damit sich die Wattenscheider hier auch wohl fühlen.

Hat sich die Mentalität der Wattenscheider (aus ihrer Sicht) in den letzten vierzig Jahren verändert?
Das Selbstverständnis ist, so glaube ich, gleich geblieben. Jeder sieht sich als „Wattenscheider“. Das kämpferische Moment ist sicherlich kleiner geworden.

Hat die Wiedereinführung des WAT-Autokennzeichens vielleicht ein neues Wattenscheider Selbstbewusstsein entfacht – nach dem Motto „Wir sind wieder WAT“ ?
Die Forderung nach Wiedereinführung des eigenen Autokennzeichens gab es schon in den 1980er Jahren. Diese Entwicklung ist auf jeden Fall zu begrüßen. Und die Zahl der Zulassungen bzw. Ummeldungen zeigt, dass das Wattenscheider Selbstverständnis ungebrochen ist.

Autor:

Peter Mohr aus Wattenscheid

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