Ausgerechnet Erdnussbutter!

Things to Come

Anfang Juli werde ich in einen Krieg einberufen. Ich werde tatsächlich eingezogen!
Naja… »reingezogen« trifft es eher. Ich werde reingezogen, und zwar in einen Handelskrieg. Aber Butter bei die Fische: es geht um die Erdnussbutter.

Diese gaumenwärmende Creme, diese liebliche Nährstoffpaste, die den Geschmackssinn umschmeichelt wie einst das Bernsteinzimmer die Augen, diese zähe Salbung für die königlich beglückte Zunge, sie wird bald teurer werden. Sie wird teurer, weil Donald Tiny Hands Trump die gesamten USA durch seinen Teint in Orange County verwandelt hat. Apropos: Orangensaft ist auch betroffen.
Die EU will ja unbedingt unter Beweis stellen, dass niemand europäische Metalle bezollen darf, ohne die volle Härte der Prozentrechnung zu spüren.
Auf der Liste der mit Konter-Strafzöllen belegten Produkte stehen zwar auch glattendige Gewinderohre, Mangandioxidelemente, Flacherzeugnisse aus Eisen oder nichtlegiertem Stahl und einiges Andere — aber ausgerechnet Erdnussbutter… das ist hart.

Warum wird jetzt plötzlich Erdnussbutter zur wirtschaftspolitischen Waffe? Früher war das doch mal das Erdöl!

Die Idee dahinter ist bekannterweise folgende: die europäischen Politiker scheinen genau wissen zu wollen, dass jede einzelne amerikanische Erdnuss von bildungsfernen, weißen, konservativen, mexikophoben Waffensammlern angebaut wird. Und wenn die ihre mit SUV-Reifen sämig gestampfte Erdnussbutter nur unter der Plage höherer Zölle an die Bewohner der Blauen Banane loswerden können, dann wählen sie bei der nächsten Wahl nicht mehr den Trump — und die amerikanischen Strafzölle auf Stahl und Aluminium verschwinden so fix, wie wenn einer sagt: "You' re fired!"
Das ist zumindest der Plan.

Als Hobby-Anti-Aggressionstrainer muss ich mir mal ganz kurz das Batik-Shirt überstreifen und die Räucherkerzen anzünden. Licht dimmen. Einatmen. Ausatmen. Und irgendwas tiefsinniges sagen…
Es ist doch ein weltumspannendes emotionales Armutszeugnis, dass grundsätzlich ein Druckmittel, also eine Züchtigung als Verhandlungsargument angewand wird. Das Prinzip dahinter ist doch: A reagiert auf einen von B verursachten Schaden, indem A eine extra dafür erdachte Sanktion gegen B androht. Das bedeutet simpel, dass für den Zweck der Bestrafung absichtlich etwas neues Negatives erdacht und erzeugt wurde. Will sich B vor diesem Problem bewahren, muss es sich A fügen und ergeben. Für die Zukunft wird sich B wiederum eine Revanche für A einfallen lassen. Dieses Prozedere lebt von der Erzeugung des Schädlichen, um mit seiner Androhung einseitige Vorteile zu erpressen. Aber Schäden sind ein Gut, dass sich anhäuft, dass nur sehr lagsam von der Geschichte abgebaut und verstoffwechselt wird. Das ungute Gut hat immer eine längere Halbwertszeit als das Gute, und unsere Welt schmiert sich ganze Verpropfungen davon um die Wangen. Es ist das alte und durch tausendfache Wiederholung geedelte Prinzip der Machtentfaltung mithilfe von Drohung und Kampfmittel. Und mittlerweile wird sogar meine Erdnussbutter dafür instrumentalisiert!

Diese Praktik ist ungefähr so friedensförderlich, wie eine Bärenfalle als orthopädische Heilanwendung gelten könnte.
Kommt der Doktor in das Praxiszimmer: "Gutgut. Ich habe mir eben ihr Knie angesehen und ich habe eine gute und eine gute Nachricht: die gute ist, dass das behandelt werden kann und die andere gute ist: ich habe hier eine ganz innovative Therapie"… *klick* und *schnapp*.

Das einzig Positive an der Sache ist, dass Globalisierungsgegner zum ersten Mal seit langem hoffen dürfen, dass der Welthandel durch den kommenden Zollkrieg ein bisschen von der heißen Platte heruntergestellt wird.
Aber um den Preis der Erdnussbutter? Ist es das wert?!

Ich muss jetzt Schluss machen und kurz einkaufen — bevorraten, bevor ich da noch mit (r)eingezogen werde.

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