Das Schauspielhaus und drei Bochumer Schulen laden zu Touren durch die Stadtteile ein
„Bespiel mal Bochum“

Die Jugendlichen bespielen Bochum - und nehmen Gäste auf ihre Touren durch Langendreer, Werne und Bochum-Mitte mit.
  • Die Jugendlichen bespielen Bochum - und nehmen Gäste auf ihre Touren durch Langendreer, Werne und Bochum-Mitte mit.
  • Foto: Steffen
  • hochgeladen von Nathalie Memmer

„Wir entdecken die Stadt als Spielplatz“, fasst Darren O'Donnell die Stoßrichtung von „Bespiel mal Bochum“, einem ungewöhnlichen Format des Schauspielhauses, zusammen. Gemeinsam mit Jana Eiting leitet er das Projekt, bei dem Schüler der Gesamtschule Bochum-Mitte, der Nelson-Mandela-Schule und der Willy-Brandt-Gesamtschule ihre jeweilige Nachbarschaft auf neue Weise entdecken. Wer möchte, kann daran teilhaben: Am 5. April geht es durch Langendreer; es folgen Werne und Bochum-Mitte.
Ein ganzes Jahr lang haben sich die Jugendlichen in Gruppen von 15 bis 25 Teilnehmern auf Forschungsreisen in ihre Quartiere begeben. Was sie dabei entdeckt haben, präsentieren sie Anfang April bei drei Touren der Öffentlichkeit. Da werden dann in der Apotheke Rezepte gegen Teenager-Sorgen ausgestellt oder im Café werden Netflix-Serien nacherzählt. „Wir nehmen künstlerische Eingriffe in den Stadtteil vor“, erklärt O'Donnell, „und teilen sie mit der Bevölkerung. Die üblichen Regeln gelten dabei nicht.“ - Sein Credo: „Alle Nachbarschaften sind spannend und das Leben der Jugendlichen ist für andere interessant.“

Einzigartige Aktionen

O'Donnells Kollegin Jana Eiting ergänzt: „In jedem der drei Stadtteile entstehen einzigartige Aktionen. Wir haben Institutionen, Geschäfte und Personen aus dem Stadtteil in unsere Aktionen eingebunden. Die Feuerwehr, ein Blumenladen, ein Friseur und sogar ein Bestattungsunternehmen sind mit dabei. Die Geschäfte sind bei unseren Touren teilweise für Kunden geöffnet.“
Die etwa 15-jährigen Schüler werden von Eiting und O'Donnell und einigen älteren Jugendlichen unterstützt. „Wir wollten die Schüler, die ohnehin durch Nachmittagsunterricht zeitlich stark eingebunden sind, nicht zusätzlich belasten“, gibt Eiting Einblick, „und führen 'Bespiel mal Bochum' deshalb als Unterrichtsfach und Pflicht-AG durch. Es gibt auch Noten.“ - Eine Fortführung des Projekts im nächsten Jahr ist vorgesehen.

Diversität als besonderes Merkmal

O'Donnell, Gründer des kanadischen Künstlerkollektivs „Mammalian Diving Reflex“, schätzt das Ruhrgebiet im Allgemeinen und Bochum im Besonderen sehr: „Hier gibt es keine Hipster – das ist in meinen Augen etwas Positives. Die Bevölkerung ist sehr divers und gerade die türkische Community prägt das Leben entscheidend mit.“
Mit Eiting verbindet O'Donnell eine zehnjährige Zusammenarbeit. „Die Teenager haben gemeinsam mit uns und den beteiligten Geschäftsleuten Ideen für 'Bespiel mal Bochum' entwickelt“, erzählen die beiden Projektleiter. Jana Eiting ergänzt: „Als es um die Aktion in einem Langendreerer Café ging, schlugen die Jugendlichen zunächst vor, ältere Menschen nach ihren Erfahrungen im Krieg zu befragen, weil sie glaubten, es ginge darum, was Erwachsene interessiert.“ Nach ihren eigenen Vorlieben befragt, entstand dann die Idee, Netflix-Serien nachzuerzählen – von der ersten bis zur letzten Folge. Kuchen gibt es dabei auch.

Schulen als Treffpunkt

Die Teilnehmer der Touren treffen sich an den jeweiligen Schulen und bewegen sich von Station zu Station. Den Auftakt gestaltet die Nelson-Mandela-Schule in Langendreer. Sie führt ihre Gäste in ein Café, ein Blumenhaus und eine Apotheke. In Werne geht es unter anderem zur Feuerwehr; in Mitte ist eine der letzten verbliebenen Videotheken einer der Spielorte.
Die Aktionen sollen jeweils „orts- und sozialspezifisch“ sein. Was das konkret bedeutet, erläutert Jana Eiting anhand des Videoladens in Mitte: „Wir haben da einen eigenen Raum eingerichtet: mit Playstation, Chipstüten, Energy-Drinks und Pizzakartons.“ - Darren O'Donnell räumt ein, er habe bei der Kooperation mit Institutionen und Geschäften Probleme erwartet. „Die meisten waren sehr aufgeschlossen“, erzählt er lächelnd, „ein Polizeibeamter hat uns von seiner Freundin erzählt.“

Termine
- Das Schauspielhaus bietet drei verschiedene Touren an. Nähere Informationen gibt es auf: www.schauspielhausbochum.de/de/stuecke/184/bespiel-mal-bochum. Karten können auch unter Tel.: 3333 5555 reserviert werden.
- Die Aktionen im Einzelnen:
- Freitag, 5. April, 18 Uhr, Langendreer, Treffpunkt an der Nelson-Mandela-Schule, Stiftstraße 25.
- Samstag, 6. April, 15 Uhr, Werne: Treffpunkt an der Willy-Brandt-Gesamtschule, Wittekindstraße 33.
- Sonntag, 7. April, 15 Uhr, Bochum-Mitte: Treffpunkt an der Gesamtschule Bochum-Mitte, Feldsieper Straße 94.

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