Interview mit Jirka Otte, dem Ideengeber
„Music Made in Bochum“, die Playliste für Musik aus Bochum

Jirka Otte, bekannt in der Rap und Hip-Hop Szene, selbst gebürtiger Bochumer, hat mit „Music Made in Bochum“ eine Musik-Playliste ins Leben gerufen, auf der nur Musik aus Bochum und von Bochumer*innen zu hören ist.

Im Interview erzählt er, was ihn zu diesem Projekt animiert hat, wie die Liste Bochumer Musiker*innen vernetzt und wie die Liste bei den Musikinteressierten in Bochum aufgenommen wurde, wie die Liste noch wachsen und wie es in diesem Jahr weiter gehen soll.

Wie bist du auf die Playliste „Music Made in Bochum“ gekommen und was ist das Projekt genau?

Ich bin ja schon lange auf Facebook, Instagram, Spotify und Co. aktiv. Da habe ich mich dafür interessiert, wie in Deutschland Musik in sozialen Medien promoted wird. Gibt es eigentlich eine seriöse Playlist-Promotion für deutsche Musik? Dann bin ich auf einen Beitrag aufmerksam gemacht worden, wie eine der bekanntesten Spotify-Playlists im Genre Hip-Hop „Modus Mio“ promoted wird. In dem Artikel stand, wie die das machen, wie viele Leute für die Promotion der Liste in Berlin arbeiten. Welche Arbeit das ist, dafür Sharepics, Videos usw. zu erstellen und wie wichtig so eine Promotion sein kann. Und was man damit alles machen kann. Auswertungen zum Beispiel, in welcher Stadt, welche Künstler*innen besonders gerne gehört werden. Damit lässt sich dann eine Tour planen, mit den Orten, wo Künstler*innen am besten auftreten sollten.

Und dann kam mir die Idee, was passiert eigentlich in Bochum? Ich hab einfach mal „Bochum“ in die Suche bei Spotify eingegeben und dann von Tag zu Tag mehr Künstler*innen gefunden und zusammengesucht und daraus eine Playliste erstellt. Da waren Sachen bei, die habe ich vorher noch nie gehört. Das war eine tagtägliche Entdeckungsreise, auf der ich immer neue tolle Stücke gefunden habe. Also habe ich mir überlegt, jetzt könntest du die Playliste so ähnlich auf den sozialen Kanälen promoten wie Modus Mio.

Ich und ein kleines Team aus Leuten, die sich auch für die genreübergreifende Liste begeistern, haben dann begonnen, Beiträge über die Bochumer Künstler*innen zu promoten auf unseren Social-Media Kanälen, mit einem Sharepic im Corporate-Design und den wichtigsten Social- Media Links der Musiker*innen. So ist dann ganz schnell ein Netzwerk entstanden. In der Folge haben uns Künstler*innen geschrieben, „wir sind Bochumer Musiker*innen, wollt ihr nicht auch über uns schreiben und uns in die Liste aufnehmen“. Das hat dann richtig viel Spaß gemacht.

Wir haben dann noch Youtube mit ins Boot geholt. Wenn man die Playliste hören möchte, muss man sich dort nicht extra registrieren, das läuft sogar auf den Smart-TVs. Da kommen die Menschen dann noch einfacher und schneller an die Musik aus Bochum ran. Dazu kommen zum Teil noch die Musikvideos mit bewegten Bildern bei Youtube, die das ganze noch interessanter machen.

Und dann seid ihr mit dem städtischen Kulturbüro in Kontakt getreten und habt jetzt von dort auch eine Förderung für Musiker Interviews bekommen?

Dass das Kulturbüro der Stadt Bochum uns jetzt unterstützt und uns als förderwürdig sieht, ist unheimlich wertvoll. Wir haben uns für das Projekt überlegt, mit den in der Playlist vertretenen Musiker*innen Video-Interviews zu führen und die dann auf den Social-Media Kanälen von „Music Made in Bochum“ zu veröffentlichen. Wir wollen fragen, warum seid ihr in Bochum, in welchem Stadtteil seit ihr aktiv, was verbindet euch mit der Stadt und ihrer Kultur, was macht ihr?

Noch in diesem Jahr soll es, wenn Corona das zulässt, 15 Interviews geben. Jeweils vier bis fünf Interviews wollen wir an verschiedenen Bochumer Kulturorten als Staffel aufnehmen. Wir haben z.B. Kontakt aufgenommen zur KoFabrik, dem Bahnhof Langendreer und X-Vision Ruhr. An jedem Ort entsteht dann eine Staffel. So entstehen auch wieder Synergien für die Orte, an denen wir die Interviews machen. Passend zu dem Ort wollen wir die entsprechenden Künstler*innen einladen. Zu X-Vision Ruhr, die jüngeren Talente, in die frisch renovierte Quartiershalle der KoFabrik dann eher die schon bekannteren.

Die Liste soll auch dazu dienen, dass sich die Bochumer Musiker*innen austauschen, zum Beispiel darüber, welche Produzent*innen für sie die beste wären. Welche Erfahrungen sie mit diesem und jenem Digital-Vertrieb gemacht haben. Oder auch „Was macht eigentlich das Kultubüro? Wo gibt es Förderungen? Wo kann man auftreten? Welche Erfahrungen aus anderen Städten könnten in Bochum für den Kulturbetrieb förderlich sein?“ Austauschen und Netzwerken der Bochumer Musiker*innen, dafür kann „Music Made in Bochum“ eine Plattform sein.

Alle werden mit der Playliste angesprochen, aus fast jeder Perspektive. Die Hörer*innen gucken in die Liste, um Sachen zu hören, die Ihnen gefallen, die Produzent*innen oder Labels schauen, welche neuen Musiker*innen und Talente es gibt, die Musiker*innen selbst sehen: Wen gibt es hier noch, mit wem könnten wir uns austauschen oder zusammen arbeiten? Oder wer fehlt, - die bekommen wir dann vorgeschlagen und nehmen sie auch in die Liste auf.

Geniales Projekt. Jeder kann davon gewinnen und was beitragen und damit wächst die Bekanntheit. Gibt es neben den Interviews noch andere Projekte?

Wir versuchen zur Zeit mittwochs und sonntags neuen Content zu kreieren, mit neuen Bands und Infos zur Bochumer Musikszene. Sukzessive baue ich das Netzwerk weiter aus und knüpfe weitere Kontakte. Auch die bekannten Künstler*innen sollen noch mehr eingebunden werden.

Eine Überlegung für die Zukunft ist, für diverse Genres Unterlisten zu erstellen, für Rap, Rock, Hip-Hop, Elektro. Da kann man dann auch noch mehr Stücke von den einzelnen Künstler*innen unterbringen.

Auch wollen wir weibliche Künstlerinnen mehr fördern. Da haben wir schon eine Kampagne gestartet, um in der Liste mehr weibliche Musikerinnen präsentieren zu können. Nach unserem Aufruf „Wanted – Female Artist“ haben wir tolle Tipps bekommen, wen wir noch aufnehmen sollten. Da geht aber noch mehr.

Wir haben noch 'ne Menge Ideen und Arbeit auf Lager. Aktuell liegt der Fokus aber auf den Interviews, das nimmt noch viel Zeit in Anspruch.

Wo gibt es die Liste jetzt? Facebook, Instagram, Spotify, Youtube?

Die „Music Made in Bochum“ Playliste findet ihr auf Spotify und auf unserem Youtube Kanal. Auf absehbare Zeit ist auch eine Internet-Seite als Archiv geplant, wo auch Leute drauf zugreifen können, die was gegen die etablierten Sozialen Medien wie Facebook und Co. haben. MiBO.ruhr wird dann die Domain sein. Das ist aber eine Aufgabe für das nächste Jahr.

Aktuell bietet die Liste Musik für 6 Stunden und 34 Minuten. 100 Musikstücke umfasst die Playliste. Und das alles mit Musik aus Bochum.

Wie hat dich persönlich die Arbeit an dieser Liste weiter gebracht bzw. inspiriert?

Für mich als Künstler ist das Entdecken von Musik anderer Künstler*innen unglaublich wertvoll. Über den Tellerrand zu gucken, sich aus seiner eigenen Blase befreien und raus zutrauen, das ist super interessant und spannend. Das kann ich nur jedem Musiker, jeder Musikerin raten. Das inspiriert unheimlich. Nutzt die Liste als Netzwerk und tauscht euch aus, denn Bochum ist eine Stadt in der man sich hilft, „wo das Wir noch zählt“. Das möchte ich weiter fördern. Glück auf!

Musik Made in Bochum
Kontakt: info@mibo.ruhr
Playlisten: http://www.mibo.ruhr
Facebook: https://www.facebook.com/made.in.bochum
Youtube: https://www.youtube.com/madeinbochum
Instagram: https://www.instagram.com/made.in.bochum

Autor:

Dr. Volker Steude aus Bochum

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