Antifaschisten erinnern an ermordeten Punk

Nicht nur das U bezeiht Stellung gegen Rechts, Antifaschisten erinnern an eines der Opfer rechter Gewalt. | Foto: Archiv
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Am Donnerstag, den 28. März, jährt sich zum achten Mal der Mord an Thomas Schulz, genannt "Schmuddel" . Der Punk wurde am Ostermontag 2005 von dem Neonazi Sven K.in der U-Bahn-Station Kampstraße erstochen. Wie in den letzten Jahren erinnern Antifaschisten mit einer Kundgebung am Jahrestag und einer Demonstration am darauf folgenden Samstag an den Toten.

Eins von 183 Opfern

Thomas Schulz ist eines von 183 Todesopfern, die seit 1990 von Neonazis ermordet wurden. Von diesen sind allerdings lediglich 58 in den offiziellen Statistiken erfasst. Auch Thomas Schulz fehlt in dieser Statistik. "Wir können nicht nachvollziehen, dass ein Mensch von einem bekennenden Neonazi in einem Streit um rechte Parolen
ermordet wird, staatliche Stellen aber den Tathintergrund ignorieren", meint Hannah Piehl, Pressesprecherin antifaschistischer Gruppen aus Dortmund.

Kein Zweifel an der Gesinnung

Der Mörder, ein damals 17-jähriges Mitglied der Skinheadfront Dortmund-Dorstfeld, hat an seiner Gesinnung keine Zweifel gelassen. Aus der Haft schickte er Grußbotschaften an die rechte Szene, nach seiner vorzeitigen Entlassung war er erneut an schweren Übergriffen beteiligt, für die er teilweise bereits verurteilt wurde. "Es ist erschreckend, dass die Richter auch bei diesen Taten keinen
politischen Hintergrund erkennen wollen", so Piehl. ?Selbst dass K.und andere Neonazis im Gerichtssaal ihre Ideologie mit verbotenen Neonazisymbolen zur Schau stellten, führte nicht zu einer politischen Bewertung der Taten. "Ein Versagen der Justiz!", fragt sie sich.

Warten auf Gedenktafel

Auf die bereits durch die Bezirksvertretung beschlossene Gedenktafel warten die Antifaschisten bis heute vergeblich. "Dass nach acht Jahren immer noch keine Gedenktafel auf den Tatort des Mordes hinweist, ist ein unerträglicher Zustand", erklärt die Pressesprecherin. ?Seit Jahren wird der Umbau des Kampstraßen-Boulevard vorgeschoben, um eine öffentliche Thematisierung des rechten Mordes zu verschleppen. "Wir fordern, dass die Stadt endlich handelt und die beschlossene
Gedenktafel angebracht wird", sagt sie.

Ihrer Forderung wollen die Antifaschisten mit mehreren Veranstaltungen Nachdruck verleihen. Für Samstag, den 30. März, rufen sie zu einer Demonstration in Erinnerung an Thomas Schulz und den 2006 ermordeten Kioskbesitzer Mehmet K.auf. Beginn ist um 13 Uhr am Platz von Amiens, die Demonstration macht halt an den Tatorten der rechten Morde. Bereits am 28. März, dem Todestag von Thomas Schulz, organisiert das Bündnis Dortmund gegen Rechts ab 18:30 eine Mahnwache am Tatort Kampstraße.

Autor:

Antje Geiß aus Dortmund-City

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