RKI meldete 48 neue Fälle Welt-Aids-Tag
100 starben an Aids

Über HIV und Aids reden – jetzt erst recht! Aufgrund der Corona-Pandemie war der Zugang zu HIV-Test und -Beratung für viele Menschen stark eingeschränkt. Anlässlich des Welt-Aids-Tags 2021 weist die aidshilfe dortmund auf erweiterte Angebote zu Prävention, Test und Beratung in Dortmund hin.

„In den letzten Monaten standen unsere Angebote aufgrund der Corona-Pandemie nicht wie gewohnt zur Verfügung“, so Michael Mantell, Vorstandsmitglied der Organisation. „Offene Sprechstunden oder Testungen ohne Termin waren nicht möglich. Kontaktbeschränkungen und Hygieneregeln verkomplizierten die Abläufe. Manche Menschen haben sicherlich auch aus Angst vor einer COVID-19-Infektion einen Besuch bei uns verschoben. Viele Aufklärungsveranstaltungen in Schulen oder in unserem schwulen Gesundheitsladen ‚pudelwohl‘ mussten eingeschränkt werden, besonders vulnerable Zielgruppen wie ‚Stricher‘, Menschen aus Subsahara-Afrika oder Drogengebraucher*innen wurden deutlich schlechter erreicht.“

Neues ausprobiert

Gleichzeitig hat Corona neue Wege eröffnet: „Wir haben vieles ausprobiert, um Menschen, die auf unsere Angebote angewiesen sind, auch in der Pandemie zu erreichen“, führt Mantell weiter aus. „Dazu zählen erweiterte Telefon- und online-Beratung, Video-Sprechstunden oder -Gruppentreffen, aufsuchende Angebote oder verstärktes Streetwork und die Propagierung von begleiteten Selbsttests. Da waren wir sehr kreativ und innovativ und hat sich positiv bemerkbar gemacht, dass Aidshilfen schon immer sehr nah an und mit ihren Zielgruppen arbeiten und so niedrigschwellige Zugänge schaffen und aufrechterhalten konnten.“

97% mit Diagnose erhielten Therapie

Die aktuell vom Robert Koch-Institut (RKI) veröffentlichten Daten belegen einen leichten Rückgang der HIV-Neuinfektionen in 2020, der vermutlich sowohl auf eine pandemiebedingte Verminderung von Sexualkontakten zurückzuführen ist, als auch auf eine Abnahme von Testungen. Es sei daher davon auszugehen, dass die Zahl der HIV-Neuinfektionen nach der Pandemie wieder ansteige. Positiv wird konstatiert, dass im Jahr 2020 97% aller Menschen mit diagnostizierter HIV-Infektion auch eine Therapie erhielten. Diese sind in der Regel nicht mehr infektiös, können das Virus also nicht mehr weitertragen. Das RKI fordert bundesweit, die Zugänge zu Test und Therapie weiter zu verbessern.

Normal leben mit HIV

Mantell folgert: „Wir werden vor der großen Herausforderung stehen, vermutlich steigenden HIV-Infektionszahlen wieder niedrigschwellige, zielgruppenorientierte Angebote entgegenzusetzen. Das wird eine Kraftanstrengung, bei der wir aber auf bewährte Zugänge und neu entwickelte Instrumente zurückgreifen können. Leider mussten durch die Pandemie auch zahlreiche Fundraising-Aktionen abgesagt werden, unsere Spendeneinnahmen sind deutlich zurückgegangen. Wir bauen aber auf die Solidarität vieler Bürger*innen und sind zuversichtlich, diese Durststrecke im kommenden Jahr hinter uns lassen zu können. Allen Bürger*innen mit einem möglichen Risiko möchte ich noch sagen: ‚Lassen Sie sich unbedingt testen, denn so werden Infektionsketten unterbrochen und die eigene Gesundheit erhalten – denn Menschen unter Therapie können ein normales Leben führen und geben das Virus nicht weiter!‘“

Aktionen in Dortmund

Trotz der aktuellen Bedingungen und vorbehaltlich der weiteren Entwicklungen hat die aidshilfe dortmund auch in diesem Jahr zahlreiche Veranstaltungen rund um den Welt-Aids-Tag geplant:

  • 28. November, 10.30 - 14.00 Uhr: QueerBrunch im caféplus (Gnadenort 3 - 5)
  •  29. November, 18.30 Uhr bis 21.00 Uhr: Beratung und Test. anonymer und kostenloser HIV-Schnelltest und STI-Check für schwule/bisexuelle/queere Männer im Gesundheitsladen pudelwohl (Gnadenort 3 – 5)
  • 1. und 2. Dezember, 10 bis 14 Uhr an der Technischen Universität Dortmund: HIV-Schnelltestaktion – anonym und kostenlos.
  • 1. Dezember, 18:00-20:30 Uhr CAYA (Come As You Are) – Geselliges Backen und Empowerment für Frauen und nicht-binäre Personen im caféplus
  • 3. Dezember, ab 19 Uhr: Glühweinumtrunk und Vortrag/Diskussion mit Dr. Hower zu Neuerungen im Bereich HIV im caféplus
  • 5. Dezember, 12-16 Uhr: WAT-Aktionstag in der MISSAD-Church (Brennaborstraße 10)
  • 6. Dezember, 18.30 Uhr bis 21.00 Uhr: Beratung und Test. anonymer und kostenloser HIV-Schnelltest und STI-check für schwule/bisexuelle Männer im Gesundheitsladen pudelwohl
  •   7. Dezember, 18 Uhr: Vortrag und Diskussion: HIV und Schuld, online (Anmeldung unter info@pudelwohl-dortmund.de)

Die Fakten

(aktuellste Daten zum Jahr 2020 vom Robert Koch-Institut)

- In Deutschland

  • leben rund 91.400 Menschen mit HIV o infizierten sich in 2020 etwa 2.000 Menschen mit HIV (2019: 2.300); der Trend bei MSM (Männer, die Sex mit Männern haben) ist dabei rückläufig, bei Drogenkonsument:innen sowie bei heterosexuellen Übertragungen weiterhin ansteigend
  • nehmen 97% der Menschen mit HIV-Diagnose HIV-Medikamente, 96% dieser Therapien verliefen erfolgreich (kaum Viruslast im Blut und damit auch nicht infektiös)
  •  wissen noch immer ca. 9.500 Menschen nichts von ihrer Infektion und erhalten deswegen keine Behandlung
  • erkranken deswegen immer noch rund 1.000 Menschen pro Jahr an Aids oder einem schweren Immundefekt – obwohl es vermeidbar wäre
  • sind ca. 380 Menschen mit HIV gestorben

- In NRW

  • leben rund 21.200 Menschen mit HIV
  • waren im Jahr 2020 440 Neuinfektionen zu verzeichnen (2019: 385) sowie rund 100 Todesfälle

- In Dortmund

  •  wurden beim RKI 48 Neudiagnosen im Jahr 2020 dokumentiert (2019: 50), in 2020 bislang 34
  •  war die Zahl der Neudiagnosen in 2019, bei denen der Übertragungsweg „heterosexueller Kontakt“ angegeben wurden, mit 12 Fällen außergewöhnlich hoch und im Vergleich zur Gruppe der MSM (8 Neudiagnosen) und Drogengebrauchenden (2 Neudiagnosen) erstmalig am größten.
  •  leben nach eigenen Schätzungen knapp 1.000 Menschen mit HIV


weitere Informationen:

www.aidshilfe-dortmund.de;
www.pudelwohl-dortmund.de

Autor:

Lokalkompass Dortmund-City aus Dortmund-City

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