Ein Siegel für mehr Akzeptanz
Das WBZ ist ein „Lebensort Vielfalt“ für LSBTI

Heimleiterin Manuela Balkenohl freut sich, dass sich Werner Krampe (M.) und Erik van Dingen im WBZ wohlfühlen.
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  • Heimleiterin Manuela Balkenohl freut sich, dass sich Werner Krampe (M.) und Erik van Dingen im WBZ wohlfühlen.
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  • hochgeladen von Tobias Weskamp

Es gibt viele Homosexuelle, Bisexuelle, Trans- und Inter-Personen, die befürchten im Alter diskriminiert zu werden. Um dem zu begegnen, haben Heime wie das Wohn- und Begegnungszentrum Zehnthof (WBZ) das Qualitätssiegel Lebensort Vielfalt eingeführt.

 Ob Homosexuelle, Bisexuelle, Trans- und Inter-Personen – oder kurz LSBTI –, sie alle sollen im WBZ, Am Zehnthof 119, unbehelligt leben können. „Wie alle städtischen Heime ist auch das WBZ für alle Bürger, auch für Minderheiten“, erklärt Heimleiterin Manuela Balkenohl. Die Qualitätsbeauftragte der Stadt, Maria Luig, nahm Kontakt zur Schwulenberatung Berlin auf. Das Siegel wurde am 20. März verliehen.

Anke Gerhardt wohnt seit etwa fünf Jahren im WBZ. Sie war verheiratet: „Meine Exfrau besucht mich hier regelmäßig“, erzählt sie. Eine Tochter und einen Sohn hat sie auch – „Sie sind herzadoptiert“ – und zwei Enkelkinder. Im WBZ wohnt der BVB-Fan gerne. Anke Gerhardt nimmt an zahlreichen Aktivitäten teil und ist auch Schauspielerin beim halbjährlichen Krimidinner.

Außerdem gehört Anke Gerhardt der Arbeitsgruppe LSBTI an. „Wir haben unter anderem den Verhaltenskodex für das Haus erarbeitet“, so die 53-Jährige. Dieser legt unter anderem fest, dass sich jeder selbst verwirklichen kann, dass seine Wertvorstellungen anerkannt werden und unbehelligt Beziehungen zu anderen Menschen pflegen zu können. „Der Verhaltenskodex ist auch im Haus ausgehängt, damit ihn alle Bewohner kennen“, erklärt Diplom-Sozialarbeiterin Bozena Krawczyk.

Hier im Heim sei die Akzeptanz gut: „Diskriminierung habe ich hier noch nicht erlebt“, lobt Anke Gerhardt. „Ich fühle mich hier wohl.“ Auch vor ihrer Zeit hier hat sie ihre sexuelle Orientierung offen ausgelebt. Zwar war sie auch mal mit einem Mann verlobt, aber sie erkannte bald, dass das nicht das Richtige für sie war.

„Ich hatte anfangs große Sorge, als Homosexueller im Pflegeheim zu leben“, erklärt Werner Krampe. Er ist auf seinen Rollstuhl angewiesen. „Meine Sorge wurde hier aber nicht bestätigt. Wir wurden sehr offen aufgenommen.“ Sein Partner Erik van Dingen lebt nicht im Heim, besucht ihn aber regelmäßig. Er ist ebenfalls mit dem WBZ zufrieden: „Hier können wir unsere Partnerschaft offen ausleben, sie ist hier kein Thema.“ Bei Problemen wenden sie sich wie alle anderen Bewohner an Manuela Balkenohl oder an Bozena Krawczyk.

Kennengelernt haben sich Krampe und van Dingen vor 24 Jahren in einem Szene-Café in Köln. Seinen Freund Werner Krampe hat er 2018, als es in Deutschland möglich war, endlich geheiratet: „Wir sind total froh, dass es die Ehe für alle gibt.“ Im WBZ machen sie sich keine Sorgen, offen zu zeigen, dass sie zusammengehören. „Das ist hier gar kein Problem.“

Die Mitarbeiter des WBZ werden für den Umgang mit LSBTI sensibilisiert und besuchen auch Schulungen. „Dabei erfahren sie auch viel über die Geschichte der Homosexualität in Deutschland, etwa die ‚Goldenen Zwanziger‘ und den Wandel in der NS-Zeit“, beschreibt Altenpflegerin und Altentherapeutin Gabi Kogler-Diller. Sowohl in der Nachbarschaft als auch in der LSBTI kommt das Siegel gut an: „Die Menschen wissen, dass sie hier gut aufgehoben sind“, freut sich Bozena Krawczyk.

Autor:

Tobias Weskamp aus Dortmund-Ost

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