Kolumne: Fingerfood

Als Fingerfood bezeichnet man Speisen, die mit den Fingern zum Mund geführt werden, also ohne Besteck gegessen werden. Tapas gehören genauso dazu wie Appetithäppchen, Canapés und an kleinen Spießchen servierte Lebensmittel.

Die Düsseldorfer Altstadt gilt gemeinhein als "die längste Theke der Welt". Das Bier fließt hier in Strömen, Gastronomie ist eher am Rande vertreten.

"Daran muß sich etwas ändern," fordert Stanislaus Wowowiak, Leiter des Lebensmittelkundlichen und Gastronomiemuseums. "Auch wenn Bier ein anerkanntes Grundnahrungsmittel ist: Es gibt mehr als Flüssignahrung."

Sein Ansatz: Das Ausstellungsangebot seines Museums wird erweitert. Es soll nicht nur Torten, Austern, Kaviar oder vegetarisches Schnitzel zu sehen geben - Fingerfood lautet der neue Trend.

"Stellen Sie sich doch mal vor, Sie gehen zu Ihrer eigenen Hochzeit. Da möchten Sie doch auch nicht nur üppige Gerichte mit mehreren Gängen zu sich nehmen," betont Wowowiak. "Nach dem Mittagsschlaf gibt es dann mal nicht Kaffee und Kuchen. Sondern Häppchen, Fingeressen eben."

Seine eigene Mutter habe ihn auf diese Idee gebracht. Sie sei die Elizabeth Taylor von Alt-Düsseldorf. "Bei ihrer 7. Hochzeit war sie Heiraten eben gewohnt. Aus lauter Langeweile suchte sie nach Alternativen. Entjungfert war sie schon. Also mußte sich etwas beim Essen ändern. Der Caterer empfahl Häppchen der unterschiedlichsten Art - Sushi, Käse auf Schwarzbrot, Weintrauben mit Käse, Weißbrot mit Tzatziki, Erdnüsse, Butterkekse mit Frischkäse und ähnliches. Die Auswahl fand großen Anklang bei den Hochzeitsgästen und war innerhalb kürzester Zeit leergegessen."

Die Haustechniker des Museums konnten ihrer Phantasie freien Lauf lassen und gestalteten aus Holz, Plastik und anderen Materialien Ausstellungsstücke für das Museum. Offenbar so originalgetreu, daß insbesondere kurzsichtige und lebensältere Museumsbesucher die Exponate für Essen hielten und hineinbeißen wollten.

"Wir mußten schon Museumswärter einstellen, die unsere Ausstellung bewachen," berichtet Wowowiak. "Immerhin haben wir auch einen eigenen Gastronomiebetrieb eröffnet. Dort gibt es eine riesige Auswahl an Fingerfood. Gegen Aufpreis beim Eintrittspreis kann man sich dort am Buffet bedienen, alles ausprobieren und solane essen, wie man möchte. Es ist so ähnlich wie Brunch."

Die Besucherzahlen des Museums sind seitdem kontinuierlich gestiegen.

Autor:

Andreas Rüdig aus Duisburg

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