Zwischen Idealismus und Realität
Ausflug in die Kommunalpolitik
- hochgeladen von Gunther Verholen
Ein Ausflug in die Kommunalpolitik – und die Erkenntnis, dass man dafür härter sein muss, als man denkt.
Manchmal muss man Wege gehen, um festzustellen, dass sie nicht die eigenen sind.
Mein Weg in die Kommunalpolitik war so ein Weg.
Ich bin mit einer klaren Motivation angetreten: Dinge verbessern, Missstände benennen, Verantwortung übernehmen. Nicht aus Karrieregründen, sondern aus Überzeugung. Weil mir diese Stadt, die Menschen hier und das, was aus ihr wird, nicht egal sind.
Und genau darin liegt das Problem.
Kommunalpolitik ist kein Ort für Idealismus. Sie ist ein Ort für Durchhaltevermögen, für Abgrenzung, für strategische Kälte. Wer zu sehr fühlt, wer zu sehr hinhört, wer sich wirklich berühren lässt von den Sorgen der Menschen, der zahlt einen hohen Preis.
Ich habe mich gestritten, eingesetzt, erklärt, vermittelt. Ich habe diskutiert, moderiert, geschluckt, ausgehalten. Oft mit dem Gefühl, auf verlorenem Posten zu kämpfen. Nicht, weil die Themen falsch waren – sondern weil das System selbst kaum Raum lässt für echte Menschlichkeit.
Die Grundidee der AfD halte ich nach wie vor für richtig: Kritik an Fehlentwicklungen, klare Worte, unbequeme Fragen. Dafür stehe ich. Das hat sich nicht geändert.
Aber die kommunalpolitische Realität ist eine andere Welt. Eine Welt aus Gremien, Ritualen, Blockaden, Machtspielen und endlosen Schleifen. Eine Welt, in der es weniger um Lösungen geht als um Positionen. Weniger um Inhalte als um Lager.
Um das dauerhaft auszuhalten, braucht man eine innere Härte, die ich nicht habe – und ehrlich gesagt auch nicht haben möchte.
Ich bin zu weich dafür.
Zu sehr Mensch.
Zu wenig Politiker.
Und vielleicht ist genau das keine Schwäche, sondern eine Erkenntnis.
Nicht jeder, der sich politisch engagiert, muss bis zum Ende kämpfen. Manchmal ist es klüger, rechtzeitig zu sagen: Das hier bin ich nicht mehr. Nicht aus Trotz, nicht aus Enttäuschung – sondern aus Selbstachtung.
Mein Ausflug in die Kommunalpolitik war lehrreich. Er hat mir gezeigt, wie das System funktioniert. Aber vor allem hat er mir gezeigt, wo meine Grenzen liegen.
Und die liegen dort, wo man aufhören muss, Mensch zu sein, um Politiker zu bleiben.
Herzlicht Gunther Verholen M.A.
Community:Gunther Verholen aus Duisburg |

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