Helfen wird politisch
Wenn Helfen zur Gesinnungsfrage wird
- hochgeladen von Gunther Verholen
Wenn Hilfe politisch wird – DLRG, AfD und die Frage nach dem gesellschaftlichen Zusammenhalt
Die Diskussion um die Zusammenarbeit von Mitgliedern der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) mit Angehörigen der AfD markiert einen neuen, beunruhigenden Punkt im politischen und gesellschaftlichen Klima unseres Landes. Was zunächst als Einzelfall oder interne Abgrenzung erscheint, wirft bei genauerem Hinsehen grundsätzliche Fragen auf: Wo endet politische Haltung – und wo beginnt Entmenschlichung?
Die DLRG steht seit Jahrzehnten für ein überparteiliches, humanitäres Selbstverständnis. Retten, helfen, schützen – unabhängig von Herkunft, Weltanschauung oder politischer Überzeugung. Genau dieses Prinzip bildet eine der tragenden Säulen unserer Zivilgesellschaft. Wenn nun öffentlich diskutiert wird, ob ehrenamtliche Helfer aufgrund ihrer Parteimitgliedschaft ausgegrenzt oder unter Generalverdacht gestellt werden, verlässt die Debatte den Raum legitimer politischer Auseinandersetzung und betritt gefährliches Terrain.
Vom Ausschluss der Helfenden zum Ausschluss der Hilfsbedürftigen?
Die zentrale Sorge vieler Bürger lautet nicht, ob Organisationen ein politisches Profil haben dürfen – das ist ihr gutes Recht. Die Sorge ist eine andere: Wenn Menschen nicht mehr helfen dürfen, weil sie einer bestimmten Partei angehören, ist dann der nächste Schritt, dass Menschen nicht mehr geholfen wird, weil sie dieser Partei zugerechnet werden?
Diese Frage ist keine polemische Zuspitzung, sondern eine logische Konsequenz, die zumindest gedacht werden muss. Gesellschaften verlieren ihre moralische Orientierung nicht abrupt, sondern schrittweise – oft mit guten Absichten, aber ohne klare Grenzen.
Entmenschlichung durch politische Etiketten?
Begriffe wie „der AfDler“ sind längst mehr als politische Zuschreibungen. Sie dienen zunehmend als moralisches Etikett, das Menschen aus dem Kreis des Sagbaren, Hörbaren oder Akzeptablen ausschließt. Wer so kategorisiert wird, muss sich nicht mehr rechtfertigen, erklären oder verteidigen – er gilt bereits als delegitimiert.
Das ist keine gesunde Entwicklung für eine Demokratie. Politische Auseinandersetzung lebt vom Streit der Argumente, nicht von der Ausgrenzung von Personen. Eine Gesellschaft, die beginnt, Menschen primär nach ihrer politischen Haltung zu bewerten – statt nach ihrem Handeln –, riskiert ihren inneren Zusammenhalt.
Wie sollten wir uns jetzt verhalten?
Besonnenheit ist das Gebot der Stunde. Ehrenamt und humanitäre Hilfe müssen überparteilich bleiben – nicht aus Naivität, sondern aus historischer Verantwortung. Organisationen wie die DLRG dürfen nicht zum Austragungsort politischer Grabenkämpfe werden, wenn sie ihre Glaubwürdigkeit und ihren Auftrag bewahren wollen.
Für politisch engagierte Menschen – gleich welcher Partei – bedeutet das: ruhig bleiben, Haltung zeigen, aber nicht provozieren lassen. Der demokratische Rechtsstaat bietet Mittel zur Auseinandersetzung. Wer auf Ausgrenzung mit Radikalisierung reagiert, bestätigt genau jene Narrative, die eine Spaltung vertiefen.
Ein Warnsignal, kein Endpunkt
Ob wir es mit dem „Anfang vom Ende“ zu tun haben, lässt sich heute nicht sagen. Sicher ist jedoch: Die Grenze zwischen legitimer Abgrenzung und gefährlicher Entmenschlichung wird zunehmend unscharf. Gerade deshalb braucht es Stimmen, die mahnen, ohne zu spalten – und die daran erinnern, dass Humanität nicht teilbar ist.
Denn am Ende entscheidet nicht die Parteimitgliedschaft darüber, wer ein Mensch ist – sondern das Handeln. Und Hilfe darf niemals zur Frage der Gesinnung werden.
Herzlichst Gunther Verholen
Community:Gunther Verholen aus Duisburg |

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